Silbermöwe

Donnerstag, 16. August 2012

Fairer Handel boomt in Deutschland

Verbraucher kauften Produkte für 477 Millionen Euro

Heute finden sich auch in vielen Supermärkten fair gehandelte Produkte. Der Anteil am gesamten Handel ist zwar noch gering, aber er wächst. Foto: dapd

Trotz der Finanzkrise wächst der Faire Handel in Deutschland kontinuierlich. Wie das Forum Fairer Handel (FFH) am 10. August in Berlin mitteilte, gaben die Verbraucher im vergangenen Jahr 477 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte aus. Das entspricht einer Steigerung von 16 Prozent zum Vorjahr und einer Verdopplung des Umsatzes innerhalb der letzten drei Jahre. Nach Angaben von Antje Edler, FFH-Geschäftsführerin, profitieren weltweit mehr als sechs Millionen Menschen von den Vorteilen des Fairen Handels.
Allerdings beklagte das FFH, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise gerade kleinbäuerliche Kooperativen in den Ländern des Südens aufgrund von verstärktem Wettbewerb, Preisrisiken und erhöhtem Finanzierungsbedarf unter Druck setze. Ein Hoch der Weltmarktpreise für Kaffee habe Bauern zwar bessere Einkommen ermöglicht, allerdings seien zugleich die Lebenshaltungs- und Produktionskosten stark gestiegen. Zudem stünden dringende Investitionen an, etwa in Erneuerungen der Kaffeepflanzen oder zur Anpassung an den Klimawandel.
Die FFH beklagte hohe Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten durch den Einfluss von Finanzinvestoren. Banken, institutionelle Investoren und Hedgefonds hätten Rohstoffe wie Weizen, Kaffee und Mais als profitable Anlagemöglichkeit entdeckt. Zwar bestehe auf politischer Ebene ein breiter Konsens gegen exzessive Spekulation mit Rohstoffen. Bislang fehlten aber auf internationaler Ebene und in der EU weiterreichende Schritte dagegen.
Marita Wiggerthale von Oxfam Deutschland betonte, dass vor allem arme Familien in Entwicklungsländern unter den Folgen zu leiden hätten. Sie müssten oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Essen ausgeben. Die Bundesregierung müsse eine effektive Regulierung der europäischen Handelsplätze durchsetzen. Zudem sollten die Allianz und die Deutsche Bank „endlich aus dem Geschäft mit dem Hunger aussteigen“.
Sowohl zu niedrige als auch spekulativ getriebene, oft kurzfristige Spitzenpreise gingen an der Zielsetzung des Fairen Handels vorbei, betonte Edler.  „Das Monopoly-Spiel an den Warenterminbörsen hat reale Auswirkungen auf Bauern, Kooperativen und Händler.“
Dem Forum gehören unter anderem die Siegelinitiative TransFair, der Weltladen-Dachverband, die kirchlichen Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor, die kirchlichen Jugendverbände AEJ und BDKJ, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und Fair Trade an. (Redaktion)

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