Silbermöwe

Mittwoch, 06. Juni 2012

Padre Alfredo und die Kinder von Cali

Missionar wieder in der Heimat – Viele Freunde auch im Bistum Speyer

Pater Alfred Welker – ein Freund der Menschen in den Slums von Cali. Tausenden von Kindern und Jugendlichen hat er eine Zukunft gegeben. Foto: Adveniat

Jesuitenpater Alfred Welker, der im Jahr 1981 in den Slums von Cali/Kolumbien seine Arbeit begann, lernten wir, die Organisatoren des Hungermarsches Gossersweiler, durch Dr. Hanns-Christian Conrad kennen, der sechs Wochen bei Pater Welker als „Arzt für die Dritte Welt“ gearbeitet hatte. Durch die tiefe Betroffenheit von Dr. Conrad, der von dem Elend dieser Menschen in den Armenvierteln sehr berührt war, entschlossen wir uns, die Arbeit von Pater Welker mit unserem Hungermarsch zu unterstützen. Persönlich lernten wir Pater Alfred durch seine Besuche in Gossersweiler kennen. Seine direkte, humorvolle Liebenswürdigkeit eroberte unsere Herzen im Sturm.vor einigen Monaten musste Padre Alfredo, wie er überall in Kolumbien heißt, aus gesundheitlichen Gründen in seine Heimat zurückkehren. Er lebt jetzt im Altenheim der Jesuiten in Unterhaching.
Zu Beginn seiner Tätigkeit in Cali beschreibt Pater Welker sein Entsetzen über die dort angetroffene Situation der Menschen in El Retiro und Vergel in einem Brief nach Deutschland als „die Hölle von Cali“. Er schreibt jenseits des Wohlstandes zu leben heißt, auf sich allein gestellt, ganz unten zu sein. Jeder ist sich selbst der Nächste, keine Politik, kein Staat fühlt sich zuständig. Kein Arzt, keine Polizei, kein Telefon, der Stärkere überlebt. Die Moral ist am Ende. Suff, Betrug, Diebstahl, Gewalt sind die Folgen. Seine Wut über Hunger, Kindersterblichkeit und den Gegensatz zwischen Armut und Reichtum lassen ihn nicht mehr zur Ruhe kommen.
Der Brief wühlt auf, weckt Interesse und Mitleid. Die ersten Spenden kommen. Das Werk „Die Kinder von Cali“ entsteht. Zunächst beginnt ein Bautrupp mit der Kanalisation, Kindergärten, Grundschule, Gymnasium, Behindertengruppen, Produktionswerkstätten, Altenarbeit, ein kleines Krankenhaus, Jugendgruppen, Krabbelgruppen, Großküche, ein Gesundheitszentrum entstehen. Tausende von Kindern und Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, Kindergärten und Schulen zu besuchen und eine Ausbildung zu machen. Alleinerziehende Frauen erhalten Arbeit als Kindergärtnerinnen, Köchinnen oder Putzfrauen. Adveniat finanziert eine Pfarrkirche und Misereor einen Geländewagen. 1985 wird die Gemeinde zur Pfarrei erhoben.
Pater Alfredos Motto lautet: Da sein für Verzweifelte, Arme, Kranke, Verlassene. Pater Alfredo schläft wenig, arbeitet viel. Er lebt in einem kleinen Verschlag, 3 x 4 Meter, undichtes Dach, Lehmboden. Ratten, Moskitos und Kakerlaken sind seine Begleiter. Er hetzt von einer Versammlung zur anderen, hält Messen, beerdigt Ermordete und Kleinkinder. Mehrere Male wurden Attentate auf ihn verübt. Es bedurfte seines großen Glaubens, weil nur er die Kraft gibt, sich in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft, Bedrohungen, Attentaten, etc. auszusetzen.
Alfredo ist überzeugt, Gott offenbart sich in den Ärmsten; sie zeigen den Leidensweg Jesu, und Nachfolge bedeutet für ihn, für die Befreiung der von einem Leben in Fülle Ausgeschlossenen einzutreten. Pater Welker glaubt, dass die Sache Jesu eine große Option für unsere Welt wäre, wenn wir uns daran halten würden, nicht nur „Herr, Herr“ zu sagen, sondern wenn wir versuchen würden, unsere Welt zu ändern, von einer Welt der Gewalt, des Hasses und des Geldes in eine Welt der Zärtlichkeit, Freundschaft und Brüderlichkeit. Durch diesen absolut tiefen Glauben, angesichts Hunderter sinnlos gestorbener Kinder, sinnlos ermordeter Jugendlicher, nicht verrückt oder zynisch zu werden, sondern trotz allem am Plan Gottes für die Menschen festzuhalten und für das Reich Gottes einzutreten.
So gelang es Pater Welker dank vieler Helfer, Unterstützer und Spender das großartige Werk der „Kinder von Cali“ aufzubauen.
Nun ist Pater Alfredo nach Deutschland in seine alte Heimat zurückgekehrt. Seine Option war immer, in Cali bei seinen Schützlingen zu bleiben. Doch aus gesundheitlichen Gründen war ihm dies leider nicht möglich. Aber sein Werk lebt weiter, vor allem in den Menschen, die ihm begegnet sind und begegnen – und in dem von ihm gegründeten Kinderfond. (Elisbeth Kempf)

Spenden für die Arbeit von Jesuitenpater Alfred Welker können unter dem Stichwort
„Alfred Welker“
auf das Konto
Bistum/Silbermöwe
Kontonummer 36340
bei der
Liga-Bank Speyer
BLZ 75090300
eingezahlt werden.

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