Wochenkommentar

Donnerstag, 16. Februar 2017

Es bewegt sich was in der Ökumene

Ziel ist die Einheit in versöhnter Verschiedenheit

Es ist noch nicht lange her, da wurde die „Eiszeit“, der Stillstand in der katholisch-evangelischen Ökumene beklagt. Im Hinblick auf das Reformationsjubiläum in diesem Jahr betonten die Protestanten die Möglichkeiten zur Eigenprofilierung und Selbstdarstellung, während die Katholiken sich dagegen wehrten, dass da eine Abspaltung gefeiert werden sollte.

Doch all das scheint im laufenden Jahr des Reformationsgedenkens wie weggewischt und Schnee von gestern zu sein. Da empfängt Papst Franziskus den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur ersten gemeinsamen evangelisch-katholischen Audienz, und Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm laden den Papst auch gemeinsam zu einem Besuch nach Deutschland ein – ein vor kurzem noch undenkbarer Vorgang. Darüber hinaus sind alle drei sich einig: Gottes Barmherzigkeit ist stärker als alle Glaubensspaltungen, und durch einen vertieften Dialog über das Taufverständnis sollen die noch bestehenden Unterschiede immer mehr überwunden werden.

Auch in Deutschland tut sich Bemerkenswertes: Da stellen DBK und EKD in Stuttgart gemeinsam ihre überarbeiteten Bibel-Übersetzungen vor, bringen ihre große Wertschätzung für die Fassung der jeweils anderen Konfession zum Ausdruck und würdigen die Heilige Schrift als „kräftigste Schnur der Gemeinsamkeit“. Wenn man bedenkt, wie unterschiedlich der Stellenwert der Bibel für Katholiken und Protestanten lange war, ist das eine Sensation. Das Klima zwischen den beiden großen Kirchen in Deutschland hat sich deutlich gebessert. Klar ist auch, worauf das Ganze hinauslaufen soll: nicht auf eine Einheitskirche, sondern auf eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit.

Das Reformations-Gedenkjahr, das erstmals in der Geschichte ökumenisch und zudem bewusst als Chris­tusfest begangen wird, kann noch weit tragen. Ob Papst Franziskus gar bereit ist, die deutschen Bischöfe im Rahmen einer Sonderregelung in der Eucharistie-Frage vorangehen zu lassen, wie vereinzelt behauptet wird? Klar ist: Voreilige Spekulationen verbieten sich, und Hindernisse und Bremser gibt es in beiden Kirchen zuhauf. Doch dieses Gedenkjahr hält hoffentlich noch manche Überraschung bereit. (Gerd Felder)      

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