Wochenkommentar

Donnerstag, 16. März 2017

Priester zwischen Ideal und Realität

„Viri probati“ als probates Mittel gegen den Priestermangel?

Es ehrt die Bischöfe, dass sie – wie bei der jüngsten Vollversammlung – nicht die Augen vor der dramatischen Situation des mangelnden Priesternachwuchses und der menschlichen und geistlichen Überforderung vieler Priester verschließen. Allzu offensichtlich gehen die Idealforderungen, die vielfach an diese Beruf(ung)sgruppe gestellt werden, und die realen Möglichkeiten vor Ort weit auseinander. Aber auch die Zusammenlegungen zu Großpfarreien mit mehr Anonymität und Distanz zu den Gläubigen fordern ihren Tribut.

Papst Franziskus hat in jüngerer Zeit, wie auch sein Vorgänger Benedikt XVI., die Erosion des katholischen Lebens in Deutschland beziehungsweise eine mangelnde Dynamik des Glaubens beklagt. Fest steht: In vielen Familien wird der Glaube seit mindestens einer Generation nicht mehr weitergegeben, und der Religionsunterricht trägt ebenfalls nicht entscheidend zur Strahlkraft der christlichen Botschaft bei. Wie sollen da Berufungen entstehen, zumal in einer kinderarmen Gesellschaft? Immer dringlicher stellt sich die Frage nach der Weihe von „viri probati“, also erfahrenen Männern, zu Priestern, sowie nach dem Frauendiakonat. Dass Papst Franziskus beides intensiv bedenkt und offen zur Diskussion stellt, ist ein großer Fortschritt. Den Zölibat ganz freizustellen, lehnen sowohl der Papst wie die deutschen Bischöfe, ab.

Richtig ist: Das wäre tatsächlich ein gravierender Einschnitt in der Geschichte der Kirche. Andererseits wird es aber höchstwahrscheinlich nicht ausreichen, „viri probati“ nur in extremen Ausnahmefällen und entlegenen Gegenden zuzulassen.     
Ein Patentrezept, wie der besorgniserregenden Entwicklung zu begegnen ist, haben die Bischöfe nicht. Immerhin: Die Zahl der Diözesen, die darüber nachdenken, Laien als Gemeindeleiter einzusetzen und diese Aufgabe nicht mehr ausschließlich für Priester zu reservieren, steigt.

Nicht zuletzt aber müssen wir uns alle fragen, was wir für die Kirche und den Glauben tun können, und nicht umgekehrt, was die Kirche für uns tun kann. Wenn jeder von uns wieder überzeugender und überzeugter auftritt und handelt, werden die Kirche und der christliche Glaube bald ein besseres Image haben –  mit der Folge, dass es auch wieder zu mehr Berufungen kommt. (Gerd Felder)   
  

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