Wochenkommentar

Donnerstag, 26. August 2010

Zivildienst, Freiwilligendienst oder ...?

Caritas widerspricht Bundesfamilienministerin Kristina Schröder

Die Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für einen „bundesweiten freiwilligen Zivildienst“ stoßen auf deutlichen Widerspruch bei den Wohlfahrtsverbänden. Der Deutsche Caritasverband nannte das Vorhaben in Berlin „nicht sinnvoll“ und forderte einen Ausbau der bestehenden Freiwilligendienste. Eine Linie, die übrigens auch die Diözesan-Caritasverbände in Rheinland-Pfalz verfolgen.

Caritas-Präsident Peter Neher nannte – höflich – die Überlegungen Schröders überraschend. Es sei nicht sinnvoll, neben den organisatorisch eingespielten Jugendfreiwilligendiensten staatliche Zivildienst-Strukturen „als unnötige Parallelstruktur auszubauen“. Neher forderte, im Falle einer Aussetzung des Wehrdienstes, die das Ende des Zivildienstes bedeuten würde, die seit Jahren bewährten Freiwilligendienste auszubauen.

Bei der gegenwärtigen Diskussion darf es nicht nur darum gehen, wie Löcher im sozialen Netz gestopft werden können. Eine Reduzierung  auf diese Problematik würde der grundsätzlichen Fragestellung nicht gerecht. Caritaspräsident Neher nennt als Beispiel das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das in seiner Struktur und seinem Charakter vor allem als Lerndienst  funktioniere. Jährlich engagierten sich rund 37000 junge Frauen und Männer in verschiedenen sozialen Arbeitsbereichen. Die Nachfrage nach FSJ-Plätzen übersteigt das Angebot bei weitem. Deshalb seien Investitionen notwendig, für die die Politik die frei werdenden Gelder aus dem Ende des Zivildienstes gut und sinnvoll nutzen könne, so Neher. Diese Forderung stellen die FSJ-Träger bereits seit langem.

Derweil betont die Bundesfamilienministerin, sie sehe keine Chance, an Stelle des Zivildienstes einen verpflichtenden Sozialdienst für junge Leute einzuführen. Sie finde die Idee zwar „sympathisch“; für diesen Eingriff in die Freiheit der jungen Menschen gebe es nach einem Aussetzen der Wehrpflicht aber keinen gewichtigen Grund, sagte sie im Südwestrundfunk. Kurz zuvor hatte die Ministerin für den Fall des Wegfalls der Wehrpflicht und des damit verbundenen Aus für den Zivildienst einen „bundesweiten freiwilligen Zivildienst“ angekündigt. Schröder strebt unter anderem auch freiwilligen Zivildienst auch für Frauen an.

Kurz: Bei den anstehenden Fragen wird es keine einfachen und keine schnellen Antworten geben. Aber ein Gedanke, den Caritas-Präsident Neher ins Gespräch gebracht hat, scheint als Orientierungspunkt  bedeutsam: Es geht darum, jungen Menschen „Lerndienste“ zu ermöglichen. Es gibt nichts Wichtigeres – für die jungen Menschen nicht und für die Gesellschaft.

(Nobert Rönn)

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