Wochenkommentar

Mittwoch, 13. Juni 2012

Zynische Gewaltspirale

Auch Christen halten Assad aus Angst noch die Treue

Massaker folgt auf Massaker, und ein Ende ist nicht abzusehen. 
Wie vielen Massakern in Syrien kann und darf die Weltgemeinschaft noch tatenlos zusehen? Umgekehrt aber gilt auch: Kann und darf oder muss sie gar militärisch eingreifen? Geht das überhaupt angesichts der völlig verworrenen Lage im Land?
Das zynische Muster, nach dem der Gewaltherrscher Baschar al-Assad vorgeht, ist nur allzu durchschaubar: Er lässt sein eigenes Volk von Raketen und Panzern niedermetzeln – und behauptet, ausländische Mächte oder „Terroristen“ hätten die blutigen Untaten verübt. Es ist das alte Lügengewebe, das wir von allen skrupellosen Diktatoren dieser Welt längst kennen. Doch die Beweislage ist erdrückend, und niemand in der freien Welt sollte ihm auch nur noch den geringsten Glauben schenken.
Doch was tun? Noch halten Russland und China unverbrüchlich zu Assad, die syrische Opposition ist zerstritten, die Rebellen-Milizen agieren teilweise auf eigene Faust, die bürgerliche Mittelschicht steht aus Angst vor dem Chaos weiter zu Assad, – und nicht zuletzt auch die Christen, die bislang manche Freiheiten genossen haben, halten ihm noch die Treue. Niemand kann vorhersagen, was nach dem Schlächter kommen könnte; die Entwicklung in anderen arabischen Staaten liefert da abschreckende Beispiele.
Mit jedem Gemetzel aber steigt der Druck, endlich wirksam zu handeln. Der Annan-Plan für eine Waffenruhe und eine politische Lösung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Westen sollte endlich wirksame Sanktionen gegen das Regime in Damaskus verhängen, Assad unmissverständlich verurteilen und ultimativ zum Rückzug auffordern. Ob die Türkei und die arabischen Staaten besser in der Lage sind, das Schlimmste zu verhindern, erscheint äußerst fraglich. Der größtmögliche Druck auf das Terror-Regime ist jedenfalls gerade groß genug. Die Tage Baschar al-Assads an der Macht sind bereits gezählt; die Frage ist höchstens, wie lange das Drama noch dauern mag. Doch wie alle gewissenlosen Autokraten wird er immer blutiger zuschlagen, immer mehr Menschen mit in den Untergang reißen, bevor er abtreten muss. Ein furchtbarer Bürgerkrieg droht, und die Zukunft Syriens erscheint düsterer denn je. (Gerd Felder) 

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