Arbeitshilfe zur Pfarrgremienwahl

5. Wichtige Informationen über die Medienlandschaft


Wer Informationen in die Öffentlichkeit geben will, sollte sich immer fragen: Ist meine Information für eine breite Öffentlichkeit interessant? Für wen ist sie gedacht, was ist meine Zielgruppe? In welches Medium gehört sie? Denn die Medienlandschaft - auch auf lokaler Ebene - ist größer als man denkt.

Pfarrblatt/Gemeindebrief

Das Pfarrblatt oder der Gemeindebrief dient in erster Linine der Binnenkommunikation einer Kirchengemeinde. Hier es es allerdings von herausragender Bedeutung. Es bringt Informationen aus der Gemeinde in nahezu alle Haushalte und klopft auch bei denen an, die nur noch laut Kartei Gemeindemitglieder sind. Übrigens genießt das örtliche Mitteilungsblatt der Pfarrei in den Orten, wo es einigermaßen ansprechend gemacht wird, eine hohe Akzeptanz bei den Lesern - bei den kirchennahen wie auch bei den kirchenfernen. Der Pfarrbrief ist also eine Brücke - eine Riesenchance. Im Pfarrblatt haben alle Berichte, Ankündigungen und Hinweise ihren Platz, die das kirchliche Leben in der Gemeinde betreffen: von der Änderung der Singstundenzeiten im Kirchenchor bis zum großen Pfarreijubiläum. Da die Redaktion innerhalb der Kirchengemeinde sitzt, ist die Gefahr, dass Texte extrem verkürzt oder gar verfälscht abgedruckt werden, relativ gering.

Im Vorfeld der Wahl bietet sich die Herausgabe einer Sonderausgabe an. Darin könnten die bisherigen Gremien eine Bilanz ihrer Arbeit ziehen, die Kandidaten könnten sich vorstellen (vielleicht in einem Frage-Antwort-Schema), der grundlegende Unterschied zu den bisherigen Pfarrgemeinde- und Verwaltungsratswahlen könnte nochmals erklärt, die Zusammenstellung und Aufgaben der neuen Gremien erläutert und die Strukturreform des Bistums Speyer dargestellt werden.

Interessant wäre eine solche Sonerausgabe gerade in den Pfarreien, wo der Pfarrbrief nur noch im Abonnement bezogen werden kann und nicht mehr automatisch in alle Haushalte kommt. Speziell bei dieser einen Nummer könnte man hier eine Ausnahme machen, um tatsächlich alle Gemeindemitglieder zu erreichen.

Dekanatsblätter

Die Blätter zum Beispiel der Stadtdekanate im Bistum Speyer haben aufgrund der Vielzahl der Pfarreien möglicherweise Probleme mit einer umfangreichen Berichterstattung, die alle Pfarreien berücksichtigt - wenigstens im Vorfeld der Wahl. Denkbar wäre hier, ein oder zwei positive Beispiele der bisherigen Gremien darzustellen - stellvertretend für die Arbeit der meisten Räte. Auch der Druck von erweiterten Ausgaben - vor der Wahl und nach der Wahl - wäre eine Möglichkeit, die Fülle an Informationen im Umfeld der Wahl zu bewältigen.

Amtsblatt/Wochenblätter

Die meisten Kommunen geben Amtsblätter heraus, in denen die amtlichen Bekanntmachungen stehen, aber auch redaktioneller Raum für sonstige Hinweise ist. Finanziert werden diese Blätter von den Verbandsgemeinden bzw. Städten. Wochenblätter/Geschäftsanzeiger o.ä. werden durch Anzeigen finanziert. Sowohl Amtsblätter als auch Wochenblätter kommen kostenlos in die Haushalte. Da sie insbesondere der Nahraumkommunikation in einem begrenzten Gebiet dienen, finden hier Hinweise auf Veranstaltungen und lokale Ereignisse ihren Platz. Da diese Blätter in der Regel nicht über eigene Redaktionen verfügen, werden eingereichte Texte oft im Original übernommen. Einem möglichst fehlerfreien Manuskript kommt daher eine besondere Sorgfalt zu.

Stadtzeitung/Veranstaltungsmagazine

Stadtzeitungen - von manchen Stadtverwaltungen herausgegeben - verfügen über einen größeren redaktionellen Raum als Amts-oder Wochenblätter. Sie berichten über aktuelle Geschehnisse und beleuchten interessante Schwerpunktthemen - warum also auch nicht über die anstehenden Pfarrgremienwahlen? Immerhin spielt die Kirche im öffentlichen Leben keine unwesentliche Rolle. Eine Nachfrage bei der zuständigen Redaktion lohnt sich auf jeden Fall.

Lokalzeitung

Die Lokalzeitung erreicht nach wie vor den breitesten Leserkreis überhaupt. In der Regel besteht sie aus einem „Mantelteil“ mit überregionalen Nachrichten und Themenseiten sowie einem Lokalteil, der regional variiert. Die Lokalzeitung lebt von der Berichterstattung über Ereignisse in der unmittelbaren Umgebung des Lesers. Sie ist trotz eines umfassenden Netzes von freien Mitarbeitern darauf angewiesen, über die geschehnisse vor Ort informiert zu werden. Daraus ergeben sich gute Chancen für die kirchlichen Einrichtungen und Gremien, ihre Themen bei der Lokalzeitung „unterzubringen“. Grundsätzlich gilt: je außergewöhnlicher, desto besser. Der Start eines neuen Projekts lässt sich der Redaktion leichter schmackhaft machen als der 34. Seniorentag, den es zudem auch noch in 20 anderen Orten gibt. Da die Pfarrgremienwahl in allen katholischen Gemeinden im Verbreitungsgebiet einer Lokalzeitung stattfindet, sollte die Öffentlichkeitsarbeit hierzu abgestimmt und möglichst auf Dekanatsebene zentralisiert werden. Dort sollten die eingehenden Meldungen aus den Pfarreien gebündelt und zusammengefasst werden, ehe sie an die Redaktionen verschickt werden.

Bistumszeitung

Die Kirchenzeitung zählt bereits zu den überregionalen Medien, da ihr Verbreitungsgebiet sehr groß ist. Pressemitteilungen aus den Gemeinden sollten diesen Aspekt berücksichtigen. Was für den Gemeindebrief gedacht ist und wo lediglich das Gemeindemitglied angesprochen ist, kann selten in der Bistumszeitung veröffentlicht werden. Mit Regionalseiten bemüht sich der „Pilger“, dem lokalen Anspruch, den viele Kirchenmitglieder mit einer Kirchenzeitung verbinden, gerecht zu werden. Grundsätzlich gilt auch hier: Berichtenswert ist, was ungewöhnlich und möglicherweise ein positives Beispiel auch für andere Pfarreien ist.

Radio

Der Hörfunk - öffentlich-rechtliche wie auch private Anbieter- setzen seit einigen Jahren auf eine zunehmende Regionalisierung. Lokale Themen, etwa in Form von Porträts über Menschen (so genannten Testimonials), finden hier durchaus ihren Sendeplatz. Auch hier gilt: je außergewöhnlicher, desto reizvoller für die Sender.

TV/Offener Kanal

Das Fernsehen entdeckt zwar ebenfalls zunehmend die Region. Die Sendeplätze für solche Beiträge wurden in den letzten Jahren ausgeweitet. Dennoch dürfte TV für die gemeindliche Öffentlichkeitsarbeit eher die große Ausnahme sein. In Bereichen, wo ein „Offener Kanal“ existiert, ist die Chance für eine TV-Berichterstattung größer. Hier werden durchaus auch kirchliche Themen auf örtlicher Ebene berücksichtigt. Allerdings ist die Reichweiter (Anzahl der Zuschauer) beim Offenen Kanal auch sehr begrenzt.

Nachrichtenagenturen

Aufgabe der Nachrichtenagenturen ist es, Nachrichten an die großen Funkhäuser und Medien zeitnah weiterzuleiten. Agenturen bedienen die überregionale Ebene. Sie sind für die Öffentlichkeitsarbeit auf örtlicher Ebene eher von nachrangiger Bedeutung

Soziale Medien

Soziale Medien oder Plattformen wie beispielsweise Facebook oder Twitter werden inzwischen von mehr als der Hälfte aller Internetnutzer in Deutschland genutzt. Das bietet Chancen für die Öffentlichkeitsarbeit - aber auch Risiken. Die Vorteile: Nachrichten werden sehr schnell verbreitet und man erreicht auch Empfänger, die mit „traditionellen“ Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit nicht zu erreichen sind. Soziale Medien tragen in einem hohen Maße zur Meinungsbildung bei, schon allein durch das bloße „Teilen“ von Inhalten, aber auch durch die Möglichkeit der Kommentierung. Die Gemeinde tritt somit in Echtzeit in Kontakt mit seinen Empfängern und erhält ein ungefiltertes Feedback, was für den Fortschritt eines Projekts durchaus nützlich ist. Allerdings bietet die Kommunikation in Echtzeit auch die größte Gefahr bei den sozialen Netzwerken. Die Reaktionen auf eigene Beiträge lassen sich nicht steuern oder gar kontrollieren. Schlimmstenfalls entwickelt sich ein „Shitstorm“, der von der eigentlichen Botschaft nichts mehr übrig lässt und gerade im kirchlichen Milieu auf die allseits bekannten Vorurteile abzielt. Es ist daher gründlich zu überlegen, ob man dieses Medium zur Kommunikation nutzt. Gut gemacht, mit kreativen Köpfen, die auch mal die bisherigen Wege verlassen und mutig an ein Thema herangehen, bieten die sozialen Medien durchaus Potential, um das Ansehen der Kirche/Pfarrei/Gemeinde in der Öffentlichkeit zu verbessern. Wer lediglich nach einem neuen Kanal sucht, um Pressemeldungen abzusetzen, oder wer dort nur mitmachen will, weil es gerade „in“ ist und es „jeder macht“, der ist vielleicht mit anderen Alternativen besser bedient. Auf jeden Fall bindet die Nutzung der sozialen Medien mehr Arbeitskraft als andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit, da das eigene Plattformprofil nahezu permanent überwacht werden und auf Beiträge anderer Nutzer zeitnah reagiert werden muss. Grundsätzlich gilt auch bei diesem Medium: Es geht darum, den Empfänger (bei Facebook „Fan“, bei Twitter „Follower“) in den Mittelpunkt zu stellen. Was will der User? Welche Inhalte sind für ihn interessant? Die Erfahrung zeigt, dass „von Hand“ geschriebene Beiträge in den sozialen Netzwerken eine größere Akzeptanz erfahren als solche, die automatisiert etwa von der eigenen Homepage eingebunden werden.

Eigene Homepage

Die eigene Homepage im Internet bietet die Möglichkeit, die eigene Gemeinde oder Pfarrei so darzustellen, wie man sich dies im Idealfall wünscht. Sie richtet sich in erster Linie an all diejenigen, die sich tiefergreifend informieren möchten. Daher sollte der eigene Internetauftritt möglichst alle Informationen bereithalten - von der Geschichte der Kirche samt deren Kunstdenkmäler bis hin zu den aktuellen Gottesdienstzeiten und natürlich den Wahlinfos. Aber Achtung: Ein gut gemachter Internetauftritt erfordert eine permanente Pflege. Nichts ist langweiliger als der Besuch einer Homepage, wo immer noch längst vergangene Termine auf der Startseite prangen. Grundsätzlich sollten sich auf einer Pfarrei- oder Gemeindehomepage alle Pressemitteilungen (samt Ergänzungen) wiederfinden, die man auch an die Medien verschickt hat.

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