Missionare weltweit

Carolina de Magalhaes-Mayer

Die Straße – teilweise nur eine Piste – schraubt sich bis in eine Höhe von fast 3000 Metern ins Hochland von Guatelmala.Maya-Land. 

In einer kleinen Ortschaft wartet am Ortseingang ein knappes Dutzend Frauen auf Carolina de Magalhaes-Mayer. Die heute 49-jährige Entwicklungshelferin aus der Pfalz hat hier vor Jahren ihre Arbeit im Bereich der Gesundheitspastoral begonnen und dabei auch eine kleine Kooperative auf den Weg gebracht, in der heute rund 15 Frauen mitarbeiten. „Die Frauen stellen Marmelade her und Shampoo aus einheimischen Pflanzen, weben Gürtel nach traditionellen Mustern. Die Produkte werden dann über ein kirchliches ein Netzwerk vermarktet“, erklärt die Entwicklungshelferin. 

In kleinen Hütten wird die Marmelade gekocht – auf einem Herd aus massiven Steinen. In der Region gab es früher fast nur offene Kochstellen. „Das führte zu Atemwegserkrankungen vor allem bei den Frauen und zu schlimmen Verletzungen bei den Kindern, wenn sie in eine Feuerstelle fielen“, schildert die gebürtige Pfälzerin die damaligen Verhältnisse. In ihrer Zeit im Hochland, wo es im Winter bitter kalt werden kann, hat Carolina Magalhaes-Mayer für den Bau von vielen Hundert dieser Öfen gesorgt. „Sie verbrauchen zudem vergleichsweise wenig Holz, und das schützt unsere Wälder, die wir erhalten wollen“, so die Entwicklungshelferin, deren Mutter aus Brasilien stammt. Heute ist Carolina Mayer maßgeblich für die Gesundheitspastoral in der Diözese Suchitepequez-Retalhuleu verantwortlich – im Tiefland von Guatemala, in der Nähe der Pazifikküste. Sie arbeitet zudem intensiv in der Kommission Gesundheitspastoral der Bischofskonferenz des mittelamerikanischen Landes mit. 

Gesundheitspastoral – ein Begriff,  zuerst einmal ungewohnt erscheint. Für Carolina Mayer ist jedoch klar: „Kirche muss den ganzen Menschen und seine Lebensumstände im Blick haben!“ Und diese sind gerade für die einheimischen Bevölkerungsgruppen in Guatemala nicht gut. Drei Viertel der Maya und der anderen Indios leben unter dem Existenzminimum. Die Gesundheitsversorgung liegt im Argen. Guatemala hat zum Beispiel die höchste Kindersterblichkeit in Mittelamerika, die Zahl der Aids-Infizierten steigt deutlich. „Die Regierung hat jedoch vor allem wirtschaftliche Prioritäten, überlässt den Gesundheitsbereich daher weitgehend den Kirchen und anderen Nicht-Regierungsorganisationen“, so Carolina Mayer. 

Nur sechs Prozent des Haushalts fließen nach Aussage der deutschen Entwicklungshelferin in das Gesundheitswesen. Hinzu kommen eine sich hin schleppende Landreform, die Folgen des Drogenhandels und die allgegenwärtige Gewalt im Land, verschärft durch eine nicht funktionierende Justiz. Nur ein Bruchteil der vielen Morde wird überhaupt von Polizei und Staatsanwaltschaft bearbeitet. Längst noch nicht verheilt sind zudem die Wunden eines blutigen Bürgerkrieges vor allem in den 1980er Jahren. Auch viele Kirchenleute, die auf Seiten der Armen standen, wurden in diesen Jahren ermordet. Die Kirche in Guatemala ist auch heute eine Kirche der Märtyrer.

Die Deutsche kennt die schwierige Situation: „Wir setzen gegen diese Entwicklungen auf ein ‚Netzwerk mit den Menschen und für die Menschen’“. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie: die Kinder frühstmöglich fördern, vor allem die Mütter als „Mitstreiter“ gewinnen, durch Bildung- und Kommunikation das Engagement in den Pfarrgemeinden stärken und vor Ort eine Struktur der Hilfe und des Miteinander aufbauen. „Die Wiederbelebung der Naturmedizin“ ist der Verantwortlichen für die Gesundheitspastoral der Diözese Suchitepequez-Retalhuleu, die das Projekt unterstützt, wichtig. Nicht nur aus Kostengründen, sondern auch deshalb, weil dies der Tradition der Menschen in der Region entspricht.  „Was an altem Wissen verloren gegangen ist, müssen wir zurückgewinnen.“ Die ersten Gesundheitshelfer wurden in diesem Sinne ausgebildet, und einige Ärzte kommen auch zu den regelmäßigen Sprechstunden in die Einrichtung. 

Die Gesundheitspastoral in der Diözese Suchitepéquez-Retalhuleu hat sich zum Ziel gesetzt, in allen Pfarreien Gesundheitsstationen/Apotheken zu errichten. Carolina Mayer und ihre Kolleginnen und Kollegen sind dabei auf einem guten Weg – in acht von 18 Pfarreien gibt es sie bereits.

Die Gesundheitspastoral ist jedoch nur ein Arbeitsschwerpunkt. Die Reihe der übrigen Projekte und Initiativen ist lang. Im Jahr 2010 hat Carolina Mayer ein neues Projekt gestartet, das gezielt die Gesundheitsvorsorge bei Kleinkindern in den Blick nimmt. „Hier haben wir noch Probleme mit der Finanzierung. Aber das werden wir schon schaffen“, ist sich Carolina Mayer sicher. 

Die Gesundheitspastoral im Süden Guatemalas leistet vielen Menschen Hilfe – und sie schenkt durch ihre Arbeitsweise, durch die Möglichkeit der Teilhabe, vielen Menschen Selbstbewusstsein und neue Würde. Die Begegnung mit diesen Menschen ist auch für den Besucher ein großer Gewinn.


Carolina de Magalhaes-Mayer begeistert und lässt sich begeistern

In einer Kooperative haben sich Maya-Frauen zusammen geschlossen

Mit den Projekten von Carolina Mayer werden vor allem Kinder und ihre Mütter gefördert

Steckbrief

©Pilgerverlag GmbH, Annweiler

Name:
Carolina de Magalhaes-Mayer

Alter:
49 Jahre

Beruf:
Entwicklungshelferin

Land:
Guatemala

Arbeitsschwerunkte und Projekte:
Ländliche Entwicklungsarbeit, Förderung von Frauen, Gesundheitsprojekte für Kinder

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