Missionare weltweit

Pater Heinrich Bollen: Indonesien

„Naja, zunächst war es erst einmal ein Schock …“ 

beschreibt Pater Heinrich Bollen seine Ankunft in Indonesien vor mehr als 50 Jahren. Kurz nach der Befreiung von der holländischen Koloniealmacht betritt der damals 30-jährige am 15. August 1959 zum ersten Mal den größten Inselstaat der Welt.

Seit dieser Zeit hat sich der rührige Missionar hauptsächlich auf der Insel Flores für die Katholiken mit allen ihren Sorgen und Nöten eingesetzt, den Hunger und die Tuberkulose bekämpft und die Zahl der Malarieinfizierten merklich reduziert.
Die kleine Insel „Nusa Nipa“ (Schlangeninsel) ist seit dieser Zeit die Heimat des gebürtigen Landstuhlers. „Ich liebe die Leute dort, ihre Einfachheit, die fröhlichen Kinder, die Freundlichkeit und Anspruchslosigkeit“, erzählt Heinrich Bollen mit warmer Stimme. „Die Menschen sind arm, aber mit ihrer Armut zufrieden, wenn nicht gerade etwas anderes dazukommt, wie Hunger oder eine Rattenplage.“

Neben seinen Aufgaben als Seelsorger hat sich der Ordensmann immer für die Bevölkerung der Insel eingesetzt.

So zum Beispiel bei der Bekämpfung der Malaria. Die Bewohner der, wie man sagt, „schönsten Insel Indonesiens“ betrachteten die von der Anophelesmücke übertragene Krankheit lange als eine „Naturkatastrophe“. Man „lebt und stirbt mit Malaria“ – nicht wissend, dass man dagegen etwas unternehmen kann. Pater Bollen setzte sich ein ehrgeiziges Ziel: Die gesamte Insel Flores von Malaria zu befreien – die Ursachen der Krankheit auszuhebeln, statt sich auf die Behandlung ihrer Folgen zu beschränken. Mit Hilfe der Stiftung YASPEM (YAyasan Sosial PEmbangunan Masyarakat), die vom Pater selbst ins Leben gerufen wurde, konnten Insektenschutzmittel und Moskitonetze angeschafft werden. Aber auch Sauberkeitserziehung und Hygiene haben etwas mit der Bekämpfung der heimtückischen Erkrankung zu tun. Die Inselbewohner davon zu überzeugen war für den Steyler Missionar und seine Mitbrüder nicht ganz leicht, warfen die Menschen doch einfach ihren Müll auf die Straße oder in die Natur – oder leiteten ihre Abwässer direkt in offene Gräben.

Doch der Erfolg des umfassenden Hilfsprogramms „Flores Malaria Free“ spricht für sich: Die Zahl der Malariainfizierten auf der Insel ist rapide zurückgegangen. „Das spornt uns natürlich mächtig an“, erzählt der Pater stolz.

Die Malariebekämpfung ist nur eines der Projekte der Stifung des Steyler Missionars. „Wenn man armen Menschen die Grundlagen zum Überleben beibringt, dann ist es Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt der engagierte Ordensmann. Unter diesem Leitspruch "Hilfe zur Selbsthilfe" schuf Pater Bollen mit vielen fleißigen Mitarbeitern ein Kinderheim, eine Nähstube, eine Behindertenwerkstatt und eine Landwirtschaftsschule. Das oberste Anliegen der Stiftung ist den Menschen im Maumeregebiet, es liegt im Osten der Insel, dabei zu helfen, ihren Lebensunterhalt auf der Insel zu bestreiten. „Damit wollen wir verhindern, dass sie aus Armut den Weg der illegalen Auswanderung nach Malaysia oder in die arabischen Länder gehen“, unterstreicht Pater Bollen das Ziel der Maßnahmen und Einrichtungen.

So lernen die Florenesen in der Landwirtschaftsschule, unter anderem, wie Kakao angebaut wird. Zu Anfang ging der Pfälzer noch selbst von Feld zu Feld und verbesserte die Anbaumethoden gemeinsam mit den Bauern. Um auch in der Trockenzeit genügend Wasser für die Felder zu haben, regte Pater Bollen den Bau von Rückhaltebecken an. „Die Bauern von diesem Schritt zu überzeugen, war nicht gerade leicht“, schildert der Priester seine Schwierigkeiten, die Menschen von seinem Plan zu überzeugen. Der Erfolg gab ihm schließlich Recht: Heute profitieren viele Inselbewohner von den zahlreichen Wasserquellen.
Sein Einsatz im Kakao-Anbau, hat Heinrich Bollen übrigens den liebevollen Spitznamen „Kakao-Pater“ eingebracht.

Ein „ungewöhnliches und weitsichtiges Selbshilfe Projekt“ hat der Steyler Missionar mit dem „Sea World Club Hotel“ ins Leben gerufen. Vor fast zwanzig Jahren übernahmen die Stiftung YASPEM und Pater Bollen von einem italienischen Paar ein bankrottes Ressort, bestehend aus Bambusbungalows am Strand von Waiara. Die Gegend dort ist zwar sehr abgeschieden, aber für die Tauchgründe bekannt. Lange hat es gedauert, bis alles so war, wie es sich der weitsichtige Missionar vorstellte. Heute bietet das Hotel vielen Menschen von Flores eine Ausbildungs- und Arbeitsstelle sowie Touristen eine wunderschöne Urlaubsumgebung. Alle Überschüsse des Hotels fließen wieder in soziale Projekte der Stiftung YASPEM und kommen der Bevölkerung vor Ort zugute.

Das Meer und die Strände sind der Schatz der Insel

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Die Menschen leben mit und von der Natur

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Die Infrastruktur der Insel wird verbessert

Steckbrief

©Pilgerverlag GmbH, Annweiler

Name:
Pater Heinrich Bollen

Alter:
83 Jahre

Orden:
Steyler Missionar

Land:
Indonesien

Missionar seit:
1959

Arbeitsschwerpunkte und Projekte:
Kinderheime; Landwirtschaftsschule; Nähstube und Nähkurse; Behindertenwerkstatt; Landwirtshaftliche Lehrgänge; Terrassenprojekte; Hilfe für Flüchtlinge

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