Missionare in aller Welt

Lernfeld in Sachen missionarische Kirche

Besuch von Bischof Isaac Gaglo im Bistum Speyer

Ein Bericht von "pilger"-Chefredakteur Norbert Rönn

Zu Beginn des Afrikatages 1891 ging es um „Geldalmosen“. Um eine Spende geht es immer noch, ebenso aber auch um Begegnung, um gegenseitiges Kennenlernen, um das Lernen voneinander. Aus dem Bistum Speyer gibt es durch Missionare und Partnerschaften viele Brücken nach Afrika, unter anderem nach Angola, Ghana, Kenia, Namibia, Ruanda, Tanzania, Senegal, Südafrika – und nach Togo.

Die Kontakte zu dem westafrikanischen Togo sind vielfältig, über das Kolpingwerk und Prälat Gerhard Fischer, über ehemalige Entwicklungshelfer, vor allem aber über Pfarrer i.R. Anton Klug. Von 1969 bis 1984 wirkte er als Missionar in Togo. Regelmäßig besucht er immer noch seine „zweite Heimat“, deren Menschen er sich brüderlich verbunden fühlt. Hilfe ist in dieser Verbundenheit eingeschlossen, etwa für die Bewohner eines Lepradorfes. Im Februar 2008 hatte Pfarrer Klug einen besonderes freudigen Anlass zu einer Reise nach Togo: wurde doch Isaac Gaglo, ein ehemaliger „Missionsschüler“, zum Bischof geweiht. „Das ist die Frucht eurer Missionsarbeit“, sagte ein einheimischer Priester bei der Weihe zu Pfarrer Klug. Vor genau vierzig Jahren, am 25. Januar 1970 waren er und Pfarrer Günter Lendle als Seelsorger der togolesichen Pfarrei Agbodrafo eingeführt worden (ihr Nachfolger, Pfarrer Josef Kling, ist inzwischen verstorben).

Als Jugendlicher lebte der heute 51jährige Bischof bei einem Onkel in Agbodrafo. Pfarrer Klug sorgte dafür, dass der begabte und hilfsbereite Junge das Seminar in Togoville besuchen konnte. Er wurde später von seinem Bischof zum Studium nach Innsbruck geschickt, 1985 folgte die Priesterweihe. Er arbeitete zunächst als Pfarrer, danach leitete er als Administrator die noch junge Diözese Aného, zwei Jahre später wurde er zum Bischof geweiht.
Im Sommer des vergangenen Jahres war Bischof Isaac Gaglo zu Gast im Bistum Speyer. Die zahlreichen Begegnungen wurden für die deutschen Gesprächspartner zu einem „Lernfeld“ in Sachen missionarische Kirche, und sie vermittelten zumindest einen Eindruck, unter welchen Bedingungen die Kirche in Afrika lebt.

Aného – in früheren Zeiten ein Ort des Sklavenhandels, im 19. Jahrhundert dann Hauptstadt der deutschen Kolonie Togoland – ist erst seit 15 Jahren Bischofssitz, und Isaac Gaglo der dritte Oberhirte der Diözese. Sie ist eine der kleinsten in Togo, hat etwa 70 Priester, wovon noch 13 Europäer sind. Sie betreuen 24 Pfarreien oder nehmen diözesane Aufgaben wahr. Außerdem gibt es 800 Katechisten, die sorgfältig ausgebildet werden. „Ein großes Hoffnungszeichen ist auch die hohe Zahl der jungen Menschen, die Priester werden wollen, oder ein Ordensleben anstreben“, erzählt der Bischof bei einer Begegnung in Speyer, zu der Weihbischof Otto Georgens, Bischofsvikar für weltkirchliche Aufgaben, eingeladen hatte.
Von den rund 820000 Menschen, die im Bereich der Diözese Aného leben, sind 22 Prozent Katholiken. Die Ausbreitung von Sekten sei ein großes Problem, so Bischof Isaac Gaglo, der augezeichnet Deutsch spricht. Das Bistum engagiert sich im Schulbereich (es gibt 250 katholische Schulen) und im Gesundheitswesen (drei Schwestern sind zum Beispiel in der Aids-Arbeit) tätig. Unterstützt werden auch Kleinbauern, um die Ernährungslage zu verbessern. Die Lebensmittelpreise seien enorm hoch. So habe sogar das Große Seminar zeitweise geschlossen werden müssen, weil kein Geld für Lebensmittel vorhanden gewesen sei.

Voll des Lobes ist der Bischof für die Frauen. „Sie sind eine große Stütze, nicht nur für die Kirche, sondern für die Gesellschaft insgesamt. Sie tragen die Hauptlast der Arbeit, und sie können sparen“, so der Bischof. Noch als Pfarrer hatte er eine Frauenkooperative gegründet und mit einer Anschubfinanzierung ausgestattet.

Wer Bischof Isaac Gaglo zuhört, spürt: Hier ist ein Mann, offen, freundlich, bescheiden, der aus seinem Glauben lebt, sich aus dieser Kraft den Herausforderungen stellt und nahe bei den Menschen und ihren Sorgen sein will. Immer dienstags ist im Bischofshaus Besuchstag. Jeder kann unangemeldet kommen. Von morgens bis spät in die Nacht können die Menschen mit ihrem Bischof sprechen, ihre Anliegen vortragen. rn

Begegnung in Speyer (von links): Pfarrer Anton Klug, Pfarrer Günter Lendle (der als Seelsorger mit Anton Klug in Agbodrafo wirkte), Weihbischof Otto Georgens, Bischof Isaac Gaglo, Prälat Gerhard Fischer.

Steckbrief

©Pilgerverlag GmbH, Annweiler

Name:
Bischof Isaac Gaglo

Alter:
51 Jahre

Land:

Togo

Arbeitsschwerpunkte und Projekte:
Bischof der Diözese Aného, Togo

„Wir müssen keine Kirchen schließen, wir müssen Kirchen bauen“, sagt Bischof Isaac Gaglo. So entsteht in Agbodrafo ein neues Gotteshaus für die wachsende Zahl der Gläubigen. Für das arme Bistum ein Kraftakt. Fotos:ak/rn

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