Missionare weltweit

Dr. Ruth Pfau: Pakistan

„Eine Fügung Gottes“, so nennt Dr. Ruth Pfau die Umstände, die sie nach Pakistan geführt haben. Eigentlich sollte sie nach Indien fliegen, um dort als Gynäkologin zu arbeiten. Doch aufgrund von Visaproblemen musste die junge Ordensfrau einen unfreiwilligen Zwischenstop in Pakistan einlegen. Und dort blieb sie ein Leben lang.

Die Begnung mit leprakranken Menschen in einem Elendsviertel von Karachis beeindruckte die junge Ärztin nachhaltig und von diesem Moment an widmete sie ihr ganzes Leben der Bekämpfung der chronischen Infektionskrankheit.
Die Ordenschwester begann gemeinsam mit einigen Mitschwestern, die Hilfe für die Leprakranken zu organisieren. „Ich wollte ein Krankenhaus bauen, um den erkrankten Menschen zu helfen“, schildert Dr. Pfau ihre Intension. Das Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) wurde zu einer in ganz Pakistan anerkannten Institution. Unterstützung bekamen die Schwestern auch sehr schnell von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW).

„In unserem Krankenhaus versorgen wir die Kranken medizinisch und mit menschlicher Wärme. Das ist für die Betroffenen, mit denen niemand sonst etwas zu tun haben wollte, eine völlig neue Erfahrung“, schildert Ruth Pfau in wenigen Worten ihre Arbeit.

Dabei waren die Anfänge schwer und mühsam. Ein Gesundheitsdienst oder eine Art Krankenfürsorge gab es dem islamischen Land nicht. Zusätzlich musste sich die engagierte Ordensfrau auch noch mit engstirnigen Bürokraten auseinandersetzen und gegen korrupe Beamte kämpfen. Trotz aller Widrigkeiten schaffte es die Ärztin, der Lepra in Pakistan den Schrecken zu nehmen.

„Lepra haben wir im Griff, seit 1996!“ erzählt Ruth Pfau stolz. „Eine Nachuntersuchung im Jahr 2011 ergab, dass wir keine Zeichen in Pakistan haben, die auf ein Wiederauftreten der Krankheit hinweisen.“ Leider gab diese Studie aber auch keinen Aufschluss darüber, dass die Krankheit ausgerottet ist. „Wegen der langen Inkubationszeit, die Jahrzehnte dauern kann, erkranken jährlich immer noch 400 bis 500 Menschen an Lepra“, erklärt die Schwester. „Wir müssen also weiter am Ball bleiben, damit wir die Krankheit in Pakistan ausrotten“, so Ruth Pfau. Bis heute gilt der Grundsatz von Ruth Pfau: „Ich werde diese Menschen erst dann aus meiner Patientenkartei streichen, wenn sie nicht nur rein medizinisch geheilt wurden, sondern auch wieder so leben können wie jeder andere Mensch, der nicht an Lepra erkrankt war!“
Freie Kapazitäten setzen Schwester Ruth und ihre Mitstreiter in einer der unzähligen Notsituationen im Land ein. So arbeiten sie in der Tuberkulose Bekämpfung, Verhütung von Erblindung, in der Mutter-Kind-Fürsorge, für und mit behinderten Menschen. Auch in Katastrophenfällen helfen Teams von Ruth Pfau zum Beispiel bei der Flutkatastrophe oder dem schweren Erdbeben vor einigen Jahren.

„Es ist kaum eine Not, die in unserem Krankenhaus kein Echo findet“, schildert Ruth Pfau die Bandbreite ihrer Projekte. „Alle unserer Mitarbeiter werden universell ausgebildet, aktuell in der Schaffung von Wasserbrunnen und in der Nutzung von Solarenergie.“

Die umtriebige Schwester hofft, in wenigen Monaten eine Impfkampagne starten zu können. In einer bestimmten Gegend war dies lange nicht möglich, weil der Impfstoff gekühlt aufbewahrt werden muss. „Jetzt, mit Solarenergie, haben wir die Möglichkeit Strom zu erzeugen und die für eine ausreichende Kühlung zu sorgen. Damit können wir das Leben von vielen Kindern retten“, so Dr. Pfau.

Dr. Ruth Pfau und ihr Team lassen sich nicht entmutigen. Egal, welche Schwierigkeiten, Nöte und Herausforderungen das Leben für sie bereithält.

Dr. Ruth Pfau hat geholfen, dass die Lepra ihren Schrecken verloren hat - Bildquelle: DAHW

Die Leprakranken sollen wieder menschewürdig leben können - Bildquelle: DAHW

Dr. Ruth Pfau weiß: Die Vorsorge muss schon bei den Kindern beginnen - Bildquelle: DAHW

Steckbrief

©Pilgerverlag GmbH, Annweiler

Name:
Schwester Dr. Ruth Pfau

Alter:
83 Jahre

Orden:
Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä

Land:
Pakistan

Missionarin seit:
1960

Arbeitsschwerunkte und Projekte:
Die Leprabekämpfung in Pakistan, Bekämpfung von Tuberkulose, Katastrophenhilfe

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren