Silbermöwe

Donnerstag, 28. Juli 2016

200000 Syrer in verzweifelter Lage

UN: Zahl der Kriegsverbrechen übersteigt die schlimmsten Alpträume

Allein in Aleppo sind 150000 Zivilisten eingeschlossen. Foto: actionpress

Die Vereinten Nationen haben sich angesichts der Situation von rund 200000 zwischen den Fronten eingeschlossenen Zivilisten in Syrien zutiefst besorgt gezeigt. Die Lage der Menschen in den von der Opposition kontrollierten Gebieten Aleppos, in Darayya bei Damaskus sowie in Manbidsch nördlich von Aleppo sei verzweifelt, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, in Genf. Nach einer Verschärfung der Kämpfe in den vergangenen Wochen seien sie von der Außenwelt abgeschnitten, hätten keine Möglichkeit mehr, die jeweilige Stadt zu verlassen, und keinen Zugang zu Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung.

Allein in Aleppo seien 150000 Zivilisten eingeschlossen, so al-Hussein. Ähnlich dramatisch sei die Lage in der Stadt Darayya, die seit 2012 unter der Kontrolle von Regierungskräften sei. Durch jüngste Rebellen-Angriffe seien hier rund 8000 Menschen von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Weitere 70000 Zivilisten seien in Manbidsch zwischen die Fronten geraten. Ihre Lage drohe sich durch immer neue Luftangriffe zu verschärfen, warnte al-Hussein. Laut Augenzeugenberichten wurden zahlreiche unbeteiligte Menschen bei Fluchtversuchen aus der Stadt getötet. Da der Bevölkerung der Zugang zu Friedhöfen versperrt sei, bewahrten die Menschen ihre Toten in Bunkern auf oder begrüben sie in Gärten.

Al-Hussein appellierte an die Konfliktparteien, alles zu tun, um den Hunderttausenden Zivilisten nicht weiter zu schaden. „Das Land ist schon jetzt ein riesiger, verwüsteter Friedhof“, sagte er. Die Zahl der begangenen Kriegsverbrechen übersteige die schlimmsten Alpträume. Es liege in der Macht der Kämpfer, weitere Tote seitens der Zivilisten und neue Gräueltaten zu verhindern. Darüber hinaus müsse die Versorgung der Menschen mit dem Notwendigsten sichergestellt werden. Das vorsätzliche Aushungern von Zivilisten stelle eine schwere Verletzung internationaler Menschenrechte dar und könne als Kriegsverbrechen gewertet werden, betonte al-Hussein. Die Verantwortlichen für solche Verbrechen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. (kna)

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