Kultur

Mittwoch, 23. Oktober 2019

ABC der Grabsymbole

Von Anker bis Zapfen und ihre Bedeutung

Engel auf einem Grab haben eine starke Symbolwirkung. Sie gelten als Boten Gottes und sind spirituelle Begleiter der Verstorbenen. Foto: Pixabay

Das 19. Jahrhundert bediente sich mit seinen „Neo-Stilen“ aus dem Zitatenschatz aller Epochen: Antike, Barock, Klassizismus. In den parkartigen Friedhofsanlagen dieser Zeit stößt der Spaziergänger auf immer wiederkehrende Grabmalsymbole. Weit verbreitet sind die sogenannten Vanitas- oder Memento-mori-Motive. Zum Totenmonat November erklärt die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) die gängigsten Motive:
Der Anker ist Symbol für Christus als festen Grund des Glaubens und in seiner Dreiheit Symbol für Glaube, Liebe und Hoffnung.
Der winterharte Buchsbaum treibt nach jedem Rückschnitt neu aus. Das macht ihn zum Symbol der Auferstehung (Christentum) und der Unsterblichkeit (Antike).
Immgerüner Efeu steht für Ewigkeit und war bis nach dem Zweiten Weltkrieg als reine Friedhofspflanze in Gärten verpönt.
Engel sind Mittler zwischen Himmel und Erde, Bote Gottes/der Götter, Tröster, Beschützer und Helfer der armen Seelen. Säkularisiert gelten sie auch als Todesengel, in Rückgriff auf den antiken Todesgenius.
Wie der Kauz ist die Eule ein „Totenvogel“, im Volksmund auch „Leichenhuhn“ genannt. Zugleich Symbol der Weisheit, was das Wissen um die eigene Endlichkeit einschließt.
Zeichen für das verlöschende Leben ist die gesenkte Fackel. Der Todesgenius, der sich trauernd auf die Fackel stützt, ist ein verbreitetes Antikenzitat.
Ein Herz ist oft auf Gräbern  zu finden, es steht es für die Liebe über den Tod hinaus, häufig auch als Herz Jesu oder Mariens.
Die Kerze gilt als Trägerin des Lichts und des Lebens; gebrochen als Symbol der Vergänglichkeit. Im Volksglauben ist sie auch Mittel zur Abwehr von Geistern und Dämonen.
Die geschlossene Form des Kranzes ohne Anfang und Ende steht als Sinnbild der Unendlichkeit. In der Antike ist er Zeichen des Sieges.
Mohnkapseln symbolisieren die Verwandtschaft von Schlaf und Tod.
Sinnbild des Leidens ist die Nelke, las man in ihrer Gestalt doch die Nägel der Kreuzigung. Im Volksmund auch „Grabnagel“ genannt.
Ein pausbäckiger Kinderengel, Putto genannt, ist im Friedhofs-Kontext oft Symbol der Vergänglichkeit, das mit Stundenglas und Totenschädel über die unerbittliche Kürze des Lebens meditiert.
Rosen stehent für die Schönheit und die Liebe (Maria), für das Leiden (Dornen, Christus) und  geknickt für die Vergänglichkeit der Dinge.
Als Antikenzitat ist der Schmetterling Zeichen der Metamorphose, der Verwandlung von vergangenem Leben in das neue. Er steht auch für den Austritt der Seele aus dem Körper.
Sense oder Sichel sind eines der frühesten Attribute für den Tod, der als Schnitter den Menschen mäht und so seine Ernte einbringt.
Ein Spiegel ist Sinnbild der Selbsterkenntnis, zugleich Mahnung an die Vergänglichkeit und Symbol der Eitelkeit (vanitas) und Flüchtigkeit – denn er hält das Bild, das er wiedergibt, nicht fest.
Die Spindel ist das Symbol der Schicksalsgöttinnen, die den Lebensfaden spinnen.
Die Sanduhr, auch als Stundenglas bezeichnet, misst die verrinnende Zeit und gemahnt so an die Kürze des Lebens.
Zapfen gehen auf den ägyptischen Isis-Kult zurück, von dem die Christen umgedeutet die Pinie als Symbol des Lebens und der Unsterblichkeit übernommen haben.

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