Kultur

Donnerstag, 18. August 2016

Altarraum muss Spiritualität ausstrahlen

Bernhard Mathäss über seinen Entwurf zur Umgestaltung der Seminarkirche

Der Entwurf von Bernhard Mathäss sieht unter anderem eine Stelenwand zwischen dem Altarraum und dem Hochaltar vor. Entwurfskizze: Mathäss

Die Entscheidung ist gefallen. Bernhard Mathäss aus Neustadt-Duttweiler hat den vom Priesterseminar ausgeschriebenen Künstlerwettbewerb gewonnen und wird den Chorraum der  Seminarkirche auf dem Germansberg in Speyer umgestalten. „der pilger“ hat mit dem 53-jährigen Künstler und Bildhauer über seinen Siegerentwurf gesprochen.

Herr Mathäss, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Künstlerwettbewerbs. Sind Sie von der Entscheidung überrascht?
Da es zum Schluss ein „Stechen“ zwischen mir und einem anderen Bewerber gab, rechnete ich mir schon eine 50 prozentige Chance aus.
Die eigentliche Überraschung war eher der Moment, als ich erfuhr, dass die Entscheidung noch etwas vertagt wird und ich einer der beiden Künstler in der Endauswahl bin.
 
Welche Überlegungen liegen Ihrem Entwurf zugrunde?
Die überaus lange Tradition des Germansbergs ist im derzeitigen Kirchenbau in keiner Weise erkennbar. Deshalb wachsen bei meinem Entwurf die Unterbauten der einzelnen Elemente als handwerklich bearbeitete Steinscheiben mauerartig aus dem Boden der Altarinsel heraus und erinnern formal an eine Bautradition, die es an diesem Ort einmal gab, von der aber leider nichts mehr erhalten ist. Der kreuzförmige Unterbau des Altares unterstreicht den zentralen Standort, was seiner Bedeutung in der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanum gerecht wird.
Ein weiteres von vielen wahrgenommenes Problem ist, dass das Apsis-Relief den gesamten Altarraum dominiert und auch der als Sakramentsaltar genutzte alte Altar alle weiter vorne eingebrachten Einbauten überlagert. Um dieses Problem zu lösen, war für mich eine Trennung der Räume notwendig, die über die zunächst angedachte Brüstung hinausgeht. Deshalb habe ich in meinem Entwurf einen steinernen Vorhang aus zwölf Stelen geschaffen, der die Tradition eines Chorgestühls und damit den Ursprung des Gotteshauses als Klosterkirche aufgreift.
Die heilige Zahl zwölf steht in der Offenbarung des Johannes unter anderem für die zwölf Tore, die ins himmlische Jerusalem führen und stellt somit eine symbolische Verbindung mit der Thematik des Apsis-Reliefs her, das den himmlischen Christus und die Engel der sieben Gemeinden darstellt. Im Zentrum der Stelenwand definiert eine Nische den Ort für den Priestersitz. 

Aus welchen Materialen werden die Altarinsel, der Ambo und der Priestersitz für die Seminarkirche bestehen, und warum haben Sie diese Stoffe gewählt?
Die Altarinsel und auch alle Hauptteile bestehen aus dichtem fränkischem Muschelkalk aus der Gegend von Würzburg. Ich habe dieses Material gewählt, weil es sowohl mit dem Zement des Apsis-Reliefs als auch mit den verschiedenen bereits vorhandenen Materialien wie Kunststein als Bodenbelag aber auch dem grauen Marmor als Material des Sakramentsaltares harmoniert.
Gleichzeitig kann ich dieses eine Material durch unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen erdhaft felsig aussehen lassen – etwa in den Sockelbereichen oder auch edel poliert in der Altarplatte, dem Lesepultaufsatz des Ambos und dem Oberteil des Priestersitzes.
  
Wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Zunächst müssen noch einige technische Details geklärt werden. Danach werden die Rohblöcke ausgesucht und ins Steinwerk zur maschinellen Vorbearbeitung transportiert. Im November möchte ich mit den bildhauerischen Arbeiten an den Rohstücken beginnen.
Im Februar sollen die Hauptteile eingebaut und der Boden der Altarinsel verlegt werden. Dann sollte es mit der Wiederinbetriebnahme am vierten Sonntag nach Ostern klappen.

Sie haben bereits in mehreren Kirchen Ihre künstlerische Handschrift hinterlassen. Haben Sie eine besondere Beziehung zu liturgischen Räumen?
Als aktiver Katholik und langjähriges Verwaltungsratsmitglied fühle ich mich in meiner Heimatgemeinde und somit auch in unserer kleinen Ortskirche heimisch. Ich erlebe die Versammlung der Gemeinde zum Gottesdienst um den Altar regelmäßig. Wenn man so mit der Thematik verknüpft ist, spürt man einfach, dass die Gestaltung eines Altarraumes mehr sein muss als ein Bühnenentwurf.  Der Altarraum muss für mich eine gewisse Spiritualität ausstrahlen und die Gemeinde einladen, sich darauf einzulassen.
Es ist für mich immer eine ganz besondere Aufgabe, einen liturgischen Raum mitgestalten zu dürfen und meine schöpferischen Fähigkeiten einzubringen. Schaden kann es dabei nicht, auch einmal um gute Ideen zu beten. (Interview: Petra Derst)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Petra Derst
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