Im Gespräch

Donnerstag, 24. November 2016

Alte Themen, neue Herausforderungen

Katholikenkomitee beginnt neue Arbeitsphase – Aufruf gegen Populismus

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, rief dazu auf, gegen Hass und Populismus die Kraft der Argumente zu setzen. Foto: KNA

Rente, Mitsprache von Laien und ein großes Christentreffen: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte sich viel vorgenommen. Doch oft war auch ein Thema präsent, das nicht auf der Tagesordnung stand.

Morddrohungen gegen Erzbischof Ludwig Schick, Schmähbotschaften im Internet, ein US-Wahlkampf voller Populismus: Diese Themen gingen auch nicht spurlos an der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Bonn vorbei. Wenngleich es am Freitag und Samstag (18. und 19. November)  neben der Mitsprache von Laien in der Kirche, dem Ökumenischen Kirchentag, der Rentendebatte und der Wahl neuer ZdK-Mitglieder auch noch viele andere Themen zu besprechen gab.

Dennoch: Präsident Thomas Sternberg rief alle Christen auf, gegen Hass und populistische Parolen die Kraft der Argumente zu setzen. Ebenso wie der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zeigte sich Sternberg besorgt über den Verlauf des US-Wahlkampfes: Dieser dürfe nicht zum Vorbild für Deutschland werden. Und mit Blick auf den für 2018 in Münster geplanten Katholikentag sagte Sternberg, dass man dort zwar sicher munter streiten werde – jedoch „ohne sich zu verletzen und sich abzugrenzen“.

Brustkreuze der Bichöfe
Der ZdK-Präsident kritisierte auch die in manchen Medien und sozialen Netzwerken ausgetragene Debatte über den jüngsten Besuch katholischer und evangelischer Bischöfe auf dem Tempelberg in Jerusalem. Sternberg verteidigte die Entscheidung der Bischöfe, ihre Brustkreuze zeitweise abgenommen zu haben. Er nannte es „ziemlich empörend und beschämend“, wie manche Medien das „Bemühen um Deeskalation in der angespannten Atmosphäre des Jerusalemer Tempelbergs“ skandalisiert hätten.

Ökumenischer Kirchentag 2021
Neben inhaltlichen Debatten überstrahlte den Freitag jedoch die Neuigkeit, dass der dritte Ökumenische Kirchentag (ÖKT) im Mai 2021 in Frankfurt am Main stattfinden wird - elf Jahre nach dem bisher letzten 2010 in München. Rasch kamen Fragen nach eucharistischer Gastfreundschaft beziehungsweise Abendmahlsgemeinschaft auf. Sowohl Sternberg als auch die evangelische Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au, die extra nach Bonn gereist war, betonten, dass Ökumene mehr sei als die Frage, ob und wann Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam die Kommunion empfangen könnten.
Apropos: Es könnte sein, dass wegen des ÖKT der für 2020 anstehende Katholikentag ausfällt - um gut vorbereitet in das ökumenische Christentreffen zu gehen, wie ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper sagte. Allerdings ist es auch so, dass aus dem ursprünglich für 2021 geplanten evangelischen Kirchentag der ökumenische wird.

Bis zum Stelldichein der beiden großen Kirchen wird noch ein wenig Wasser den Main hinunterfließen. Inhaltlich beschäftigte sich das ZdK am ersten Tag unter anderem mit Reformen im Rentensystem. Als Rednerin warb Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für Nüchternheit und langfristiges Denken. „Panikmachern“ gehöre das Handwerk gelegt. Das ZdK verabschiedete zudem ein eigenes Papier zur Alterssicherung.

Prominente Mitglieder
Die Bundesarbeitsministerin gehört zu den zwölf Frauen und Männern, die auf der Vollversammlung als Einzelpersönlichkeiten neu in das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien in Deutschland gewählt wurden. In Nahles’ Fall reichte ein Wahlgang, manche der etwa 80 Kandidaten benötigten mehrere. Ebenfalls neu dabei sind weitere prominente Poltiker wie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), Entwicklungsminister Gerd Müller und der EVP-Fraktionschef im Europaparlament, Manfred Weber (beide CSU). Mitglied ist auch wieder die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner.

Gewählt wurden insgesamt 45 Einzelpersönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Sie bilden mit 84 Vertretern der Diözesanräte und 97 Verbandsvertretern die ZdK-Vollversammlung.

Am zweiten Tag der Vollversammlung dominierte die Forderung nach mehr Mitsprache von Laien in der katholischen Kirche – bis hin zur Beteiligung an Bischofswahlen.

Synodalität als Strukturprinzip
Zur „Synodalität als Strukturprinzip“ verabschiedete die Vollversammlung am Samstag einen entsprechenden Beschluss. Er solle als Schritt auf dem Prozess der Synodalität und als „theologische Grundlegung“ verstanden werden, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Inhaltlich heißt es etwa angesichts einer gewünschten Beteiligung an Bischofswahlen in dem Beschluss: „Formen der Partizipation an der Auswahl geeigneter Kandidaten sind auch um der Wahrung der Autorität der Bischöfe willen zu begrüßen.“ Deren Leitungsdienst gewinne „in dem Maße an Wirksamkeit, wie die Entscheidungsfindungsprozesse öffentlich bekannt und transparent“ seien. Die Laien wollen insgesamt mehr Strukturen, die ein hohes Maß an Mitsprache bei kirchlichen Entscheidungsfindungsprozessen ermöglichen.
Das nächste Mal trifft sich die Vollversammlung im Mai 2017 in Berlin. In der Hauptstadt, in der Nähe der politischen Entscheider, sollte nach Auffassung von Sternberg auch das ZdK stärker präsent sein. Wie das genau aussehen könnte, ließ er jedoch offen. (Leticia Witte, kna)

Mitglieder aus dem Bistum Speyer

Aus dem Bistum Speyer bzw. aus dem Diözesan-Katholikenrat gehören dem ZdK an: Luisa Fischer, Vorsitzende des Speyerer Diözesan-Katholikenrates, sowie Astrid Waller und Theo Wieder.
Als Vizepräsident ist der aus dem Bistum Speyer stammende Christoph Braß Mitglied im Präsidium des ZdK

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