Wochenkommentar

Mittwoch, 20. März 2019

Auf die Personen kommt es an

Medienarbeit der Kirche braucht glaubwürdige Zeugen des Evangeliums

In der Kirche wird derzeit viel über Marketing, Außendarstellung und Öffentlichkeitsarbeit nachgedacht. Von außen hat jetzt der Kommunikationswissenschaftler Markus Wiesenberg (Universität Leipzig) seinen Blick auf beide großen Kirchen geworfen und in einer Doktorarbeit deren strategische Kommunikation untersucht. Sein Urteil fällt vernichtend aus: Katholische und evangelische Kirche tun sich schwer damit, Grobziele für Medienarbeit zu formulieren und in eine strategische Ausrichtung zu gießen.
Die Frage bei solchen Untersuchungen ist stets: Was ist der eigene Maßstab? Und wie lauten die eigenen Erwartungen? Tatsache ist: Die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten große Fortschritte gemacht und ist immer professioneller geworden. Darüber hinaus werden hier und da, wie zuletzt im Bistum Münster, breit angelegte Marketing- und Markenkampagnen in Gang gesetzt. Eine ebenso große Chance wie Herausforderung stellen die sozialen Medien für die Kirche dar, die ebenso direkten Dialog und unmittelbare Auseinandersetzung wie Hass und Hetze ermöglichen. Hier gilt, was für das kirchliche Marketing und die Medienarbeit insgesamt entscheidend ist: Es kommt auf die Personen an. Wichtiger als alle Kommunikationskonzepte, Strategiepapiere und Markenkampagnen sind glaubwürdige Zeugen für das Evangelium. Marketing- und Kommunikations-Strategien, die für Wirtschaftsbetriebe gut sein mögen, lassen sich schwer eins zu eins auf die Kirche übertragen, und auch zu den bedeutenden „Influencern“ (Beeinflussern) im Netz wird sie nicht so bald gehören.

Stattdessen kommt es in der Kirche auf die Qualität der Beziehungen an. Insofern kann die Konsequenz nur lauten: Von Experten wie Wiesenberg lernen, ohne sich jeden Schuh anziehen zu müssen. So wäre es zum Beispiel erstrebenswert, den Austausch zwischen den verschiedenen kirchlichen Ebenen zu verbessern, effizienter und transparenter zu werden und klare Ziele für die Medienarbeit zu definieren. All das kann man jedoch vergessen, solange der Missbrauchsskandal, der derzeit alles überschattet, nicht radikal aufgearbeitet ist – mit Taten, nicht mit Worten. Von ihm hängt (fast) alles für die Glaubwürdigkeit der Kirche ab. (Gerd Felder)   

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren