Aus dem Bistum

Donnerstag, 21. April 2016

Aufklärung ist immer noch vorwiegend Elternsache

„Bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind“ lud zum Gespräch über Sexualpädagogik und Familienplanung ein

Die Podiumsteilnehmer mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (links) im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen. Foto: Deiters/Privat

„Werden wir als Beraterinnen ernst genommen? Was wollen wir bewirken? Wer braucht uns?“ Das sind laut Christine Lampert immer wieder auftretende Fragen in katholischen Schwangerschaftsberatungen und speziell beim Projekt „Wertvoll aufgeklärt“, das die „Bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind“ unterstützt. Bei einem Podiumsgespräch am 18. April wurden diese Fragen diskutiert.

Lampert ist Geschäftsführerin der Bischöflichen Stiftung. Deren jährliches Podiumsgespräch in Kooperation mit dem Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen hat das Ziel, die Präventionsarbeit bekannt zu machen und zur Bewusstseinsbildung beizutragen. „Katholische Schwangerschaftsberatung hat ihren Platz in unserer Welt mit den vielen verschiedenen Lebensentwürfen“, ist Lampert überzeugt, aber: „Wir wollen und müssen sprachfähig werden und bleiben.“

Das Podium war sehr ausgewogen besetzt: mit Eckhard Schroll von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), der Sexualpädagogin Christina Gutsmuths sowie dem Moraltheologen Professor Dr. Elmar Kos. Schroll, der bei der BzgA die Abteilung Sexualaufklärung und Familienplanung leitet, nannte in seinem Eingangsstatement interessante und aktuelle Zahlen. So sind Mütter – und zunehmend auch Väter – für Jugendliche noch immer die wichtigsten Ansprechpartner beim Thema Aufklärung; ein großes Verantwortungsgefühl und ein hoher Stellenwert von Treue und fester Partnerschaft wurden bei repräsentativen Befragungen von Jugendlichen festgestellt.

Ein „Herzensanliegen“ für Christina Gutsmuth ist ein „entspannter Umgang mit Sexualität“, der aus ihrer Sicht unter anderem dann erreicht werden kann, wenn Sexualität auch in der frühkindlichen Bildung bereits eine Rolle spielt. Kinder und Jugendliche müssen aus ihrer Sicht früh befähigt und gebildet werden, damit sie ein positives Körper- und Selbstbild entwickeln können. Sie spricht gerne von „Sexualbildung“, die zu einem selbstbestimmten und selbstwahrnehmenden Leben befähigt.

Professor Kos räumte ein, dass die Moraltheologie ein „Imageproblem“ habe, weil sie immer mit dem „erhobenen Zeigefinger“ assoziiert werde. Tatsächlich sei es aber Anliegen von Moraltheologie, Modelle für ein gelingendes Leben zu entwickeln. In diesem Sinne gehe es in der Sexualpädagogik „um das Einüben von Haltungen“. Aus Sicht der Sinnhaftigkeit betrachtet, „können sich auch Spielräume entwickeln bei der Frage nach Empfängnisverhütung, Homosexualität oder voreheliche Sexualität.“

Diskutiert wurde darüber, wer in Schulen für die Sexualpädagogik zuständig sein soll – dass sie dort ihren Platz haben muss, war dagegen unstrittig. Schroll sprach sich dafür aus, den Lehrern das „Biologische“ zu überlassen und Beratungsstellen für die persönlichen Fragen einzubeziehen. Das könne auch die Schwelle reduzieren, dass Jugendliche selbst eine Beratungsstelle aufsuchen. Kos sieht dagegen die Notwendigkeit, das Thema auch in anderen Unterrichtsfächern wie Religion, Ethik oder Deutsch zu integrieren – und wenn es im Religionsunterricht aufgenommen sei, könnte das „die Kirche sogar sexy machen“.

Das Schlusswort der Veranstaltung sprach Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Er empfand die vorgelegten Zahlen über die Ansichten von Jugendlichen „ermutigend“ und plädierte dafür, „Sexualität als ein Geschenk und eine gute Gabe zu betrachten.“ Er zitierte mehrfach das Papstschreiben „Amoris laetitia“, in dem Papst Franziskus Sexualaufklärung als „Erziehung zur Liebe“ tituliert, die angepasst sein solle an die jeweilige Phase des Lebens. In dieser Frage waren sich auch die Podiumsteilnehmer einig gewesen.

Im Anschluss an die Podiumsdebatte bestand reichlich Gelegenheit, über das Gehörte zu diskutieren. (red)

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