Silbermöwe

Donnerstag, 07. Juni 2018

Aus Gästen wurden Freunde

Katholische Hochschulgemeinden zu Besuch in Ruanda

Gäste und Gastgeber mit dem Erzbischof von Kigali, Thaddée Ntihinyurwa. Er fördert die Partnerschaft zwischen den Hochschulgemeinden. Foto: Privat

Seit fünf Jahren besteht nun die offizielle Partnerschaft der katholischen Studierenden Gemeinden aus Kaiserslautern und Kigali. 2013 unterzeichneten Erzbischof Thaddée Ntihinyurwa und Weihbischof Otto Georgens in den Räumen des „pilger“ in Speyer die offizielle Partnerschaftsurkunde. Seither reisten deutsche Studierende 2014 zum ersten Mal nach Ruanda und ein Gegenbesuch erfolgte 2016. So war es dieses Jahr wieder an der Zeit, in das Land der tausend Hügel zu reisen. Hier Eindrücke von dem Besuch.

Gemeindereferent Guido König leitete bereits zum dritten Mal die Partnerschaftsbegegnung an der Pfarrer Stefan Seckinger und fünf Studierende der Technischen Universität Kaiserslautern sowie Pastoralreferentin Luise Gruender mit fünf Studierenden der Universität Speyer teilnahmen. Die Gruppenleitung, Übersetzungen und eine charmante Einführung in Land und Leute übernahm Venuste Kubwimana, einer der etwa 80 ruandischen Studenten, die in Kaiserlautern studieren.

Sehr herzlich wurden wir am Flughafen empfangen und von einem Bus in unsere Unterkunft St. Paul gebracht. Das Programm war immer sehr dicht, aber alle waren mit Herz und Seele dabei. Nach einem gegenseitigen Kennenlernen besuchten wir die technische Universität in Kigali, feierten gemeinsam Eucharistie und erzählten durch verschiedene Präsentationen vom Studentenleben in Deutschland. Unsere ruandischen Freunde zeigten es uns an Ort und Stelle. Am Abend gab es pfälzisch-schwäbisches Essen mit Saumagen und Maultaschen, das alle gemeinsam kochten und allen auch sehr gut schmeckte.

Am folgenden Tag besuchten wir das Kigali Employment Service Center (Arbeitsamt von Kigali), das offenbar keiner der Ruander kannte, und fuhren auf den Mount Kigali, von dem aus man eine tolle Sicht auf die große Stadt hatte.
Bedingt durch unsere Reisezeit April, direkt nach der offiziellen Genozid-Gedenkwoche, stand das Genozid-Gedenken immer im Mittelpunkt. Wir besuchten das Genozid-Memorial und das Against Genozid-Museum im ruandischen Parlament. Besonders interessant war ein Vergleich der unterschiedlichen Erinnerungskulturen Deutschland-Ruanda, sehr ergreifend ein persönlicher Zeitzeugenbericht einer Überlebenden aus dem Jahr 1993/94.
Natürlich wollten alle auch ein bisschen touristisch das Land erobern, so besuchten wir in Nyanza den Königspalast und die National Art Gallery, abends das moderne Kigali, indem wir auf dem Dach eines der neuen Hotels mit Pool einen Cocktail tranken.

Weiter besichtigten wir zwei Schulen, die neue St. Paul International School der  Erzdiözese, und die Berufsbildende Schule der Salesianer Don Boscos. Bildung ist in Ruanda sehr wichtig, und wir konnten erleben, wie der Unterricht in Theorie und Praxis abgehalten wurde. Unterrichtssprache war weitgehend Englisch.
Sehr herzlich wurden wir vom Erzbischof in Kigali zum Mittagessen eingeladen, bevor wir im Kwetu- Filminstitut mit Studierenden ins Gespräch kamen und sahen, wie in Ruanda Filme – unter anderem auch zum Genozidgedenken – entstehen.
Häufiger kam auch die Kolonialgeschichte zur Sprache: Nachdem die Stadt Kigali durch einen Deutschen gegründet wurde, besuchten wir das Richard-Kandt-Haus sowie den ehemaligen  Präsidentenpalast. Die Rolle der ehemaligen Kolonialmächte Deutschland und Belgien wurde dabei intensiv diskutiert.
Es ist wirklich beeindruckend, wie sich das Land in den vergangenen vier Jahren entwickelt hat, dennoch bleibt auch noch eine Menge an Projekten zu tun, auch im politischen und gesellschaftlichen Bereich.

So wurde abschließend im Partnerschaftsbüro des Landes Rheinland-Pfalz und in den Partnerschaftsgremien der beiden Hochschulgemeinden über die Zukunft der Partnerschaft nachgedacht. Wir hoffen, dass uns 2020 wieder eine Gruppe ruandischer Studierender besuchen kann. Bis dahin bleiben alle im Kontakt über WhatsApp, Facebook und E-Mail.
Müde und erschöpft, aber voller neuer Eindrücke und Erfahrungen, landeten wir wieder in Frankfurt und sind sehr dankbar für alles, was wir erleben durften: „Wir kamen als Gäste und gingen als Freunde“. (red)

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