Silbermöwe

Freitag, 26. Mai 2017

Ausbreitung von Cholera im Jemen

Hilfsorganisationen befürchten eine Verschärfung der humanitäre Lage

Sauberes Trinkwasser ist Mangelware in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Foto: actionpress

Die Cholera-Epidemie im Jemen droht nach Angaben von Helfern außer Kontrolle zu geraten. Die Zahl der Verdachtsfälle habe sich in den vergangenen fünf Tagen mehr als verdoppelt und liege nun bei rund 23500, heißt es in einer am 20. Mai veröffentlichten Mitteilung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Betroffen sind demnach inzwischen 18 von insgesamt 22 Provinzen des Landes. Die rasante Ausbreitung der Krankheit sei alarmierend.

Bereits vor dem Cholera-Ausbruch sei das Gesundheitssystem des Landes überlastet gewesen, sagte Ghassan Abou Char, Leiter von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. Jetzt habe sich die Lage weiter zugespitzt. Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen funktionierten nicht mehr, es fehle an dringend benötigten Medikamenten.

Erschwert werde die Lage durch einen Personalmangel. Viele Angestellte im medizinischen Bereich hätten seit September kein Gehalt mehr bekommen und seien gezwungen gewesen, sich andere Jobs zu suchen. Durch die nach wie vor unsichere Lage im Land hätten Hilfsorganisationen zudem häufig keinen Zugang zu betroffenen Gebieten.

Um die Cholera-Epidemie unter Kontrolle zu bringen, reiche es nicht aus, die Menschen zu behandeln, so der Experte. Vielmehr müssten die Ursachen für die Ausbreitung der Krankheit bekämpft werden, etwa durch Verbesserungen bei der Wasserversorgung und der sanitären Situation.

Ärzte ohne Grenzen rief die Verantwortlichen im Jemen auf, die Einfuhr von Medikamenten zu ermöglichen und die Bezahlung von medizinischem Personal sicherzustellen. An die Konfliktparteien appellierte die Organisation, die Sicherheit von humanitären Helfern zu gewährleisten.

Im Jemen tobt seit einigen Jahren ein Machtkampf zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und der sunnitisch geprägten Zentralregierung. Seit 2015 beteiligt sich auch Saudi-Arabien mit Luftangriffen gegen die Rebellen. Nach Angaben von Helfern benötigen etwa 17 Millionen Menschen im Land dringend humanitäre Hilfe.
Für Ärzte ohne Grenzen ist der Einsatz in dem Bürgerkriegsland Jemen einer der umfangreichsten: Über 1600 Mitarbeiter – 82 davon internationales, der Großteil einheimisches Personal – sind in 13 medizinischen Einrichtungen und 18 Krankenhäusern und Kliniken tätig. Seit dem Beginn des Konflikts haben die Teams mehr als 60000 Kriegsverletzte behandelt. Ärzte ohne Grenzen ist derzeit auf der Suche nach weiteren Einsatzkräften für den Einsatz im Jemen. (red)

Weitere Informationen und
Spendenkonto:
www.aerzte-ohne-grenzen.de

 

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