Kirche und Welt

Freitag, 14. Oktober 2011

Bei den Armen und in der Kirche Deutschlands zu Hause

Der Pfälzer Priester Pirmin Spiegel wird neuer Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Misereor

Pfarrer Pirmin Spiegel wird neuer Hauptgeschäftsführer des Hilfswerk Misereor. Foto: Rönn

Das weltweit größte katholische Entwicklungshilfswerk Misereor hat einen neuen Chef. Die Deutsche Bischofskonferenz wählte den aus dem Bistum Speyer stammenden Priester Pirmin Spiegel (53) zum neuen Hauptgeschäftsführer des in Aachen ansässigen Hilfswerks, wie der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, am 7. Oktober in Fulda mitteilte. Spiegel löst damit ab kommendem Jahr Josef Sayer (69) ab, der seit 1997 an der Spitze des Bischöflichen Hilfswerks stand.

Pfarrer Pirmin Spiegel ist in Großfischlingen in der Pfalz aufgewachsen, studierte von 1979 bis 1984 in Frankfurt-Sankt Georgen Philosophie und Theologie und wurde 1986 zum Pries­ter geweiht. Anschließend wirkte er als Seelsorger in Kaiserslautern – dabei eng verbunden mit der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), deren Diözesan-Kaplan er war.

Im Jahr 1990 ging Pirmin Spiegel  als Seelsorger in den Sertao, den Nordosten Brasiliens. Die von ihm mitbegründete Landwirtschaftsschule in Capinzal do Norte wurde zum Modell für viele weitere im Land. Sein Wirken in der Ausbildung von so genannten Laienmissionaren, insbesondere von 2000 bis 2003, fand breite Wertschätzung bei Laien, Priestern und Bischöfen. Anfang 2004 kehrte er ins Bistum Speyer zurück, wurde Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Blieskastel-Lautzkirchen, machte die Solidarität mit den Christen in den Ländern des Südens zu einem Schwerpunktthema in seiner Pfarrei und im Bistum. Auch zwei Fernsehgottesdienste, die aus seiner Pfarrei übertragen wurden, transportierten sein Anliegen nach einer solidarischen Kirche, die einen Beitrag leistet zu einer gerechteren Welt.

Der für Misereor zuständige Hamburger Erzbischof Werner Thissen sagte nach der Wahl in der Bischofskonferenz, er schätze an Spiegel „vor allem dessen geistliche Kompetenz, seine Nähe zu den Armen und die Tatsache, dass er gleichermaßen in der Weltkirche wie in der Kirche Deutschlands zu Hause ist“. 

Im Jahr 2010 baten die brasilianischen Bischöfe das Bistum Speyer, Pfarrer Spiegel erneut für einen Dienst in der Ausbildung von Laienmissionaren in dem südamerikanischen Land freizustellen. Vor wenigen Wochen konnte er im Rahmen eines Heimaturlaubs sein 25-jähriges Priesterjubiläum feiern. In absehbarer Zeit wird Pfarrer Spiegel aus Brasilien zurückkehren, um sein Amt bei Misereor anzutreten. 

Seine Lateinamerika-Erfahrungen – gerade was die Bedeutung der Laien für das kirchliche Leben angeht – könnten auch für die katholische Kirche in der Bundesrepublik in der gegenwärtigen Umbruchsituation wichtig werden. Spiegel spricht von „Lernfeldern“, und er denkt sehr bewusst in der Perspektive der Globalisierung. Die Kirche sei auf dem Weg von einer „europäisch-abendländisch geprägten Kirche hin zu einer wirklichen Weltkirche“, analysiert er. Weltweit tätige Orden, aber auch die Hilfswerke hätten einen intensiven Lernprozess durchgemacht, bis es ihnen möglich gewesen sei, „andere Kulturen anzuerkennen und mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren“.  

Option für die Armen

Die „Option für die Armen“ ist für Pirmin Spiegel keine „Sache von gestern“. Er verweist auf das Schlussdokument von Aparecida, der fünften Generalversammlung der Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik im Jahr 2007: „Alles, was mit Christus zu tun hat, hat mit den Armen zu tun, und alles, was mit den Armen zu tun hat, ruft nach Jesus Christus.“ Pfarrer Spiegel formuliert die Schlussfolgerung so und hat dabei auch die Kirchen des Nordens im Blick: „Wenn wir dieses Zitat aus dem Schlussdokument von Aparecida ergänzen und sagen: Alles, was nichts mit den Armen zu tun hat, hat auch nichts mit Jesus Christus zu tun, dann geht es dabei um die Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe, wobei der Nächste im Gleichnis vom barmherzigen Samariter als der benannt wird, der unter die Räuber fiel. Dieses Nachdenken gibt einen wichtigen Beitrag zur Definition pastoraler Prioritäten; er gehört wohl zu den wichtigs­ten Impulsen der lateinamerikanischen Kirche.“

 

 

 

Ein „Kronzeuge“ für die Ausrichtung seiner Arbeit ist für Pirmin Spiegel der verstorbene Kardinal Aloisio Lorscheider. Er zitiert ihn: „Die künftige kirchliche Sorge und Richtung gilt einer dienstbereiten und missionarischen Kirche. Zentrale Bedeutung werden Laien haben, die an der Basis leben, im täglichen Kontakt mit Menschen sind und hier prägend wirken.“  

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Norbert Rönn
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