Silbermöwe

Donnerstag, 26. April 2018

Bewusstsein für den Wert von Nahrung

WWF fordert nationalen Plan gegen Lebensmittelverschwendung

Das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln wächst, hier der Korb eines Hofes der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi). Aber immer noch werden große Mengen Lebensmittel verschwendet und weggeworfen. Foto: KNA

In Deutschland gehen nach einer Studie pro Jahr mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren. Nach einer am 20. April in Berlin veröffentlichten Studie der Naturschutzorganisation WWF gehen die Bundesländer sehr unterschiedlich gegen Lebensmittelverschwendung vor.

Über die Hälfte der Nahrungsmittelverluste wäre vermeidbar, heißt es in der Studie. Laut WWF-Berechnungen werden so jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet, nur um die darauf angebauten Produkte wieder wegzuwerfen. Hinzu kämen unnötig freigesetzte Treibhausgasemissionen in Höhe von 48 Millionen Tonnen.

Laut der WWF-Analyse gibt es unter den 16 Bundesländern fünf Pioniere, die bereits seit längerem und in umfassender Weise das Thema angehen. Diese sind Baden-Württemberg, Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Zum Mittelfeld gehören Berlin, Brandenburg, Hessen, Saarland und Schleswig-Holstein. Ferner gibt es einige Nachzügler, die sich erst seit Kurzem auf den Weg gemacht haben oder bislang kaum aktiv geworden sind. Das sind Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Doch auch in den Pionier-Ländern gelingt es laut Studie nicht, das „mangelnde und unkonkrete Handeln der Bundespolitik im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung zu kompensieren“. Deutschland habe sich verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren, so der WWF. „Bisher ist es bei dieser vollmundigen Ankündigung geblieben. Wir brauchen ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen, um den Ländern einen Handlungsrahmen zu geben. Ohne dieses wird weiter gutes Essen kiloweise in der Tonne landen“, kritisiert Jörg-Andreas Krüger, Direktor Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland. Noch in der ersten Hälfte der Legislaturperiode müsse eine Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten entwickelt werden.

Laut WWF ist es zudem ein Problem, dass sowohl die Bundesländer als auch der Bund vor allem die Verbraucher in die Pflicht nehmen. Industrie, Handel und Landwirtschaft müssten viel stärker in den Fokus rücken. „Über 60 Prozent der Verluste entstehen entlang der Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher. Hier braucht es ein stärkeres Engagement als bisher", so die Studienkoordinatorin Tanja Dräger de Teran vom WWF. Sie kritisiert zudem eine mangelhafte Überprüfung und Kontrolle der Wirksamkeit. „Es braucht endlich verbindliche und messbare Ziele.“

Kampagne seit dem Jahr 2013: „Rheinland-Pfalz isst besser“

Jeder Bundesbürger wirft im Durchschnitt 81,6 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. Davon wären 53 Kilogramm Lebensmittelabfall vermeidbar gewesen. Das entspricht einem Wert von jährlich 235 Euro pro Person oder von fast 1000 Euro in einem Vier-Personen-Haushalt.

Der größte Teil der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Privathaushalten entfällt auf Gemüse (26 Prozent) und Obst (18 Prozent), gefolgt von Backwaren (15 Prozent) und Speiseresten (zwölf Prozent).

Mit der Kampagne „Rheinland-Pfalz isst besser“ wirbt die Landesregierung bereits für gesunde Ernährung und möchte den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Bedeutung und den Wert der Lebensmittel und der Ernährung wieder nahe bringen und für die Verwendung regionaler und biologisch erzeugter Produkte werben. Die Initiative gibt es seit 2013 und umfasst mittlerweile mehr als 20 Projekte, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Zum Beispiel das Modul für Schulen „Was ist unser Essen wert?“. (red)

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