Kirche und Welt

Mittwoch, 25. Januar 2017

Bischöfe werden lauter, ungeduldiger und politischer

Internationale Bischofsgruppe zieht gemischte Bilanz ihres Besuchs im Heiligen Land

Mauern und Zäune trennen die Menschen im Heiligen Land. Foto: Archiv, dapd

Eigentlich ist er fast Routine. Doch der inzwischen 17. Solidaritätsbesuch einer internationalen Bischofsdelegation im Heiligen Land endet mit einem Paukenschlag. Der Geduldsfaden mit den Konfliktparteien droht zu reißen.

Es sind sehr deutliche Worte, die die Bischöfe eines internationalen Solidaritätstreffens zum Abschluss ihrer sechstägigen Reise nach Israel und Palästina fanden. Der „Skandal“ der seit 50 Jahren anhaltenden israelischen Besatzung Palästinas fordere zum Handeln auf, heißt es in der Abschlusserklärung des am 19. Januar beendeten Treffens. Der gegenwärtige Zustand mache Besatzer und Besetzte krank, sagte der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der Katholischen Nachrichten-Agentur. Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax rief zu einem gewaltlosen Ende des Konflikts auf, der menschenverachtend sei.

„50 Jahre Besatzung“ hieß das Thema der bischöflichen Reise. Bei Besuchen in der geteilten Stadt Hebron, in Bethlehem und in Ostjerusalem konnten sich die Teilnehmer ein Bild von den dramatischen Auswirkungen machen. Auch an jener Stelle in Jerusalem, an der am 8. Januar vier israelische Soldaten von einem Palästinenser getötet worden waren, hielten die Bischöfe schweigend inne und beteten für die jüngsten Opfer des israelisch-palästinensischen Konflikts und für deren Familien. Sie beteten auch um einen Geist der Vergebung und des gerechten Friedens für alle Bewohner des Heiligen Landes.

Im Gespräch mit israelischen Menschenrechtsaktivisten und dem früheren israelischen Parlamentssprecher Avraham Burg erfuhren die Bischöfe und Kirchenvertreter aus zwölf Ländern von verheerenden Rückwirkungen der Besatzung auch auf die israelische Gesellschaft.

Vereinzelte heftige Reaktionen aus fundamentalistischen Kreisen auf die Präsenz der katholischen Delegation ließen die Gruppe am eigenen Leib die Herausforderungen erfahren, vor denen die Christen vor Ort Tag für Tag stehen. Die Solidarität der Bischöfe gilt der Ortskirche und den Menschen im Heiligen Land. Wiederholt betonten sie, sie seien keine Politiker – auch wenn ihre Botschaften politischer, lauter und ungeduldiger werden.

Bei den Begegnungen mit jungen Christen der Universität Bethlehem, im Gespräch mit örtlichen Kirchenvertretern und Organisationen, beim Gottesdienst in verschiedenen katholischen Gemeinden oder beim Besuch der kleiner werdenden Gemeinde von Gaza hörten sie zu und bekundeten ihre Solidarität. Das Gesehene und Gehörte führte zu einer unmissverständlichen Botschaft: Der gegenwärtige Zustand verletze die Menschenwürde sowohl der Palästinenser als auch der Israelis – und müsse unverzüglich beendet werden.

Verantwortung lautet das zentrale Stichwort der Botschaft, mit der sich die Bischöfe an beide Konfliktparteien, aber auch an die Christen in ihren jeweiligen Ländern wenden. Es liege in der Verantwortung aller, den Siedlungsbau klar zu verurteilen, einen gewaltfreien Widerstand zu fördern und an einer Zweistaatenlösung festzuhalten. Was es brauche, sei das Gebet, aber auch ein geschärftes Bewusstsein für die Situation im Heiligen Land und die Bereitschaft zum Handeln.

Seit 17 Jahren ruft die Gruppe zur Unterstützung der Kirche im Heiligen Land immer wieder zu Gerechtigkeit und Frieden auf – Worte, die in dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt bisher ohne Wirkung blieben. Besatzung und Gewalt von beiden Seiten halten an.

Die mangelnde Bereitschaft, den Konflikt zu beenden, lassen weltweit Ungeduld und Ärger wachsen: Nach den jüngsten UN-Resolutionen etwa zur Widerrechtlichkeit des israelischen Siedlungsbaus und nach vatikanischen Forderungen zu gewaltfreiem Widerstand ist auch der Ton der Bischöfe politischer, der Appell lauter geworden. Auch ihre Geduld ist nicht unendlich. (Andrea Krogmann, KNA)

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