Aus dem Bistum

Donnerstag, 22. September 2016

Bischof em. Anton Schlembach 60 Jahre Priester

Am 10. Oktober 1956 empfing der frühere Bischof von Speyer in Rom die Priesterweihe

Bischof emeritus Dr. Anton Schlembach kann auf 60 Priesterjahre zurück blicken. 23 Jahre leitete er das Bistum Speyer. Foto: Landry/Pressestelle Bistum Speyer

Als Dr. Anton Schlembach im Februar 2007 mit einem feierlichen Gottesdienst im Speyerer Dom aus seinem Amt als 95. Bischof von Speyer verabschiedet wurde, ging eine Ära zu Ende: Über 23 Jahre wirkte er als Diözesanbischof. In Schlembachs Amtszeit fielen Ereignisse, die ohne Zweifel zu den Glanzpunkten der Bistumsgeschichte zählen, wie der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 4. Mai 1987 in Speyer und die Seligsprechung des Speyerer Diözesanpriesters Paul Josef Nardini am 22. Oktober 2006. Am 10. Oktober dieses Jahres begeht Bischof em. Dr. Anton Schlembach sein diamantenes Priesterjubiläum. Vor 60 Jahren, am 10. Oktober 1956, war er in Rom zum Priester geweiht worden.

Das Bistum Speyer würdigt seinen emeritierten Bischof durch die Veröffentlichung einer Online-Präsentation von ausgewählten Bischofsworten aus den Jahren 1983 bis 2007. Unter der Überschrift „Im Dienst der Verkündigung des Evangeliums“ bieten die vom Bistumsarchiv zusammengestellten Texte einen Querschnitt der Themen, die in seinem Pontifikat bedeutsam waren. Die Hirtenworte unter anderem zum Rückgang des Glaubens und der Kirchenbindung, zu Beichte, Eucharistie, Neuevangelisierung und Ordens- und Priesterberufungen zeugen von seinem Bemühen, das Glaubenserbe in einem der ältesten deutschen Bistümer zu erhalten und zukunftsfähig zu machen. „Immer war es ihm ein Anliegen, die Menschen in der christlichen Hoffnung zu bestärken und die Botschaft Jesu Christi in der Welt zu verbreiten, denn ohne den Gottesglauben, so seine Überzeugung, geraten auch die Grundwerte der Gesellschaft in Gefahr“, schreibt Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann im Geleitwort. Sein bischöflicher Wahlspruch „Deus salus – Gott ist das Heil“ sei der „Fixpunkt seiner Verkündigung“ gewesen und ziehe sich in immer neuen Konkretisierungen durch alle seine Hirtenbriefe.

Es war für die Katholiken des Bistums Speyer eine echte Überraschung, als am 25. August 1983 der damals 51-jährige Anton Schlembach, Generalvikar des Bistums Würzburg, von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Speyer ernannt wurde. Auch für ihn selbst, der sich tief in seiner fränkischen Heimat verwurzelt fühlte, bedeutete der Wechsel von Würzburg nach Speyer keine leichte Umstellung. Doch in mehr als 30 Jahren hat der gebürtige Unterfranke in Speyer und der Pfalz neue Wurzeln geschlagen.

Bischof Schlembach stammt aus Großwenkheim bei Münnerstadt, wo er am 7. Februar 1932 als ältestes von vier Kindern einer Landwirtsfamilie geboren wurde. Nach dem Studium in Würzburg und an der päpstlichen Universität Gregoriana empfing er am 10. Oktober 1956 in Rom die Priesterweihe, drei Jahre später promovierte er zum Doktor der Theologie. In seiner Heimatdiözese wurde er im Anschluss an die Kaplansjahre mit einer Reihe verantwortungsvoller Aufgaben betraut: Jeweils drei Jahre war er Direktor des Studienseminars in Aschaffenburg und Regens des Priesterseminars in Würzburg. Fast zwölf Jahre erteilte er hauptamtlich Religionsunterricht am Gymnasium in Hammelburg, ehe er am 1. Juni 1981 zum Domkapitular und schon einen Monat später zum Generalvikar des Bistums Würzburg ernannt wurde. Am 25. August 1983 folgte die Ernennung zum Bischof von Speyer. Am 16. Oktober, weihte ihn sein Vorgänger, Erzbischof Wetter, im Dom zu Speyer zum Bischof.

Die Bemühungen um eine Neuevangelisierung und eine Aktivierung der Gemeinden sind immer wiederkehrende Grundthemen seiner Amtszeit. Diesem Anliegen diente auch die Erarbeitung eines Pastoralplanes, der 1993 in Kraft gesetzt wurde. Eine herausragende Initiative zur Glaubenserneuerung waren die drei Vorbereitungsjahre auf das Christus-Jubiläum 2000. Ein dreijähriges geistliches Programm mit den Schwerpunktthemen „Bibel“, „Kirche“ und „Weltverantwortung der Christen“ sollte in den Pfarreien mehr Freude am Glauben und christliches Engagement wecken. Zum ökumenischen „ChristFest“ an Pfingsten 2000 versammelten sich rund 15000 Christen aus zwölf Kirchen und Gemeinschaften in Speyer.

Große Bedeutung im Hinblick auf eine kirchliche Erneuerung maß Schlembach auch modernen Glaubensvorbildern bei. So versuchte er von Beginn seiner Amtszeit an mit starkem persönlichem Engagement, Botschaft und Lebenszeugnis der heiligen Edith Stein, die neun Jahre in Speyer wirkte, im Bistum lebendig zu halten. Ihre Seligsprechung 1987 war ihm Anlass, den Papst nach Speyer einzuladen. Ihr 100. Geburtstag 1991 und ihre Heiligsprechung 1998 wurden im Bistum jeweils mit einer dreitägigen Feier begangen. Überdies gab Schlembach den Anstoß zur Gründung einer deutschen Edith-Stein-Gesellschaft, mit Sitz in Speyer.

In enger Verbindung steht der Name Schlembachs mit Paul Josef Nardini, der als erster Pfälzer am 22. Oktober 2006 im Speyerer Dom selig gesprochen wurde. Der Bischof war auf Nardini erstmals 1987 aufmerksam geworden. Sofort war er von Leben und Wirken des Pfarrers, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Pirmasens gegen die soziale Not gekämpft hatte, betroffen und fasziniert. Da auch die „Mallersdorfer Schwestern“, Nardinis Ordensgemeinschaft, diesen Wunsch teilten, konnte er schon drei Jahre später auf Bistumsebene das formelle Seligsprechungsverfahren eröffnen.

Denselben Stellenwert wie Verkündigung und Gottesdienst räumt Bischof Schlembach dem sozialen Auftrag der Kirche ein. „Ohne Caritas ist die Kirche unglaubwürdig“, so seine Überzeugung. Fast 20 caritative Einrichtungen, von Altenheimen über Behindertenwerkstätten bis hin zum Übernachtungsheim für Nichtsesshafte, hat er in seiner Amtszeit eingeweiht. Ebenso war er ein maßgeblicher Impulsgeber für die ökumenische Hospizhilfe, die 1991 im Bereich von Bistum und Landeskirche gegründet wurde.

Gerade wenn es um das menschliche Leben geht, um seinen Schutz und seine Würde, sieht Schlembach die Christen besonders in Pflicht genommen. So hat er selbst im Streit um die Abtreibungsgesetzgebung immer wieder in der Öffentlichkeit eine Verbesserung des rechtlichen Schutzes für die ungeborenen Kinder gefordert. Nicht weniger deutlich bezog er Stellung gegen die Einführung der aktiven Sterbehilfe in einigen europäischen Nachbarländern und die Tötung embryonaler Menschen im Interesse der Forschung. Die „Klarheit des kirchlichen Zeugnisses für die Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens“ war auch der entscheidende Grund dafür, dass er im Jahr 2000 als einer der ersten deutschen Bischöfe in den Schwangerenberatungsstellen der Diözese keine Beratungsscheine mehr ausstellen ließ, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen. Umso stärker war sein Bemühen, das Beratungsangebot für Schwangere in Not- und Konfliktsituationen aufrecht zu erhalten und die Hilfe der Kirche noch auszuweiten. Ein wichtiger Schritt dabei war die Gründung einer „Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind“, die Politik und Öffentlichkeit für den Lebensschutz sensibilisiert und Projekte des Caritasverbandes für Mütter in Not finanziert.

Am 4. Mai 1987 kam Papst Johannes Paul II. während seines zweiten Deutschlandbesuches nach Speyer und feierte auf dem Domplatz mit 60000 Teilnehmern eine heilige Messe – für die Stadt und das Bistum ein „Jahrtausendereignis“. Auch viele internationale Staatsgäste empfing Bischof Schlembach im Speyerer Dom. Manchem Regierungschef, den Bundeskanzler Helmut Kohl während seiner Amtszeit in seinen Heimatdom brachte, hat Bischof Schlembach persönlich die europäische Bedeutung des Bauwerks erläutert: Michail Gorbatschow und Boris Jelzin ebenso wie George Bush, Vaclav Havel oder König Juan Carlos von Spanien. In seiner Kathedrale sieht er aber nicht nur das einmalige Zeugnis europäischer Baukunst und Geschichte. Entstanden noch vor den großen Glaubensspaltungen, ist der Dom für ihn ebenso ein Mahnmal zur Einheit der Kirchen. So führte Schlembach auch von Anfang an die guten ökumenischen Beziehungen im Bistum konstruktiv weiter.

Wie die meisten Bischöfe nahm auch der Speyerer Bischof Aufgaben außerhalb seines Bistums wahr, anfangs in der Publizistischen Kommission und der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, später in der „Kommission Weltkirche“, deren Unterkommission für Missionsfragen er leitete, und in der „Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen“, deren stellvertretender Vorsitzender er zehn Jahre lang war. Von 1991 bis 2006 war er Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Fünf Jahre war er Mitglied im Päpstlichen Rat für den Dialog mit den Nichtglaubenden; als Leiter des Dialog-Sekretariates für die Bundesrepublik und die deutschsprachige Schweiz richtete er wissenschaftliche Symposien in Speyer, Zagreb und Prag aus. Vier Mal organisierte er als Delegierter der Deutschen Bischofskonferenz das deutschsprachige Programm der Eucharistischen Weltkongresse: 1989 in Seoul, 1993 in Sevilla, 1997 in Breslau und 2000 in Rom.

Wenn Bischof Schlembach auf seine Amtszeit zurückblickt, klammert er besorgniserregende und schmerzliche Entwicklungen nicht aus. So konstatiert er durchaus den zahlenmäßigen Rückgang an Gläubigen und Gottesdienstbesuchern, den Priestermangel oder den in seinen Augen viel zu schwachen Einsatz der Christen für eine „Kultur des Lebens von der natürlichen Empfängnis bis zum natürlichen Sterben“. Aber all dies ist für ihn kein Grund zur Resignation oder gar zum Pessimismus. Im Gegenteil, er sieht auch im kirchlichen Leben hierzulande viele Hoffnungszeichen und neue Aufbrüche. „Vieles spricht dafür, dass sich Atheismus, Säkularismus und Postmoderne totlaufen“, schrieb er in seinem letzten Bischofswort zur österlichen Bußzeit. Diese Entwicklung sei für Christen eine Ermutigung, täglich neu und noch entschiedener ihren Gottesglauben zu leben und zu bezeugen. (is)

Online-Präsentation der Bischofsworte anlässlich des 60-jährigen Priesterjubiläums:

www.bistumsarchiv-speyer.de (Menü „Publikationen“)

oder direkt unter

http://www.bistum-speyer.de/2/erziehung-schule-bildung/bistumsarchiv/publikationen/

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