Aus dem Bistum

Mittwoch, 18. März 2020

Bischof und Menschenfreund

Weihbischof Otto Georgens: Vor 25 Jahren wurde er zum Bischof geweiht. Die Jubiläumsfeier muss er wegen der Corona-Krise verschieben

Ad limina-Besuch im Vatikan und Begegnung mit Papst Franziskus. Foto: Servicio Fotographie

Am 27. Januar 1995 wurde im Vatikan und zeitgleich in Speyer die Ernennung des damaligen Pirmasenser Dekans Otto Georgens zum Weihbischof in Speyer bekannt gegeben – als Nachfolger von Weihbischof Ernst Gutting. Die Entscheidung wurde in der Pfalz und der Saarpfalz mit viel Sympathie aufgenommen, denn der neue Weihbischof war ein bewährter und von den Gläubigen sehr geschätzter Seelsorger. Seit 1986 war Georgens Pfarrer im westpfälzischen Eppenbrunn bei Pirmasens, seit 1992 zusätzlich Administrator der Pfarreien Schweix, Trulben und Vinningen. Zuvor schon Leiter des Pfarrverbandes Pirmasens-Land, wurde er am 26. Oktober 1994 – wenige Monate vor der Ernennung zum Weihbischof – zum Dekan des flächenmäßig größten Dekanates der Diözese gewählt. Am 25. März empfing Georgens im Speyerer Dom dann aus der Hand von Bischof Anton Schlembach die Bischofsweihe. Der Domnapf war aus diesem Anlass mit Wein aus Weisenheim am Berg gefüllt, der Heimatgemeinde des Weihbischofs und Winzersohns.

Jetzt, am 25. März, genau 25 Jahre nach seiner Bischofsweihe, wollte Otto  Georgens diesen Jahrestag mit einem festlichen Gottesdienst und einem Empfang im Friedrich Spee Haus feiern. Alles war schon geplant und vorbereitet, dann  tauchte das Corona-Virus auf, und die Feier musste kurzfristig abgesagt werden. „Ich werde mein Bischofsjubiläum auf jeden Fall nachfeiern“, unterstreicht Georgens, auch wenn er noch nicht sagen kann, wann das sein wird.

Otto Georgens wurde am 2. Dezember 1950 im vorderpfälzischen Weisenheim am Berg geboren. Nach dem Theologiestudium in Mainz und Freiburg weihte ihn Bischof Friedrich Wetter am 26. Juni 1977 zum Priester. Seine erste Kaplansstelle war Frankenthal. 1979 berief ihn der Bischof als seinen Sekretär und als Domvikar nach Speyer. Diese Funktionen behielt Georgens auch nach der Bischofsweihe von Bischof Schlembach, bis er 1986 als Seelsorger in die Westpfalz ging.

Otto Georgens ist seit 25 Jahren nicht nur Weihbischof, sondern auch Dompropst. Damit ist er Vorsitzender und Repräsentant des Speyerer Domkapitels, das die Gesamtverantwortung für den Dom trägt. Der Speyerer Weihbischof, der sich als Moderator des Domkapitels versteht, weiß um die Bedeutung der Aufgabe, ist doch der Dom nicht nur „ein großartiges Gotteshaus, sondern auch Weltkulturerbe“. Neue und wichtige Aufgaben brachte Georgens auch dies: Nach der Emeritierung von Bischof Schlembach wählte das Domkapitel den Weihbischof am 10. Februar 2007 zum Diözesanadministrator. Dieses Amt übte er bis zum Amtsantritt des neuen Bischofs von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, am 2. März 2008 aus.

Fast 15 Jahre war Georgens als Bischofsvikar für die Caritasarbeit zuständig, eine Funktion, die er bis 2009 ausübte. Seine Arbeit in diesem Bereich hatte auch einen persönlichen Hintergrund. Über seinen geistig behinderten Bruder hatte er die Caritasarbeit in besonderer Weise schätzen gelernt. Bundesweit in die Medien kam Georgens 1999, als er im Rahmen der „Initiative 2000“ des Bistums zu der Aktion „Leben mit Sozialhilfe“ im Rahmen der „Initiative 2000“ einlud. Rund 750 Frauen, Männer und Kinder versuchten in der Fastenzeit einen Monat lang, mit dem Betrag auszukommen, der ihnen von der Sozialhilfe her zustünde. Mit der Aktion, die in der Öffentlichkeit teilweise heftig diskutiert wurde, wollte die Diözese auf die Situation der rund 2,9 Millionen – damals so genannten – Sozialhilfeempfänger in Deutschland aufmerksam machen.
„Wir können es uns als Kirche nicht leisten, dass wir die Armen nicht wahrnehmen und ihnen unsere Zuwendung verweigern“, sagte Georgens damals. Mit Blick auf die sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich eine auch heute hochaktuelle Forderung. Wobei Georgens „Zuwendung“ auch als Einsatz für gerechtere wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen versteht.

Ein besonderes Anliegen ist Weihbischof Georgens auch der Einsatz für die Weltkirche. Im Bistum Speyer ist er Bischofsvikar für diesen Arbeitsbereich, und innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz Mitglied der Kommission Weltkirche sowie der Unterkommission für Entwicklungsfragen. Die Gespräche mit Gästen aus den Kirchen des Südens sind ihm wichtig, in seinem Büro finden sie immer eine offene Tür und ein offenes Ohr. „Es geht um gegenseitiges voneinander Lernen“, betont er und erwähnt in diesem Zusammenhang vor allem die Bedeutung der Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Bei seinen Besuchen in Afrika, Lateinamerika und Asien liegt ein Schwerpunkt immer darauf, etwas von ihrer Arbeit zu erfahren. Enge Kontakte pflegt Weihbischof Georgens nach Togo, wo in der Vergangenheit Priester aus dem Bistum Speyer gearbeitet haben. Auch das Wirken Paul Joseph Nardinis hat er hier bekannt gemacht. Aktuell setzt sich Georgens für den Ausbau des Krankenhauses von Mibilizi in der Speyerer Partnerdiözese Cyangugu in Ruanda ein. Die bisherigen Planungen stimmen ihn hoffnungsvoll. Dankbar ist er in diesem Zusammenhang für die Zusammenarbeit mit der Aktion Silbermöwe des „pilger“. Die großen kirchlichen Hilfswerke kommen gerne mit ihren Veranstaltungen und Aktionen ins Bistum Speyer, weil sie von Weihbischof Georgens, seinem Team und dem Bistum insgesamt große Unterstützung erfahren.

Mit „Weltkirche“ hat noch eine weitere Funktion von Weihbischof Georgens zu tun. Als Delegierter vertritt er seit 2000 die Deutsche Bischofskonferenz bei der Vollversammlung der französischen Bischöfe. „Das tue ich gerne“, sagt er und ergänzt, dass er versucht, an möglichst allen Versammlungen der französischen Kollegen teilzunehmen. Er hat als Pfarrer in der Grenzregion zu Lothringen  gearbeitet, spricht fließend Französisch und schaut genau hin auf die pastorale Arbeit in Frankreich. „Kirche sein in einem weitgehend säkularen Umfeld, das wird zunehmend unsere Realität“, ist er sich sicher. Von dieser Überzeugung kommt auch sein besonderes Interesse an Madeleine Delbrêl. Die Atheistin, die sich von der Botschaft Jesu überwältigen ließ und in einer Pariser Industrie-Vorstadt als Sozialarbeiterin lebte, „könne Wege zeigen, wie das Evangelium heute gelebt werden kann“, so Weihbischof Georgens. Er hat sich auf Spurensuche nach ihrem Lebenszeugnis begeben, Bücher über sie veröffentlicht und unzählige Vorträge über ihre Schriften und ihr Lebenszeugnis gehalten.

Seit 2009 ist Georgens zudem Bischofsvikar für die Orden, Säkularinstitute und die Gemeinschaften des Apostolischen Lebens im Bistum Speyer. Klöster als Kristallisationsorte des Glaubens sind für ein Bistum von großer Bedeutung. Dem tragen die regelmäßigen Ordenstage Rechnung. Im Bistum Speyer leben derzeit über 400 Mitglieder in apostolischen und kontemplativen Gemeinschaften. 

Seinen Humor hat sich der Winzersohn Georgens, der bei passender Gelegenheit gern Reden in Reimform vorträgt, auch im Amt des Weihbischofs bewahrt. Dies bestätigte ihm – gewissermaßen offiziell – 1996 der Ludwigshafener Karnevalsverein „Rheinschanze 1877“. Als erster katholischer Geistlicher überhaupt erhielt Georgens den Karneval-Orden „Pfälzer Krischer“. Otto Georgens geht es um die Nähe zu den Menschen, und diese spüren das. Für sie ist er ein Bischof zum Anfassen. (Norbert Rönn)

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