Kirche und Welt

Mittwoch, 21. August 2019

Bistümer rücken enger zusammen

Dachverband der katholischen Kirche in Deutschland gibt sich neue Verfassung

Im Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz in Bonn wird die gemeinsame Arbeit der 27 Bistümer koordiniert. Hier ist auch der VDD beheimatet. Foto: KNA

Mancher wird sich die Augen reiben: Die deutschen Bischöfe sind noch zu einstimmigen Beschlüssen in der Lage. Sonst nämlich gäbe es die neue Verfassung für den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) nicht, die zum 1. November in Kraft tritt, wie am 16. August in Bonn bekanntgegeben wurde.

Damit wird das in dieser Form einmalige Gebilde ein halbes Jahrhundert nach seiner Gründung zukunftsfähig aufgestellt. Am Ungleichgewicht zwischen der schwachen bundesweiten und der sehr starken regionalen Struktur der katholischen Kirche ändert sich freilich nichts. Anders als beim Staat verfügen die regionalen Einheiten (die Bistümer) zusammen über rund 98 Prozent der Mittel (über sechs Milliarden Euro jährlich), die Bundesebene, also der VDD, bringt es mal eben auf 0,12 Milliarden Euro.

Doch auch um diesen eher geringen Betrag wird oft heftig gerungen. Die Reform, die nun eine Arbeitsgruppe um den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke (65) vorgelegt hat, soll das Zusammenwirken erleichtern. Transparentere Abläufe, mehr Verlässlichkeit und Solidarität verspricht der Benediktiner. Denn bisher, so räumt Hanke gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur freimütig ein, hätten die Bischöfe in ihren Kommissionen oft mehr bundesweite Projekte beschlossen als der bescheidene Haushalt des VDD hergibt. Dies habe „zu Verwerfungen und Misstrauen“ geführt.

Gestaltungsfreudige Bischöfe und haushalterisch denkende Generalvikare und Finanzdirektoren sitzen nun erstmals im zentralen neuen Gremium, dem Verbandsrat, an einem Tisch. Hanke glaubt, dass die Kirche damit gut gerüstet ist für neue Herausforderungen. Bei sinkenden Einnahmen werde es wichtig sein, „vor allem kleinere Bistümer von manchen Aufgaben zu entlasten“, sagt er. „Die Bistümer werden ohne Zweifel stärker zusammenrücken müssen.“
In der Vergangenheit war eher das Gegenteil der Fall. Als die Kirchensteuern nach der Jahrtausendwende vorübergehend einbrachen, verordneten die Bischöfe dem VDD einen strengen Sparkurs. Ergebnis: Der Etat ist heute nur noch halb so hoch wie vor 25 Jahren. Zwar haben sich die Einnahmen seither kräftig erholt. Der VDD bekam dennoch keinen größeren Spielraum und ist mittlerweile unterfinanziert.

Gaben die 27 deutschen Bistümer in den 1990er Jahren noch vier Prozent der Kirchensteuer für Gemeinschaftsaufgaben aus, sind es heute unter zwei Prozent. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht darin eine Fehlentwicklung. Es fordert, nach evangelischem Vorbild, einen festen Anteil von etwa drei Prozent aus der Kirchensteuer in den VDD zu lenken. Das wären aktuell 85 Millionen Euro mehr. Ein „Bundeskirchensteuerrat“ sollte künftig den Haushalt beschließen und die Mittelverwendung überwachen.

Von diesen Vorschlägen ist wenig in die Reform eingegangen. Immerhin entsendet das ZdK künftig zwei Mitglieder mit Stimmrecht in den VDD-Verbandsrat – ein Novum. Vor einer pauschalen Mittelerhöhung müssten sich die deutschen Bistümer aber erst einmal über Prioritäten in ihrem gemeinsamen Engagement verständigen, sagt Hanke. Erleichterung und Stolz sind ihm anzumerken. Es war keine Selbstverständlichkeit, dass die Diözesanbischöfe der sorgsam ausgewogenen Erstbesetzung des 18 stimmberechtigte Mitglieder zählenden Verbandsrats ihr Placet gaben: Arme und reiche, ost- und westdeutsche, liberale und konservative Bistümer sowie VDD-Fans und VDD-Kritiker sollten repräsentiert sein.

Wäre es nach Hanke gegangen, hätte der VDD noch mehr Kompetenzen erhalten und künftig als eine Art Finanz-Oberbehörde mit Kontrollbefugnissen gegenüber allen Bistümern agiert. Damit konnte er sich jedoch nicht durchsetzen. So bleibt die Frage vorerst offen, wie die Bistümer untereinander Solidarität organisieren wollen, wenn wieder eine Notlage wie einst im Erzbistum Berlin eintritt.
Hanke hat mit der Reform einen Arbeitsauftrag des Bischofskonferenzvorsitzenden Kardinal Reinhard Marx erfüllt und zieht sich nun komplett aus dem VDD zurück. Sein Bistum wird im Verbandsrat nicht vertreten sein. Er ist überzeugt, dass der VDD in seiner neuen Verfassung nun auch für die Diözesen funktioniert, die dort weder Sitz noch Stimme haben. (Christoph Renzikowski)

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