Wochenkommentar

Donnerstag, 08. Dezember 2016

Bitte mehr Advent wagen

Vorfreude wird durch Konsumstress ersetzt.

Der Advent gilt als Wartezeit. Doch dass ein Zeitraum von drei oder vier Wochen als eigene Zeit des Wartens begangen wird, ist kaum noch vorstellbar. Längst ist der Advent zum Event geworden. Er hat dabei seinen Namen verloren und heißt jetzt „Weihnachtszeit“. Vorfreude wird durch Konsumstress ersetzt. Da wundert es nicht, dass Geschäftsleute ihre Läden am liebsten an möglich vielen Adventssonntagen öffnen würden, aber sie stoßen mit ihrem Ansinnen zunehmend auf den Widerstand einer „Allianz für den freien Sonntag“, gebildet aus Kirchen und Gewerkschaften.

Ausruhen, freie Zeit haben für Gott, sich selbst und andere, ausbrechen aus dem Hamsterrad des Alltags: Dieser tiefere Sinn des Sonntags droht immer mehr verloren zu gehen, und das nicht nur, weil die Gottesdienste leider immer schlechter besucht sind. Der Sonntag ist aber nicht nur für Gläubige wertvoll, sondern eine große soziale, gemeinschaftsstiftende Errungenschaft für alle, die so manch einer allerdings aushebeln will. Doch kommt es in der Sonntagsfrage zu Klagen vor Gerichten oder zu einem Bürgerentscheid – wie kürzlich in Münster –, so zeigt sich: Es ist doch noch nicht alles verloren. Eine knappe Mehrheit in der westfälischen Bischofsstadt sprach sich  – bei allerdings schwacher Wahlbeteiligung –  für den Sonntagsschutz aus. Die Geschäftsleute vor Ort zeigten sich nach der Niederlage im „Glaubenskrieg“ um den Sonntag als schlechte Verlierer und versuchten hinterher allerhand am Ergebnis und der Allianz von Kirchen und Gewerkschaften herumzumäkeln.

Wohlgemerkt: Wenn die Kaufleute sich gegen die (Über-)Macht des Internetverkaufs und die Verödung der Innenstädte wehren, so kann man dafür durchaus Verständnis haben. Gerade für kleine Geschäfte ist das Weihnachtsgeschäft wichtig. Besonders im Advent aber sollten der Hektik, dem Stress und der  Beschleunigung unserer Zeit die innere Ausrichtung auf das Wesentliche und die Vorbereitung auf das große Geschenk der Ankunft Gottes entgegengestellt werden. Mehr Bescheidenheit, Einfachheit und Wachsamkeit sind gefragt, wie Papst Franziskus zu Recht angemahnt hat. Bitte also mehr Advent und mehr Sonntag wagen! (Gerd Felder)

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