Wochenkommentar

Dienstag, 21. Mai 2019

China-Abkommen neu verhandeln

Kirche darf keinen Kniefall vor einer Diktatur machen

In welcher Welt lebt eigentlich Pietro Parolin? Der Kardinalstaatssekretär gab jetzt zu Protokoll, er sehe die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China „auf einem guten Weg“. Fakt ist: Die Hoffnungen, die auf Seiten Roms mit der „vorläufigen Vereinbarung“ vom September vorigen Jahres verbunden waren, haben sich bisher überhaupt nicht erfüllt. Das Schicksal inhaftierter oder unter Hausarrest gestellter Priester und Bischöfe ist nach wie vor ungewiss, in Teilen des Riesenreiches wird Kindern und Jugendlichen das Betreten von Kirchen untersagt. Für die „Untergrundchristen“, die jahrzehntelang trotz Verfolgung durch das kommunistische Regime standhaft an ihrem christlichen Glauben festgehalten haben, hat sich die Situation seither sogar verschärft, denn die staatlichen Behörden setzen sie stark unter Druck, sich in der regimefreundlichen „Patriotischen Vereinigung“ registrieren zu lassen.

Papst Franziskus war von einflussreichen chinesischen Kirchen-Vertretern eindringlich vor dem Abschluss des Abkommens gewarnt worden, das hinterher als „historisch“ gefeiert wurde. Die Vereinbarung, deren Wortlaut erstaunlicherweise nicht veröffentlicht wurde, gesteht dem Papst Rechte bei der Auswahl und Ernennung der Bischöfe zu, hat aber einen hohen Preis: Franziskus musste acht illegitime, regimehörige Bischöfe, die gegen den Willen des Vatikans geweiht worden waren, offiziell anerkennen. Was er beabsichtigt, ist klar: Er will die Stellung der katholischen Kirche in China insgesamt verbessern und die Einheit und Versöhnung zwischen den regimetreuen und den romtreuen Katholiken herbeiführen. Das repressive Regime aber nutzt dieses fragwürdige Entgegenkommen massiv für seine Propaganda und für ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Untergrundkirche, die sich vom Papst im Stich gelassen und verraten fühlt.

Naivität? Kniefall vor einer großen kommunistischen Diktatur? Warnende Beispiele aus Zeiten der vatikanischen Ostpolitik gibt es genug. Positiv ist, dass Papst Franziskus und Kardinalstaatssekretär Parolin Verständnis für die Kritik zeigen – und dass die fatale Vereinbarung nur „vorläufig“ ist. Sie sollte so bald wie möglich neu verhandelt oder sogar rückgängig gemacht werden, wenn Peking gar keine Einsicht zeigt. (Gerd Felder)

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