Wochenkommentar

Donnerstag, 22. Februar 2018

Christen als Zielscheibe?

Christen müssen auch im eigenen Land mehr Solidarität wagen

Übergriffe auf jüdische Mitbürger, Angriffe auf offener Straße, Hetzparolen und antisemitische Exzesse schrecken in jüngster Zeit die deutsche Öffentlichkeit auf – zu Recht. Seit kurzem aber wissen wir, dass auch die Übergriffe auf Christen in Deutschland in einem besorgniserregenden Maß zunehmen: 100 gezielte Angriffe hat das Bundeskriminalamt (BKA) im vergangenen Jahr registriert, darunter einen Mord, neun Körperverletzungen und eine Brandstiftung. Und wie ist die Reaktion auf diese ebenso überraschenden wie erschreckenden Zahlen? Ein Aufschrei in der Öffentlichkeit? Demonstrationen auf den Straßen? Weit gefehlt. Weite Teile der deutschen Gesellschaft ignorieren die Meldung und sind zur Tagesordnung übergegangen.   

Um nicht missverstanden zu werden: Die Entwicklung der Hasskriminalität gegen Christen soll hier nicht künstlich hochgespielt oder dramatisiert oder gar mit dem zunehmenden Antisemitismus auf eine Stufe gestellt werden. Auch wären Panik- und Angstmache oder gar ein Pauschalverdacht gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern völlig unangebracht und überhaupt nicht im Sinne der Christen. Aber der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat völlig recht: Angesichts der Verrohungs- und Radikalisierungstendenzen in unserer Gesellschaft sind höchste Wachsamkeit und tiefer Respekt vor den christlichen Traditionen und demokratischen Grundregeln gefordert. Nur ein Naivling kann übersehen, dass es sowohl in rechtsradikalen Kreisen als auch unter den Flüchtlingen Leute gibt, die eine eingefleischte christenfeindliche Gesinnung pflegen, welche sogar zu handfesten Gewalttaten führen kann.  Diese Hasskriminalität nicht wahrhaben zu wollen, wäre fatal. Ebenso fatal aber wäre es, wenn ausländerfeindliche Gruppierungen diese Tatsachen für ihre menschenfeindliche Propaganda missbrauchen würden.  

Wir Christen selbst aber müssen nicht nur dem Leiden unserer Glaubensschwestern und -brüder in aller Welt – alle fünf Minuten stirbt ein Christ wegen seines Glaubens – viel mehr Aufmerksamkeit schenken, als wir es landläufig tun, sondern auch den aus unterschiedlichen Gründen gefährdeten Christen im eigenen Land. Im Hinblick auf Solidarität mit den eigenen Glaubensgeschwistern können wir von anderen Religionsgemeinschaften noch lernen. (Gerd Felder)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren