Wochenkommentar

Mittwoch, 18. März 2020

Corona ist keine Strafe Gottes

Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt sind gefragt

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das kommen würde: Marian Eleganti, Weihbischof im Bistum Chur (Schweiz), hat die Corona-Pandemie wie die Seuchen vergangener Jahrhunderte als „Strafe Gottes“ für zu wenig Glauben gedeutet. Doch wer das tut, der spielt auf unverantwortliche Weise mit den Ängsten der Menschen und handelt letztlich zynisch. Denn angesichts dieser unvergleichlichen Bedrohung gilt es, zusammenzustehen, Solidarität zu üben, Achtsamkeit an den Tag zu legen und Nächstenliebe zu praktizieren. Das Paradoxe ist, dass in Corona-Zeiten Nähe sich gerade in Ferne, Zuwendung in Abstand, Liebe in Distanz äußert. Es gilt, alle Kräfte der Mitmenschlichkeit zu mobilisieren, die Alten, Schwachen und Kranken zu schützen, die Ängstlichen und Hoffnungslosen zu ermutigen. Das ist entscheidend auch eine Aufgabe der Kirche.

Immer stärker ist die Kirche auch selbst von der Pandemie betroffen: Gottesdienste werden abgesagt, Kirchen (in Italien) geschlossen, Firmungen, Erstkommunionfeiern, Hochzeiten und teilweise sogar Beerdigungen gestrichen. Auf jeden Fall führt diese Herausforderung von einer unvorstellbaren Wucht drastisch vor Augen, wie fragil, unsicher, unverfügbar und gefährdet das Leben ist. Und diese Tage, an denen fast stündlich immer noch ungewöhnlichere Maßnahmen beschlossen werden, zeigen auch, wozu Menschen (fast) auf der ganzen Welt in der Lage sind, wenn eine Bedrohung akut ist und sie selbst betrifft. Warum ist die Menschheit nicht dazu bereit und willens, ähnlich radikale Maßnahmen zu ergreifen, um andere zu retten, wie etwa die Flüchtlinge in Syrien? Oder ähnlichen Verzicht zu üben, um endlich den Klimawandel, der noch viel bedrohlicher ist als das Corona-Virus, entschlossen und massiv zu bekämpfen? Das Unmögliche ist möglich, wenn man es nur will. (Gerd Felder)

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