Kultur

Freitag, 21. Juni 2019

Darmstädter Zentrum des Jugendstils

Die Mathildenhöhe bewirbt sich als Unesco-Weltkulturerbe

Die Darmstädter Mathildenhöhe ist ein architektonisches Ensemble, das seinesgleichen sucht. Foto: Pixabay

Die Mathildenhöhe ist der Stolz Darmstadts: Ein einzigartiges Jugendstil-Ensemble aus Architektur und Kunst. In diesem Jahr wurde die Bewerbung als Unesco-Weltkulturerbe eingereicht, die Stadt hat dazu öffentlichkeitswirksam einen Vertrag mit dem örtlichen Pharma- und Chemiekonzern Merck über eine „Partnerschaft“ geschlossen – er wurde per Drohne auf die Mathildenhöhe geflogen und landete zu Füßen der dort versammelten Honoratioren. 2020 entscheidet nun die Unesco, ob der Darmstädter Hausberg zum Touristen verheißenden Weltkulturerbe geadelt wird.

Zu verdanken ist das Ensemble dem letzten Darmstädter Großherzog Ernst Ludwig (1868 bis 1937). Vor 120 Jahren, im Jahr 1899, hat er auf der Mathildenhöhe eine Künstlerkolonie ins Leben gerufen und bis zu ihrer Auflösung mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 finanziell großzügig unterstützt. Von der Verbindung von Kunst, Gewerbe und Handwerk erhoffte er sich eine wirtschaftliche Belebung für sein ganzes Land: „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst.“ Den Architekten, Designern und Künstlern ging es um die Verbindung von Funktionalität und Ästhetik auf dem Weg in die Moderne. Auch Dinge des täglichen Gebrauchs sollten künstlerisch gestaltet werden. Seinen Ursprung hatte der Jugendstil in der britischen „Arts and Craft“-Bewegung. Zu den ersten Malern, Bildhauern und Architekten, die Ernst Ludwig nach Darmstadt holte, zählten Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens, Ludwig Habich, Rudolf Bosselt, Paul Bürck und Hans Christiansen. Ihre Aufgabe war es, in der parkähnlichen Anlage des Hügels im Osten der Stadt Ateliers und Künstlerhäuser zu errichten und einzurichten, einige als provisorische Bauten, andere auf Dauer angelegt.

Es entstanden prächtige Villen für das gehobene Bürgertum mit eigenwilligen Fassaden, gerundeten Fenstern, Erkern und Verzierungen. Auch Mobiliar und Geschirr – deren Serienproduktion Gewerbe und Handel ankurbeln sollten – stammten aus künstlerischen Entwürfen.

Mit der Ausstellung „Ein Dokument deutscher Kunst“ trat die Künstlerkolonie 1901 erstmals ins Licht der Öffentlichkeit und präsentierte acht fertig eingerichtete Wohnhäuser. Hinzu kamen große Ausstellungsgebäude. Finanziell war das Projekt allerdings ein Desaster, weshalb die zweite Ausstellung 1904 überwiegend mit preiswerten Provisorien bestückt wurde. Die Künstler bauten zwar zu Vorzugskonditionen, doch nur Olbrich, Christiansen, Habich und Behrens konnten sich eigene Häuser auch leisten. Für Normalbürger waren sie unerschwinglich. Ein Riegel Mehrfamilienhäuser zeigte allerdings zur dritten Ausstellung 1908, dass modernes Wohnen auch mit geringen Mitteln möglich war. Die Gebäude wurden im Krieg zerstört und nicht wiederaufgebaut. Drei Arbeiterhäuser aber waren nach der Ausstellung abgetragen und vor den Toren der Stadt wieder errichtet worden, wo sie den Krieg überstanden.  

(epd)


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