Kirche und Welt

Dienstag, 09. Juni 2020

„Das ist ekelhaft“

Immer mehr katholische Geistliche stellen sich gegen Donald Trump

Was da wohl drinsteht? Der wenig bibelfeste US-Präsident Trump posiert mit einer Bibel vor einer Kirche. (Foto: imago images/ZUMA Wire)

Ein skandalöser Fototermin des US-Präsidenten vor einer Kirche löst Entsetzen aus.
Demonstrativ ehrt Mark Seitz das Andenken des Schwarzen George Floyd mit einem gebeugten Knie. Minutenlang kauert der katholische Bischof von El Paso im stillen Gebet auf dem Boden. Und erinnert damit daran, wie der 46-Jährige unter dem Knie eines weißen Polizisten qualvoll starb. In den Händen hält Seitz ein Schild mit der Aufschrift „Black Lives Matter“.
Papst Franziskus dankte dem Bischof per Telefon für dessen Parteinahme. So stellt sich Franziskus den Umgang der US-amerikanischen Hirten mit den landesweiten Protesten gegen strukturellen Rassismus, Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit vor.
Der auf einem Foto festgehaltene Kniefall steht als Symbol des Aufbruchs. Etwas ist in Bewegung geraten, das mehr und mehr katholische Geistliche aus der Kirche auf die Straße bringt. Mit dem Bischof von El Paso reihte sich nun einer der ersten US-Bischöfe in die Protestmärsche ein, die sich nach Floyds Tod am 25. Mai im ganzen Land ausbreiten.
Zu den Marschierern zählt auch der Erzbischof von St. Paul-Minneapolis, Bernard Hebda. Entsetzt über den Tod Floyds in seiner Stadt, dem Epizentrum der Krise, suchte der konservative Hirte bei einer Demonstration gegen Rassismus den Schulterschluss mit den Empörten.

Ungeheuerlich manipuliert
Seitz und der konservative Hebda stehen stellvertretend für eine neue Form öffentlichen Widerspruchs unter US-Katholiken, der nach der Foto-Aktion Donald Trumps mit einer Bibel vor der historischen St. John’s-Kirche einen neuen Höhepunkt erlebt. Der wenig bibelfeste Präsident nährte damit den Verdacht, Religion als Kulisse für seine Politik zu missbrauchen.
„Das ist ekelhaft“, twitterte James Martin vom Jesuiten-Magazin „America“ zu dem Spektakel, für das Trump unter dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen den Lafayette-Platz von friedlichen Demonstranten räumen ließ. Um anschließend im Triumphmarsch zu der „Kirche der Präsidenten“ zu ziehen.
Der Erzbischof von Washington, Wilton Gregory, distanzierte sich vom Besuch des Präsidenten am Denkmal von Papst Johannes Paul II. Es sei „verwirrend und verwerflich“, dass es eine katholische Einrichtung zulasse, auf so „ungeheuerliche Weise missbraucht und manipuliert zu werden“, zürnte der erste schwarze Bischof der einflussreichen Diözese.
Gregory sorgte mit seiner Kritik für die kraftvolle Führung, die von der US-Bischofskonferenz (USCCB) bislang gefehlt hatte. Trump hält er vor, mit allem, was er sage und tue, Gewalt zu entfachen.

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