Silbermöwe

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Das Licht kommt in die Welt

Wie aus den Heiligen Drei Königen die Sternsinger geworden sind und eine große Hilfsaktion entstanden ist

Anfang kommenden Jahres steht die Aktion Dreikönigssingen unter dem Leitwort „Segen bringe, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!“. Foto: Kindermissionswerk

In den Tagen um Dreikönig ziehen die „Sternsinger“ von Haus zu Haus, über verschneite Felder und durch stille Dörfer. Doch der romantische Brauch täuscht. Denn an Epiphanie, „Erscheinung des Herrn“, wie das Fest im kirchlichen Kalender heißt, geht es gar nicht so sehr um den Auftritt der Weisen oder Sterndeuter aus dem Osten,  die in der Tradition später zu Königen wurden, und zudem noch mit verschiedenen Deutungen.
In den ersten christlichen Jahrhunderten war der 6. Januar vielmehr das Weihnachtsdatum im Osten, und auch im Westen blieb Epiphanie als zweiter Höhepunkt der weihnachtlichen Festzeit erhalten. Die Christen feiern an diesem Tag den Aufgang des Lichtes, das keinen Untergang kennt, den Einzug des Gottkönigs in die Welt, das Offenbarwerden seiner Herrlichkeit. „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes“, freuen sie sich.

Einer von uns geworden
„Es ist das Fest, das sagt: Siehe, Gott ist da – noch still und leise, noch so, wie der Frühling im kleinen Samenkorn sitzt, still und siegesgewiss, unter der winterlichen Erde verborgen und doch schon mächtiger als alle Finsternis und Kälte. Es ist das Fest, das sagt: Gott ist da, Gott, der ein Mensch geworden ist, der in die Armseligkeit und Enge unseres Lebens hineingegangen ist und uns so geliebt hat, dass er wurde einer von uns (...)“, so der Theologe Karl Rahner.
Von den weisen Männern, die dem Mensch gewordenen Gott im Stall von Betlehem ihre Verehrung erwiesen haben, weiß nur der Evangelist Matthäus – ohne Angaben über ihre Zahl oder ihre Herkunftsländer zu machen. Die spätere Tradition hat die Geschichte ausgeschmückt und die Weisen zu morgenländischen Königen befördert.
Als der Kanzler Friedrich Barbarossas die Gebeine der legendären Herrscher 1164 aus Mailand nach Köln brachte – ein kleiner Sieg im Streit zwischen Kaiser und Papst –, entwickelte sich dort bald ein intensiver Kult, der sich im ganzen Deutschen Reich verbreitete. Die drei Könige wurden zu Symbolen der Weltvölker, der dritte hatte von nun an ein Farbiger zu sein. Vornamen wie Kaspar oder Balthasar, vor gar nicht so langer Zeit noch recht beliebt, und Wirtshausschilder „Zum Mohren“, „Zum Stern“, „Zur Krone“ an einst stark frequentierten Straßen lassen noch etwas von der alten Verehrung ahnen.

Mehr als frommer Wunsch
Nicht bloß als frommen Wunsch, sondern als wirkmächtige heilige Zeichen interpretierte man von Anfang an die vermeintlichen Initialen CMB der Männer mit den geheimnisvollen Namen Caspar („Schatzträger“), Melchior („König des Lichts“) und Balthasar („Gottesschutz“), die man am Abend vor Epiphanie mit geweihter Kreide oben an die Türstöcke der Wohnungen und Ställe schreibt, damit nichts Böses über die Schwelle treten kann. Die Initialen können freilich auch als Abkürzung für die Schutzformel „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) gedeutet werden.

Die Sternsinger unterwegs
Wie ein Abbild des pilgernden Gottesvolkes stapfen sie durch das Land, die Sternsinger, in weiße Betttücher oder farbenprächtige Gewänder gekleidet, Kronen aus Goldpapier auf dem Kopf, voran der lange Stab mit dem goldenen Stern. Die Gruppe hat eine uralte Tradition. Sie erinnert an die mittelalterlichen Dreikönigsspiele: dramatische Darstellungen des weihnachtlichen Geschehens, die in Kirchen und Klöstern aufgeführt wurden, als es noch kaum Bücher und wenige des Lesens kundige Leute gab.

Von Kindern für Kinder
Heute hat der alte Brauch einen guten neuen Sinn erhalten. Es sind meist die katholischen Ministranten, die in der malerischen Tracht der Könige aus dem Orient von Haus zu Haus ziehen, Lieder singen, ein Segensgebet sprechen und dafür Geld bekommen, das in der Regel für Missions- und Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt verwendet wird. Mit den in Deutschland jedes Jahr gesammelten Millionenbeträgen werden unter anderem Ernährungsprogramme, ärztliche Versorgung, Hilfsprojekte für Straßen- und Flüchtlingskinder, Fördereinrichtungen für behinderte Kinder und Jugendliche und natürlich seelsorgliche Aufgaben finanziert. Es ist die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. (Christian Feldmann)

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