Wochenkommentar

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Das schlechte Beispiel der USA

Populismus ist eine beängstigende Entwicklung

Geht es noch schlimmer? Sprachlos sehen wir einem Wahlkampf in den USA zu, der ein erbärmliches Schauspiel ohnegleichen bietet und an kindischen Niederträchtigkeiten und unflätigen Beleidigungen kaum zu überbieten ist. Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der Republikaner, beantwortet die immer neuen Anschuldigungen von Frauen wegen sexueller Nötigung und Belästigung mit abenteuerlichen Verschwörungstheorien und beispiellosen Unterstellungen. Hillary Clinton („eine schlimme Frau“) kann in seiner Weltsicht nur durch Wahlbetrug an die Macht kommen, während der amtierende Präsident Barack Obama mit Dschihadisten unter einer Decke steckt.

Ausgerechnet der völlig substanz- und morallose Multimilliardär, dem buchstäblich (fast) jede Schandtat zuzutrauen ist, wirft unablässig anderen Korruption vor, von seinen widerlichen sexistischen Sprüchen und wahrscheinlich auch Taten ganz zu schweigen. Das Verrückte ist nur: Der maßlose Egomane kann mit seinen infamen Entgleisungen nach wie vor auf die ungebrochene Begeisterung seiner fanatischen Anhänger zählen.  Schlimm, sehr schlimm, dass in der größten westlichen Demokratie ein solch hemmungsloser Hassprediger sich, nicht zuletzt mit Hilfe einer massiven Propaganda über die sozialen Medien, seine eigene Wahrheit zurechtbiegen und so unverfroren klare Fakten durch Lügen ersetzen kann. Doch denen, die sich von der politischen und intellektuellen Elite verraten fühlen, ist so etwas nur recht – wohlgemerkt: nicht nur in den USA, sondern auch in vielen Ländern Europas, nicht zuletzt in Deutschland. Diese beängstigende Entwicklung, die den Populisten und Verführern aller Art im „postfaktischen Zeitalter“ zugute kommt, muss uns allen sehr zu denken geben. Allzu lange haben die „besseren Kreise“ die Sorgen und Nöte, Probleme und Interessen der kleinen Leute, der Verlierer und Zukurzgekommenen ignoriert und ausgeblendet. Gerade der Kirche, die – nach einem Wort von Papst Franziskus – „bis an die Ränder der Gesellschaft“ gehen soll, kommt hier eine große Aufgabe zu. Allerdings muss sie genauso unmissverständlich klar machen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt auf der Wahrheit beruht und nicht auf der Lüge und der Verdrehung von Tatsachen. (Gerd Felder)

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