Aus dem Bistum

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Nahost-Konflikt unter der Lupe

Menschenrechtlerin berichtet in Herxheim über ihre Erfahrungen in Palästina

Bettina Flick bei ihrem Vortrag. Foto: Rieder

In einem Vortrag zum Thema „Das Heilige – Unheilige Land“ zeichnete die Herxheimerin Bettina Flick im Pfarrheim ihrer Herxheimer Heimatgemeinde ein spannendes Bild von Israel und Palästina zwischen Gewalt und Sehnsucht dieser Völker nach Frieden.


Bettina Flick ist 1966 in Herxheim geboren, Abitur machte sie 1984 am Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau. Von 1986 bis 1988 war sie Novizin im Trappistinnen-Kloster „Gethsemani“ am Donnersberg, das sie verließ, um sich für die Kirche in der Welt zu engagieren. Die Südpfälzerin absolvierte ein Theologiestudium, war als Pastoralassistentin in St. Gallen tätig und schließlich als Sozialarbeiterin und Seelsorgerin einige Jahre in Bolivien und Peru. Inzwischen arbeitet Flick wiederum in der Schweiz als Seelsorgerin. Von Oktober 2014 bis Januar 2015 war sie für eine ökumenische Menschenrechtsorganisation, die im Auftrag des ökumenischen Rates der Kirche in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten arbeitet, in Palästina tätig. Bettina Flick verfasste Erfahrungsberichte unter anderem für verschiedene UNO-Organisationen.
Bettina Flick sammelte viele Erfahrungen und Eindrücke – auch zur Frage, ob Israel und Palästina überhaupt Frieden wollen. In Gesprächen und Befragungen habe sie Stimmungen, Lebensbedingungen, Sorgen und Nöten der Palästinenser im israelischen Herrschaftsbereich erkundet. Dabei hat sie immer wieder die Erkenntnis gewonnen, dass Palästinenser, aber auch Israelis, in Frieden leben wollen. Aber die Radikalen auf beiden Seiten hätten andere Vorstellungen und Ziele. Die radikalen Kräfte und Organisationen mit ihren Gewalttaten und das israelische Militär aus Sicht der betroffenen Einwohner mit seinen willkürlichen und drangsalierenden Nötigungsaktionen gegen Palästinenser beeinträchtigten und gefährdeten teilweise empfindlich Lebensbedingungen und Lebensrechte. Solches Vorgehen vergifte das Zusammenleben, konstatierte die Referentin.


Flick schilderte Einzelvorkommnisse. Beduinen, die meistens noch in Zelten lebten und vor allem Schafe und Ziegen hielten, würden oft vom israelischen Militär bedroht werden, dass sie ihr Land verlassen müssten oder ihre Tiere nur ganz nah im Umkreis ihrer Zelte weiden dürften. Am Tag  nach einem Besuch bei einer Beduinenfamilie sei sie wieder in die Siedlung gerufen worden, wo inzwischen alle Zelte von Soldaten zerstört worden seien – mit der Begründung: „Wir wollen euch nicht hier.“   


Fast alle Wasserquellen im Jordantal besäßen die  Israelis. Daher seien die Israelis genügend mit Wasser versorgt, während es für die Palästinenser erheblich beschränkt sei. Dies sei daran erkennbar, dass es bei den Israelis grün und bei den Palästinensern kahl sei, da ihnen das Wasser fehle. Eine palästinensische Bewässerungsanlage sei zerstört mit der Begründung, dass es militärisches Sperrgebiet sei. Nur dort, wo die europäischen Kontrolleure stünden, nehme die Gewalt ab, und die Palästinenser fühlten sich sicher. Viele Menschen auf beiden Seiten, so betonte Flick, wünschten sich Frieden.


Dennoch: die unversöhnlichen Gegensätze zwischen Palästinensern und Israelis bleiben bislang unüberwindlich. Die andauernden Gewaltakte zwischen Israelis und Palästinensern um das Land, das drei Religionen heilig ist, schaffen ein immer mehr unheiliges Land. Tote und Verletzte auf beiden Seiten sind an der Tagesordnung. Ein Ende der Gewalt und Gegengewalt ist nicht abzusehen. Die Spirale der Gewalt führe mit Sicherheit nicht zur Versöhnung und zum Frieden, warnte die Theologin. Nur gegenseitiger Respekt und Achtung würden die Tore zum Frieden öffnen. (hr)

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