Geistliches Leben

Donnerstag, 27. April 2017

Der Beginn des Lebens

Die Begegnung mit dem Auferstandenen verändert alles – Gedanken zum Lukas-Evangelium 24, 13–35 von Pastoralreferentin Annette Schulze

In vielen Gemeinden ist der „Emmausgang“ am Ostermontag ein festes Ritual geworden, bei dem man sich auf den Weg macht –  mit anderen und – mit dem Auferstandenen.  Anders als die beiden Jünger im Lukas-Evangelium wissen wir, dass Jesus auferstanden ist, aber genau wie sie sind wir doch manchmal mit Blindheit geschlagen, wenn es um seine Gegenwart in unserem Leben geht.

Wie sie sind wir traurig über manches, was uns widerfährt: was uns genommen, was uns zugemutet wird. Das ist nicht gerecht, so empfinden wir es und sagen dazu: „Das habe ich nicht verdient!“ Die Emmausjünger haben sicher ähnlich gefühlt. „Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.“ Was da geschehen ist, hatte er nicht verdient. Die hoffnungslose Traurigkeit ist in den Worten spürbar. Man sieht die beiden förmlich mit hängenden Köpfen stehen bleiben, als Jesus sie fragt, worüber sie reden. Sie erkennen ihn nicht, obwohl sie lange mit ihm unterwegs waren. Tage und Nächte haben sie mit ihm verbracht, Wunder erlebt, Gespräche und Diskussionen geführt, mit ihm gebetet und das Brot geteilt. Aber sie erkennen ihn nicht, den Auferstandenen. Augen können das Unbegreifliche nicht sehen. Der Verstand muss auch begreifen können, was ihm die Augen an Bildern liefern. Und einer, der gekreuzigt und begraben  wurde, ist tot. Daran ist nichts zu ändern.

Deshalb fragt Jesus: „Begreift ihr denn nicht?“ Alles, was geschehen ist, hatte einen Sinn. Es musste genau so passieren, damit die beiden auf dem Weg in ihr Dorf mit ihm, dem Unbekannten, in Berührung kommen konnten. Jede Frage, jeder Schmerz, ihre Hoffnungslosigkeit, die verlorene Perspektive – das alles hat sie vorbereitet auf die Begegnung. Auch das Gespräch, das sie mit ihm führen, bereitet sie vor: darauf, dass sie ihn bitten, zu bleiben, dass sie mit ihm Mahl halten, dass sie ihn erkennen. Gegen ihre Erfahrung und ihre Wirklichkeit er- kennen sie, was unmöglich zu sein schien: Er ist es. Und er lebt.

Es ist eine neue Weise der Nähe, die sie mit ihm erleben. Solange sie im Ungewissen sind und ihn bitten, bei ihnen zu bleiben, weil es dunkel wird – so lange achtet er ihre Angst und Sehnsucht und – bleibt. Sobald sie aber ihren Widerstand aufgeben und das annehmen, was sie gerade erleben – sehen sie den Auferstandenen nicht mehr. Sie müssen ihn nicht mehr sehen, denn seine neue Wirklichkeit ist in ihnen lebendig. Mit dem Schatz dieser Erkenntnis brechen die beiden Jünger auf, um den Freundinnen und Freunden in Jerusalem so schnell wie möglich davon zu erzählen. Alles hat sich verändert.

An dem, was geschieht in unserer Welt, was uns zugemutet wird, können wir nicht vorbei. Leben ist nicht einfach, angenehm und schön. Zumindest nicht immer. Vor allem hat es nicht nur dann einen Sinn. Das Kreuz ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Das Kreuz und die Auferstehung können wir begreifen, wenn wir uns einverstanden erklären mit dem, was ist.  Erkennen, dass in dem, was ist, das Leben ist – sogar mitten im Tod. Wir können es erkennen, das Leben, und den, der es mit uns lebt – und können anfangen, „einfach“ zu leben.

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