Wochenkommentar

Donnerstag, 25. Februar 2016

Der Einzelne im Mittelpunkt

Absurder Vorwurf der Afd-Chefin Frauke Petry

Das Flüchtlingsthema hat – wie hätte es auch anders sein können? – die jüngste Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz bestimmt. Was dabei herauskam, kann sich wahrhaftig sehen lassen: Die „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ haben das Zeug dazu, eines der meist beachteten und wirkmächtigsten Papiere zu werden, das die Bischöfe je verabschiedet haben.  Zu Recht machen sie unmissverständlich klar, dass es unabdingbar zur christlichen Identität gehört, Schutzsuchenden Hilfe zu leisten, und zwar unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Tatsächlich ist der Umgang mit den Flüchtlingen eine große Herausforderung und eine Nagelprobe auf unser aller Christ-Sein, aber auch eine einmalige Chance für die Kirche, in einer säkularen Gesellschaft durch wahre Nächstenliebe Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.  Deshalb ist es richtig, Hilfe auf allen kirchlichen Ebenen zu leisten, sich für eine möglichst schnelle und umfassende Integration einzusetzen und die individuelle Würde jedes Einzelnen in den Mittelpunkt der Flüchtlingsarbeit zu rücken. Es ehrt die Bischöfe, dass sie trotz ihrer Grundüberzeugung nicht blauäugig die Probleme und Spannungen in der deutschen Gesellschaft ignorieren, die längst auch die Kirchengemeinden erreicht haben, sondern dazu aufrufen, sich mit den Ängsten und Vorbehalten unter den Einheimischen auseinanderzusetzen.

Auch haben sie erkannt, dass sie sich legitimerweise besonders der Christen unter den Flüchtlingen annehmen müssen und die Augen vor Diskriminierungen in Flüchtlingsunterkünften nicht verschließen dürfen. Nicht zuletzt machen die Oberhirten unmissverständlich klar, dass es auch noch andere Benachteiligte gibt, die angesichts der Not der Flüchtlinge jetzt allzu schnell vergessen zu werden drohen.

Die Beschlüsse der Vollversammlung zeigen, wie absurd der Vorwurf der „Verlogenheit“ von Afd-Chefin Frauke Petry ist, die die christliche Botschaft offenbar völlig missverstanden hat. Dass die Oberhirten in einer Phase zunehmender Polarisierungen und  fast zeitgleich mit so abscheulichen Vorfällen wie in Clausnitz und Bautzen Flagge zeigen und zugleich Realitätssinn an den Tag legen, ist ein wichtiges Signal in unruhiger Zeit. (Gerd Felder)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Zurück zum Archiv

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren