Pilgern

Donnerstag, 23. Juni 2016

Der erste Schritt ist wahrscheinlich der Wichtigste

Der Beginn einer Pilgerschaft ist der Schlusspunkt hinter einer Zeit des Zweifelns und der Vorbereitung

Hinter dem Pilgern steckt – im Gegensatz zum Wandern – der Wunsch, Wandlung zu erfahren. Foto: actionpress

Mit dem ersten Schritt auf den Jakobsweg tritt der Pilger aus der Alltagshektik der modernen Leistungsgesellschaft heraus in das gegensätzliche Zeitmaß der Pilgerschaft. Dieser erste Schritt verwirklich seinen Aufbruchsentschluss, lässt ihn Wirklichkeit werden.

Der erste Schritt ist deshalb so schwierig, weil mit ihm aus einem weltlichen Menschen endgültig ein Pilger wird: Ein einfaches Zurück gibt es nicht mehr. Wer den ersten Schritt tatsächlich geht, wird auch alle weiteren gehen. „Es bedarf nur eines Anfangs, dann erledigt sich das Übrige“, schreibt Sallust.

Denn hinter dem Pilger liegt eine längere Zeit des Zweifels, der Vorbereitung und des Unverständnisses, das seine nähere Umgebung ihm häufig entgegenbringt. So viele Widrigkeiten sind für eine drei- bis viermonatige Auszeit aus der modernen Welt zu überwinden, dass nur derjenige aufbricht, für den der Pilgerweg notwendig geworden ist.

Das ist der richtige Zeitpunkt für eine Pilgerschaft: der Moment, in dem der innere Leidensdruck keine Wahl mehr lässt. Erst dann ist der Pilger bereit für den anstehenden Wandel. „Sich beeilen nützt nichts. Zur rechten Zeit aufbrechen ist die Hauptsache“, heißt es bei Jean de la Fontaine. Darin unterscheidet sich eine Pilgerschaft auch wesentlich von einer Wanderung: im Wunsch, Wandlung zu erfahren, geboren aus einer innere Frage, einem inneren Ruf. (Ulrich Hagenmeyer)

Ulrich Hagenmeyer ist Autor des Buches
„Das Ziel ist der Weg. Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela“
erschienen im Kreuz-Verlag

ISBN-10: 3451610256

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