Geistliches Leben

Mittwoch, 06. November 2019

Der Himmel ist ganz anders. Gedanken zum Lukas-Evangelium 20, 27–38

Nur in Bildern ist das „Danach“ unseres Lebens zu begreifen

„Horsch emol“, so sprach mich vor einiger Zeit ein Saarpfälzer an, den ich in diesem Kontext als „modernen Sadduzäer“ betiteln möchte, „isch glaab nedd an die Auferstehung. Ibberlee doch mol, wie viel Millione Mensche hann dann vor uns geleebd, lebe jetzt grad und wern in Zukunft noch uff unserm Planet lebe? Wo solle die dann all hinn, nom Dod? Dess kann doch gar nedd sinn!“ Moderner Sadduzäer nenne ich ihn deshalb, weil er ähnlich argumentiert wie die Sadduzäer im heutigen Evangelium.
Ausgehend von der Leviratsehe, die im Alten Testament im Buch Deuteronomium ja bereits grundgelegt ist, versuchten die Sadduzäer Jesus herauszufordern. Die Sadduzäer gehörten jener Gruppe von Schriftglehrten an, die die Auferstehung bezweifelten. Beim Blick auf das, was danach kommt, und wie dieses Danach aussehen wird stellen Sie Jesus eine Falle. Dabei ist die Ironie durchaus gewollt. Sie wollen Jesus lächerlich machen. Oder ihn überführen: Verabschiedet er sich etwa vom Gesetz des Mose? Dahinter steht die irrige Vorstellung der Sadduzäer, die Auferstehung so verstanden als ginge es dabei um ein bloßes Weiterleben nach dem Tod.
Jesus tappt nicht in die ihm gestellte Falle, sondern entkräftet sie direkt mit dem ersten Satz: „Nur in dieser Welt heiraten die Menschen“. Auferstehung bedeutet eben nicht ein bloßes Weiterleben nach dem Tod und nach den Regeln der Menschen, denn im Himmel wird nicht mehr geheiratet. Argumentativ dreht er dann schließlich den Spieß um und zeigt seinen Gesprächspartnern auf, dass schon bei Mose und der Dornbuscherzählung die Auferstehung angedeutet ist, der Glaube an die Auferstehung also durchaus in den alten Schriften enthalten ist. Oder verabschieden sich die Sadduzäer  vom Gesetz des Mose? Und so endet er mit dem wunderschönen Satz: Unser Gott „… ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden.“
Und mein moderner, saarpfälzischer „Sadduzäer“? Auch er wagt den Blick auf das Leben nach dem Tod und vergleicht das Diesseits mit dem Jenseits. Als wäre Auferstehung nur ein Weiterleben nach den alten Regeln. Was wir aus der Botschaft Jesu heraushören können, ist dass das Leben nach dem Tod nicht einfach eine Fortführung dessen ist, was wir hier auf Erden haben.  Wir werden „den Engeln gleich sein“, sagt Jesus. Die Engel aber sind für Jesus Wesen, die in und aus der Gegenwart Gottes heraus leben. Wie es also genau sein wird, das kann niemand sagen. Es ist aber auch nicht so wichtig.
Die Bibel spricht von dem „Danach“ immer in unterschiedlichen Bildern. Wir können anhand der biblischen Botschaft nur Aussagen über die Qualität des Lebens nach dem Tod machen. Ein „Ort“ ohne Leid, Trauer und Schmerz, ein „Ort“ in der unmittelbaren Nähe Gottes, ein „Ort“ frei von allem was uns belastet. Ein „Ort“ der vollen Erkenntnis darüber, wer wir sind, darüber was ist. Ein „Ort“ der Lebenden, nicht der Toten. Ein Ort, an dem alles was Leben verhindert, nicht mehr sein wird und Leben in Fülle möglich sein wird.
„Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“  schreibt der Apostel Paulus (erster Korintherbrief 13,12). Ich bin mir sicher, dass die Frage nach dem „Wohien mit all denne viele Dode?“ nicht nur falsch, sondern schlichtweg unwichtig ist. Genauso wie die Frage nach dem Levirat. Viel wichtiger als die Frage nach dem konkreten Wie ist deshalb auch die Frage, was muss ich tun, um Anteil zu haben an diesem „Danach“. Und da gibt uns Paulus auch die entscheidende Kurzformel mit auf den Weg: „Am Ende aber bleiben diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe. Nichts anderes. Am größten aber unter Ihnen ist die Liebe (erster Korintherbrief 13,13)“
Ich kann es mir nicht verkneifen  und will meinem modernen saarpfälzischen „Sadduzäer“ aber dann doch noch etwas entgegnen: Sollte der Schöpfergott, der das Universum mit all seiner Pracht und in all seinen unvorstellbaren Dimensionen geschaffen hat nicht in der Lage sein ausreichend Platz für alle vergangenen und zukünftigen Menschen zu haben?
Aber vollkommen egal – welche Erleichterung – es bleibt dabei: Wir brauchen uns nicht mit der Frage rumzuschlagen, wie das gehen kann und wie es da wohl aussehen wird. Das alles sind bestenfalls mal mehr oder mal weniger amüsante Gedankenspiele. Wem’s gefällt!

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