Kultur

Donnerstag, 11. August 2016

Der Himmel weint Laurentius-Tränen

Mitte August fallen in diesem Jahr besonders viele Sternschnuppen

Sternschnuppen der Perseiden. Foto: actionpress

Wenn die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Bahn des Kometen Swift-Tuttle quert, fällt eine große Menge Trümmer des Kometen in die Erdatmosphäre und verglüht. Niemals sonst im Jahresverlauf lässt sich eine so große Menge Sternschnuppen beobachten. Sie scheinen aus dem Sternbild Perseus zu kommen, daher die Bezeichnung Perseiden. Im Volksmund werden sie auch als „Tränen des Laurentius“ bezeichnet, weil sie um den Namenstag dieses populären Heiligen am 10. August zu sehen sind.

Für dieses Jahr versprechen Astronomie-Experten eine „ganz hervorragende Perseiden-Show“. Der Planet Jupiter beeinflusse mit seiner Schwerkraft die Bahnen der Meteoroide und verschiebe diese alle zwölf Jahre in Richtung auf die Erdbahn, heißt es auf der Internetseite www.leoniden.net. Deshalb sei mit einer hohen Sternschnuppenaktivität zu rechnen. Hunderte der meist millimeterkleinen Gesteinsbrocken werden in diesen Tagen mit 60 Kilometern pro Sekunde, das sind 216000 Kilometer pro Stunde, in die Erdatmosphäre eintreten und in 80 bis 300 Kilometer Höhe durch die Reibungshitze verglühen.

Die Zahl der Sternschnuppen ist nicht in jedem Jahr gleich: Denn Swift-Tuttle kommt nach Angaben des Bonner Astronomen Michael Geffert nur rund alle 134 Jahre der Umlaufbahn der Erde besonders nahe – zuletzt 1992 und das nächste Mal 2126. In Sonnennähe verliert ein Komet bei jedem Umlauf einen Teil seiner Materie. Die Überreste verteilen sich entlang seiner Bahn, etwa so, als verlöre ein Lastwagen beim Fahren Sand von der Ladefläche.

Der Begriff „Laurentius-Tränen“ leitet sich vom Märtyrer Laurentius her, der am 10. August 258 in Rom auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert worden sein soll. Dabei soll der Heilige einerseits Tränen über die Sünden seiner Mitmenschen vergossen haben. Andererseits berichtet die Legende von einem unter Qualen lachenden Märtyrer: Er soll dem Henker befohlen haben, ihn auf dem Feuer zu wenden, der Braten sei auf der einen Seite schon gar. Seitdem gilt Laurentius als Nothelfer für Brandverletzte und Fieberleidende sowie als Patron der Feuerwehrleute, Köche, Bäcker, Glasbläser und Köhler. Außerdem soll er vor den Qualen des Fegefeuers bewahren.

Realistischer sind Berichte, nach denen Laurentius als einer der sieben Diakone in Rom für die Finanzen und die Armenfürsorge zuständig war. Nachdem Kaiser Valerian von ihm vergeblich die Herausgabe von kirchlichen Gütern verlangt hatte, wurde er gefoltert und hingerichtet. Laurentius wurde zu einem der meistverehrten Heiligen. Über seinem Grab ließ 330 Kaiser Konstantin die Kirche San Lorenzo fuori le mura errichten. In der Krypta ruhen seine Gebeine zusammen mit denen des Stephanus; die beiden gelten als die Erzmärtyrer. (red)

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