Geistliches Leben

Dienstag, 22. Dezember 2020

Der Retter

Krippe und Kreuz „tragen“ Ostern

Es ist ein Ros entsprungen. Gemälde (Öl auf Leinwand) von Beate Heinen (geboren 1944) aus dem Jahr 1994. (Foto: Kunstverlag Maria Laach)

Ein tiefgründiges Weihnachtsbild. Auf den ersten Blick ist es einfach „nur“ schön, mit der jungen anmutigen Gottesmutter und ihrem kleinen zarten Jesuskind, das in einer großen roten Rosenblüte liegt, die aus dem Gewerk von Ästen erblüht, das eins zu sein scheint mit Maria: „Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart … und hat ein Blümlein bracht.“ Dieses alte Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert ist das Motiv des Bildes der Malerin und Grafikerin Beate Heinen (geboren 1944) aus dem Jahr 1994. „Die Wurzel zart“ ist „Maria, die Reine“, und Jesus „das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß.“
Doch bereits dieses so romantisch klingende Lied verlässt am Ende seine gefühlig erscheinende Sprache einer zarten Theopoesie und führt mitten in die reale Theologie der Weihnacht: „Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß; mit seinem hellen Scheine vertreibt‘s die Finsternis, wahr‘ Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide, rettet von Sünd und Tod.“ Das ist ja der Kern der Weihnacht: „Heute ist euch … der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr“ (Lukas-Evangelium 2,11). Als solcher erweist er sich am Ende von Allem, aber beileibe nicht erst dann, sondern immer in diesem „Heute“, das gerade im Lukas-Evangelium von so großer Bedeutung ist (Lukas-Evangelium 4,21; 23,43). Der irdische Weg Jesu, der ja hier beginnt, ist bestimmt von ganz handgreiflichen Zeichen dafür, dass er mit seinen Worten und Taten tatsächlich der Retter ist.
Ein genauerer Blick auf unser Weihnachtsbild lässt erkennen, dass diese Mitte mit der von den Wurzel umfangenen Gottesmutter und dem in der Rose gebetteten Jesuskind umrahmt ist von vier solcher Zeichen. Sie zeigen wie in Brennpunkten die ganze Bandbreite dessen, wie Jesus neue Lebensperspektiven gibt, ja, rettet und Heil schafft. Oben links öffnet Jesus einem blinden Menschen die Augen, der jetzt nicht nur wieder sehen kann, sondern Jesus sieht. Darunter rettet Jesus den Petrus aus den Fluten, in denen er unterzugehen droht, als er seinen Blick nicht mehr auf Jesus, sondern auf seine unmögliche Situation richtete. Und auf der anderen Seite, unten links, begegnet Jesus der Frau aus Samaria, deren Leben so hoffnungslos aus dem Ruder gelaufen war und von Jesus wieder „gerichtet“ wird. Die Menschen in Samaria erkannten und bekannten: „Er ist wirklich der Retter der Welt“ (Johannes-Evangelium 4,42).
Dieses Bekenntnis führt im Bild direkt nach oben rechts, zu Jesus am Kreuz. Das ist der eigentliche Höhepunkt in diesem Weihnachtsbild. Jesus am Kreuz. Doch das Kreuz löst sich gerade in den diffusen Hintergrund hinein auf. Es wird überstrahlt vom roten Licht der aufgehenden Sonne, die vor das Kreuz tritt und den „Morgen“ zur Herrschaft kommen lässt – den Ostermorgen. So hängt Jesus auch nicht tot am Kreuz. Vielmehr schwebt er vor dem Kreuz, wie wenn er gerade auferstehe: Er ist tatsächlich der Lebende, der Auferweckte:
Das ist die Botschaft der Weihnacht. Krippe und Kreuz gehören untrennbar zusammen, doch beide werden „durchstrahlt“ vom Licht des Ostertages, „durchlebt“ vom der Auferstehung. Der, der in der Krippe und am Kreuz so klein und schwach, so ohnmächtig erscheint, ist der „Starke Gott“ (Buch Jesaja 9,5), der Retter – Christus, der Herr.

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