Geistliches Leben

Mittwoch, 22. April 2020

Die Tür, die nicht trennt

Jesus Christus ist diese Tür. Das gilt gerade jetzt und immer

Wenn die Corona-Krise einen problematischen Begriff hervorgebracht hat, dann trifft das auf das Schlagwort „social distancing“ (dt. soziale Distanz) zu. Dahinter steht zwar eigentlich nur die medizinische Forderung, Abstand zu halten und die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen, jedoch ist diese Anordnung alles andere als „sozial“ zu nennen. Üblicherweise wird nämlich dieser Begriff mit Solidarität, Verantwortung und Fürsorge in Verbindung gebracht und besonders bei ängstlichen, gesellschaftlich ausgegrenzten und psychisch angeschlagenen Menschen, könnte „social distancing“ zu einer verstärkten Perspektivlosigkeit und Mutlosigkeit führen, da sie befürchten müssen, dass das „Soziale“, wovon die angesprochenen Gruppen besonders abhängig sind, aufgekündigt oder zumindest ausgesetzt wird.

Wer jetzt einwendet, dass es doch bloß ein Schlagwort ist, sollte die Macht von Sprache nicht unterschätzen. Sprache löst Gefühle aus. Sprache schafft Realitäten. Sprache und Worte sollten daher sehr sorgsam gewählt werden.
Die Bibel lebt von Bildern und Aussagen, die Menschen inspiriert und verändert haben. Im heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium begegnet uns eines der sieben „Ich-bin-Worte“ Jesu. Jesus sagt von sich: „Ich bin die Tür“.
Türen prägen uns Leben. Von der Tür zum Kreissaal, über die Wohnungs- oder Haustür bis hin zur Tür zum Krankenzimmer, immer gilt es an dieser Stelle gewisse Grenzen zu überschreiten. Mal sind wir freudig erregt und es fällt uns leicht, ein anderes mal gehen wir nervös oder schweren Herzens hindurch. Türen markieren Räume des Lebens. Sie können uns offen stehen, aber auch manchmal verschlossen bleiben.
Wenn Jesus heute davon spricht: „Ich bin die Tür“, will er damit deutlich machen, dass durch ihn Rettung geschieht. Wer auf ihn setzt, wer sich auf ihn einlässt, der wird nicht in die Irre gehen. Dieses Wort ist aber auch eine Mahnung und Warnung vor den „Dieben“ und „Räubern“, die sich den Zugang zur „Herde“ erschleichen wollen und dabei nur Böses im Schilde führen.
Türen können Menschen auf Distanz halten oder miteinander verbinden. Jesus ist die Tür, die für Sicherheit und Gemeinschaft, die aber dennoch allen offen steht. So gesehen ist das Angebot Gottes ein „soziales“. Solidarität, Verantwortung und Fürsorge sind Grundpfeiler seiner Botschaft. Auf Distanz sollte immer nur das Unmenschliche gehalten werden.
„Social distancing“ hat in diesen Tagen zur Folge, dass Türen vielerorts geschlossen bleiben. Das ist das Gegenteil von dem, was Menschen heute eigentlich brauchen und wofür Jesus und seine Botschaft stehen. Räumliche Distanz, wovon man heute besser sprechen sollte, ist zwar das unvermeidliche Gebot der Stunde, aber umso wichtiger ist es, einander zumindest emotionale-seelische Nähe in Telefonaten, Briefen, einem Blumengruß, oder auf sonstige Weise zukommen zu lassen. Die Botschaft der offenen Tür, darf nicht in Zeiten geschlossener Türen in Vergessenheit geraten. Dank Telefon und Internet können wir uns miteinander verbinden, Rat und Hilfe suchen und finden und auch auf Entfernung Nähe und Zuspruch erfahren.

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