Kirche und Welt

Mittwoch, 22. August 2018

Die verbindenden Elemente Europas

Tag des offenen Denkmals bietet Geschichte zum Anfassen – App und Karte helfen bei der Planung

Das Hambacher Schloss in Neustadt kann beim Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Heimat, was ist das? Ein eigenes Ministerium oder Debatten um kulturelle Identität füllen den Begriff nur wenig mit Leben. Meist sind Heimatgefühle mit konkreten Orten, Erlebnissen und Bauwerken verbunden. Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ öffnen am 9. September bundesweit rund 7 500 Denkmäler ihre Türen. Dabei gibt es viel zu entdecken; über Heimat, Kultur und Europa.

In diesem Jahr will die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Blick auf verbindende Elemente der europäischen Kulturlandschaft lenken. Das Thema knüpft an den Leitgedanken des Europäischen Kulturerbejahrs in diesem Jahr an: „Sharing Heritage“ (Das Erbe teilen). Es soll Europa den Europäern ein Stück näher bringen.

Ob historisches Gebäude, Park oder archäologische Stätte: Spuren und Traditionen aus anderen Ländern finden sich viele, vor allem hinsichtlich der verwendeten Materialien: Marmor aus Italien, Farbpigmente aus dem Orient, Wandteppiche aus Flandern oder Fliesen aus Delft. Auch einfache Materialien wie Bauholz, Steine oder Ziegel wurden zum Teil überregional eingekauft, um Gebäuden eine Aura des Besonderen zu verleihen.

Neben der Qualität des Materials spielte der Status-Gedanke eine Rolle. Denn der Gebrauch exklusiver Materialien und Stile „belegte zugleich eindrucksvoll den Reichtum, Geschmack und die Weltgewandtheit ihrer Besitzer und verarbeitenden Künstler“, so die Stiftung Denkmalschutz.

Sichtbar wird das beispielsweise in Berlin: Das Centre Français im Wedding, die Moschee in Wilmersdorf, das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park oder die mit pompejanischer Malerei verzierte Loggia Alexandra, benannt nach einer russischen Zarin, machen deutlich, wie viele Einflüsse aus ganz Europa in der Hauptstadt wirksam waren und sind. Auch die Städte Münster und Osnabrück, in deren Rathäusern 1648 der Westfälische Friede geschlossen und der 30jährige Krieg beendet wurden, verweisen zu diesem Tag des offenen Denkmals besonders auf die europäische Dimension ihrer Denkmäler.

Die Stiftung Denkmalschutz organisiert den Tag des offenen Denkmals seit 25 Jahren. Inzwischen hat er sich zur größten Kulturveranstaltung in Deutschland entwickelt, mit rund 3,5 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr. Eröffnet wird die Aktion in diesem Jahr in Köln von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Die Domstadt selber beteiligt sich mit rund 150 Denkmälern. So führt etwa eine Fahrradtour entlang der „Via Industrialis“ zu 14 Orten der Industrie- und Verkehrsgeschichte, darunter zur Kölnisch-Wasser-Fabrik der Familie Mülhens, zum Gaswerk Voss, zur Schokoladenfabrik Kwatta und zum Bahnhof Belvedere, dem ältesten Bahnhofsgebäude im deutschsprachigen Raum.

Manche Denkmäler bauen bereits aufgrund ihres Zwecks Brücken, etwa Verkehrsmittel oder Verkehrswege wie Kanäle oder historische Eisenbahnen. Aber auch Menschen verbinden Städte und Regionen Europas: Kunstmaler, Landschaftsplaner, Baumeister und Ingenieure schufen die Vielfalt Europas. Die typischen „Wanderjahre“ der Handwerker trugen dazu bei, dass sich Arbeitstechniken oder Baustile verbreiteten. Exotischere Elemente verbanden sich so mit lokalen Gewohnheiten.

Planungshilfe für den Tag leisten die App und die Karte der Stiftung Denkmalschutz (https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/besucher/programm/). Besucher können sich dort eine Denkmal-Tour zusammenstellen und Infos über Öffnungszeiten oder Führungen abrufen. Die Übersichtskarte zeigt alle beteiligten Denkmäler, regional und überregional, darunter Kirchen, Klöster, Burgen, Parks, Seilbahnen oder Wassertürme. (kna)

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