Wochenkommentar

Mittwoch, 21. März 2018

Die Verdrehung der Wahrheit

Größte Wachsamkeit ist heute mehr denn je gefragt

Was ist Wahrheit? Diese Frage, die Pilatus im berühmtesten Prozess der Weltgeschichte an Jesus richtete, ist heute genauso brisant wie vor 2000 Jahren. Da ist in Russland ein Präsident, der es mit Hilfe einer gewaltigen Propagandamaschinerie bei einer perfekt inszenierten Wahl, von der alle ernsthaften Gegner ausgeschlossen waren,  geschafft hat, seine Macht zu sichern. Alle Vorwürfe aus Großbritannien, Russland sei verantwortlich für den Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter, werden mit bodenloser Arroganz und perfidem Zynismus zurückgewiesen – ganz in dem Stil, wie die Weltöffentlichkeit das schon kennengelernt hat, wenn es um die Ostukraine, Syrien oder die Krim ging und geht. Das Motto lautet: Nicht nur nichts zugeben, sondern den Schuldvorwurf sofort herumdrehen, die Opfer zu Tätern umfunktionieren, den Gegenvorwurf der Stigmatisierung erheben und die Gegenseite nach allen Regeln der Kunst unglaubwürdig machen.

Keinen Deut besser sind in dieser Hinsicht übrigens US-Präsident Donald Trump und etliche Populisten im Westen – bis hin zur AfD: Fakten werden zur freien Manövriermasse erklärt, mit der man „kreativ“ umgehen kann, Wahrheit wird auf den Kopf gestellt, verdreht, zurechtgebogen, bis am Ende niemand mehr weiß, was wahr und falsch ist, und jeder sich die „Wahrheit“ aussuchen kann, die ihm passt. Eine solche Entwicklung aber höhlt die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens total aus.    

Umso wichtiger ist es, dass der Giftanschlag von Salisbury von unabhängigen Experten untersucht wird. Wenn sich tatsächlich bestätigen sollte, dass Russland hinter dem soundsovielten Anschlag auf einen Agenten in Großbritannien steckt, dann ist das kein Kavaliersdelikt, über das man zur Tagesordnung übergehen könnte. Insofern ist es nur zu begrüßen, dass der Westen gegen diese beispiellose Provokation geschlossen zusammensteht.      

Jüngste Wahlen haben gezeigt, dass sich auch in Europa zu viele Menschen von Lügen und hohlen, unhaltbaren Versprechungen verführen lassen, weil sie nur das zur Kenntnis nehmen, was sie zur Kenntnis nehmen wollen. Im Zeitalter sozialer Medien, mit deren Hilfe Propagandisten Lüge zur Wahrheit und Wahrheit zur Lüge machen können, sind mehr denn je Wachsamkeit und Wahrhaftigkeit gefragt.     (Gerd Felder)   

  

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