Kultur

Mittwoch, 26. Juni 2019

Die Visitenkarte Deutschlands

Seit 100 Jahren flattert Schwarz-Rot-Gold – Eine kleine Flaggenkunde zum Geburtstag

Erst spät haben die Deutschen eine emotionale Beziehung zu den Farben ihrer Nationalflagge entwickelt. Foto: Pixabay

Sie ist die Visitenkarte der Bundesrepublik. Doch lange haben sich die Deutschen schwergetan mit ihrer Flagge. Die Flaggen-Frage hat das Land gespalten.

Schwarz-Rot-Gold – das waren seit dem 19. Jahrhundert die Sehnsuchtsfarben der Demokraten. Doch im preußisch dominierten Deutschland des 19. Jahrhundertes hatten sie keine Chance. Erst als das Kaiserreich 1918 unterging, wurde diese Trikolore zur Flagge der Weimarer Republik. Am 3. Juli 1919 stimmte die Nationalversammlung mit breiter Mehrheit zu – und schloss zugleich einen Kompromiss: „Die Reichsfarben sind Schwarz-Rot-Gold, die Handelsflagge ist Schwarz-Weiß-Rot mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke“, hieß es in der dann am 11. August 1919 in Kraft getretenen Verfassung.

Doch der Streit war nicht beendet. Kaisertreue und Radikale von rechts und links machten das Symbol der Republik verächtlich. Während Zentrum und SPD sich für die neue Flagge aussprachen, trauerten die Konservativen den Farben des Kaiserreichs hinterher. Die Soldaten im Weltkrieg hätten für Schwarz-Weiß-Rot gekämpft. Demonstrativ hissten konservative Kreise bei besonderen Anlässen Schwarz-Weiß-Rot. Auch das Führungsgremium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) machte aus seiner Gesinnung kein Geheimnis: Vor Länderspielen ließen sie des öfteren statutenwidrig Schwarz-Weiß-Rot hissen. Die USPD verlangte hingegen, Deutschland möge eine rote Flagge als Zeichen der Revolution führen.

Ihren Ursprung hat das Schwarz-Rot-Gold beim mythenumwobenen Lützowschen Freikorps, das 1813/1814 gegen Napoleon kämpfte. 1817 auf dem Wartburgfest wurde diese Fahne zum Wahrzeichen der Burschenschaften.

Zu den Farben der Demokraten wurde Schwarz-Rot-Gold beim Hambacher Fest. Am 27. Mai 1832 versammelten sich mehr als 30 000 Patrioten in der Pfalz, um gegen Zensur und Fürstenwillkür zu protestieren. Die schwarz-rot-goldene Fahne wurde auf dem Turm der Hambacher Schlossruine gehisst. Für Staatskanzler Metternich war das „versuchte Aufreizung zum Umsturz“. Währenddessen forderte Heinrich Heine: „Pflanzt die schwarz-rot-goldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschtums...“

Spätestens mit der Revolution 1848 wurden Schwarz-Rot-Gold als explizit deutsche Farben wahrgenommen. „Pulver ist schwarz, Blut ist rot, golden flackert die Flamme“ lautete das Kampflied Ferdinand Freiligraths. Als am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche erstmals die Nationalversammlung tagte, waren die Straßen und der Sitzungssaal in Schwarz-Rot-Gold geschmückt.

Doch schon wenig später, nach dem Scheitern der Revolution, wurde diese Fahne eingeholt. Bismarck ereiferte sich über „die Farben des Aufruhrs und der Barrikaden“.

(Redaktion)

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