Wochenkommentar

Mittwoch, 24. April 2019

Die Würde des Menschen

Jedes Leben ist lebenswert und muss geschätzt werden

Ist das Leben der Kinder mit Down-Syndrom lebenswert? Sollen diese Kinder überhaupt geboren werden, wenn durch Bluttest oder Fruchtwasser-Untersuchung einer schwangeren Frau das Down-Syndrom festgestellt worden ist? Formal hat der Bundestag nicht über diese Fragen debattiert. Vielmehr ging es darum, ob die Gesetzlichen Krankenkassen nicht allein die Fruchtwasser-Untersuchung, sondern auch den weniger riskanten Bluttest einer Schwangeren bezahlen sollen. Doch im Hintergrund klingt die unglaubliche Frage nach dem Lebenswert mit.

Die Frage ist unglaublich, weil niemand das Recht hat, sie zu stellen oder zu beantworten. Wer meint, das Leben eines Menschen mit Down-Syndrom sei lebensunwert (ein Wort aus der Nazi-Praxis), sollte ein solches Kind fragen und beobachten, auch mit der Mutter, den Eltern sprechen – und er wird wahrscheinlich belehrt sein: Diese Eltern und Kinder sind außerordentlich glücklich miteinander, was nicht im Widerspruch steht zu dem natürlichen Wunsch aller Eltern, dass ein Kind ohne irgendein Syndrom geboren werde. Menschen mit Down-Syndrom sind wegen ihrer ausgeprägten Sensibilität gefragte Mitarbeiter zum Beispiel in Personal-Abteilungen.

Ginge es nur um Art und Finanzierung eines Tests bei riskanten Schwangerschaften, sollte auch der Bluttest von den Krankenkassen übernommen werden. Aber in wachsenden Teilen unserer Gesellschaft wird eine Abtreibung nach einem Test als eine Selbstverständlichkeit empfunden, die Selbstverständlichkeit einer leichten Entscheidung über Leben und Tod. Schon länger ist die vorwurfsvolle Meinung zu hören, heutzutage brauche es Kinder mit Down-Syndrom nicht mehr zu geben; die könnten ja abgetrieben werden.

Hier wird mit einem gefährlichen Weg „gespielt“, dem Weg in die sortierte, die aussortierte Gesellschaft – mit Kindern, Menschen, die einer Norm zu entsprechen hätten, wenn ihr Leben als lebenswert eingestuft werden soll. Heute geht es um das Down-Syndrom, morgen vielleicht um das „richtige“ Geschlecht. Sollten solche Gedanken sich noch mehr ausbreiten, dann stünde die im Grundgesetz garantierte Würde des Menschen auf dem Spiel – und die Menschlichkeit unserer Gesellschaft. 
(Rudolf Bauer)


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