Kirche und Welt

Mittwoch, 24. August 2016

Druck auf werdende Eltern würde wachsen

Julia Klöckner und Berliner Parlamentarier: Trisomie-Test nicht zur Kassenleistung machen

Bedrohtes Leben. Bei der Entdeckung von Trisomie 21 kommt es in rund 90 Prozent der Fälle zu einem Schwangerschaftsabbruch. Foto: actionpress

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat sich gegen eine mögliche Kostenübernahme der Krankenkassen für Down-Syndrom-Bluttests ausgesprochen. Dies wäre „sehr problematisch aufgrund ethischer Aspekte“, erklärte sie am 22. August in Mainz. Bei der Entdeckung von Trisomie 21 komme es in rund 90 Prozent der Fälle zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Ärzte und Krankenkassen wollen eine mögliche Kostenübernahme des umstrittenen Down-Syndrom-Bluttests bei Risikoschwangerschaften durch die Gesetzlichen Krankenkassen prüfen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte am 18. August beschlossen, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten, um zu sehen, ob und wie der einfache Test anstelle der invasiven Biopsie der Plazenta oder der Fruchtwasseruntersuchung im Rahmen der Regelleistungen eingesetzt werden kann. Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken betonte, der Bundesausschuss werde angesichts der fundamentalen ethischen Fragestellungen neben Fachgesellschaften auch „weitere gesellschaftliche Organisationen, beispielsweise den Deutschen Ethikrat“ einbeziehen.

Wenn der „Gen-Test inklusive Schwangerschaftsabbruch wirklich zur Regelleistung der Krankenkasse“ würde, befürchte sie eine kältere Gesellschaft, so Klöckner. Menschen mit Behinderungen würden dann „massiv in Frage gestellt“, Eltern mit behinderten Kindern gerieten unter Rechtfertigungsdruck. „Die, die sich entscheiden für ein Leben mit einem behinderten Kind, die brauchen unseren Respekt, unsere Achtung und unsere Unterstützung“, mahnte die Mainzer Politikerin.

Parlamentarier aller Bundestagfraktionen haben davor gewarnt, den vorgeburtlichen Bluttest auf Trisomie 21  zu einer regulären Kassenleistung zu machen. In einem in Berlin veröffentlichten Schreiben an den Gemeinsamen Bundesausschusses hatten sie darauf verwiesen, dass der Bluttest ausschließlich dazu diene, nach einer Trisomie zu suchen und „keinerlei medizinischen Nutzen“ habe. Unterschrieben hatten das Schreiben die Abgeordneten Corinna Rüffer (Grüne), Hubert Hüppe (CDU), Dagmar Schmidt (SPD) und Kathrin Vogler (Linke).

Trisomien erschienen als ein weiteres von vielen vermeidbaren „Risiken“, warnen die Abgeordneten. Die Möglichkeit, sehr früh und „risikoarm“ zu testen, könne zudem die Erwartung erzeugen, diese Angebote nutzen zu müssen. Damit erhöhe sich auch der Druck und die individuelle Verantwortung, ein „perfektes“ Kind zu gebären. Eltern, die sich dann gegen den Test oder wissentlich für ein behindertes Kind entscheiden, könnten immer mehr in Erklärungsnöte geraten, geben die Abgeordneten zu bedenken.

Sie weisen darauf hin, dass das entsprechende Methodenbewertungsverfahren lediglich vorsehe, den „diagnostischen und therapeutischen Nutzen der neuen Methode sowie deren medizinische Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit“ zu prüfen. Zudem erwecke die Beratung mitten in der Sommerpause den Eindruck, „dass diese brisante Entscheidung möglichst unter dem Radar der Öffentlichkeit getroffen werden soll“.

Die Lebenshilfe lehnt den vorgeburtlichen Bluttest auf Trisomie 21 als eine von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Routineuntersuchung ab. Die Untersuchung, „die gezielt nach Föten mit Behinderung sucht und in aller Regel zur Abtreibung führt, steht im Widerspruch zum Grundgesetz sowie zur Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen“, erklärte die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, in Berlin. Bei den Test gäbe es eine „nicht unerhebliche Zahl der falsch-positiven Testergebnisse“, die eine Behinderung anzeigten, obwohl das Kind nicht behindert sei. (kna)

 

 

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