Kultur

Donnerstag, 22. September 2016

Ein Fluss prägt ganz Europa

Ausstellung „Der Rhein“ bis 22. Januar 2017 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen

Französische Soldaten am Deutschen Eck in Koblenz. Die Aufnahme von Willy Römer (1918/19) ist Teil der Ausstellung „Der Rhein“ in der Bundeskunsthalle Bonn. Foto: bpk / Kunstbibliothek, SMB, Photothek Willy Römer

Der Rhein ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Seit Jahrtausenden befördert er Bodenschätze, Baumaterial und Menschen, aber auch Luxusgüter und Kunstschätze, Waffen, Ideen, Märchen und Mythen durch halb Europa. Beeindruckende Städte, Klöster und Kathedralen, ebenso wie Ballungsräume und Industrieansiedlungen säumen den Strom. Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn begleitet bis 22. Januar 2017 den Rhein von seinen Quellen bis zum Rhein-Maas-Schelde-Delta und schildert am Beispiel einzelner Orte und Regionen folgenreiche und teils dramatische Ereignisse aus über 2000 Jahren Kulturgeschichte.

Der chronologische Rundgang beginnt mit dem Kapitel „Strom der Römer“. Für die Römer war der Rhein nicht nur Teil ihrer wohlorganisierten Infrastruktur und Grenze, sondern auch eine Gottheit, Rhenus, den Vergil in Anlehnung an die Gabelung des Flusses an seiner Mündung als bicornis, Zweihörniger, bezeichnete. Caesar bestimmte den Rhein zur militärischen Grenze zwischen Gallien und Germanien. Zu ihrer Sicherung entstanden Straßen und Kastelle.

Die Organisationsformen und Verwaltungsstrukturen, die die Römer am Rhein hinterließen, waren das Fundament, auf dem die Christen ihre Kirche aufbauen konnten. Das nächste Kapitel der Ausstellung bezeichnet den Fluss als „Achse der Kirche“. Ihre Bedeutung in den Rheingebieten wuchs kontinuierlich seit dem 6. Jahrhundert, fassbar in ihrem politischen Einfluss, den Sakralbauten und Bischofspersönlichkeiten. Während der karolingischen Herrschaft prägte der Bau von Klöstern, Kirchen und Kathedralen am Oberlauf des Rheins die Infrastruktur des christlichen Mittelalters. Die beiden Benediktinerklöster St. Gallen (719) und Reichenau (742) gehören (zusammen mit Fulda) zu den bedeutendsten karolingischen Klostergründungen. Köln wurde durch die Überführung der Reliquien der Heiligen Drei Könige aus Mailand im 12. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der christlichen Welt. Die Kathedralen von Chur, Basel, Konstanz, Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Bonn, Köln, Xanten und Utrecht schmücken den Strom mit einem Band von Kirchen, das Kaiser Maximilian als „Pfaffengasse“ bezeichnete. Am Rhein, dem „Strom der Kaiser“, gründeten die Herrscher ihre Verwaltungszentren auf vormals römischen Lagern. Als Rü̈ckgrat der Kaiserwahlen beeinflusste die Rheinachse auch das Verhältnis von Kaiser und Reichsständen. Am Rhein, im Dom zu Speyer, wurden die salischen, staufischen und habsburgischen Herrscher bestattet.

Vor allem im 10. und 11. Jahrhundert siedelten zahlreiche jü̈dische Kaufmannsfamilien aus Italien und Sü̈dfrankreich am Rhein und förderten Aufstieg und Blüte der rheinischen Städte. Die bedeutenden jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz, die so genannten Schum-Gemeinden, waren im Mittelalter wichtige Zentren der jü̈dischen Kultur, die in ganz Europa Ansehen genossen.

Über die Jahrhunderte bildete der Rhein aber auch als „Strom der Händler“ die Grundlage für den europaweiten Warenumschlag. Industrie siedelte sich an, was insbesondere im 20. Jahrhundert zu erheblichen Umweltverschmutzungen führte.
Die Ausstellung widmet sich aber auch den zahlreichen Schlachten diesseits und jenseits des Rheins und beleuchtet seine Rolle als „Schicksalsfluss“ zwischen Deutschland und Frankreich. Legendär ist der Ruf des Rheins als „Fluss der Schätze“ – nicht nur wegen des sagenumwobenen „Rheingolds“. Ganze Generationen von Künstlern ließen sich von Vater Rhein und der Rheinromantik insbesondere im Mittelrheintal inspirieren. (red)

Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro.
Mehr Infos im Internet unter www.bundeskunsthalle.de

 

 

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