Aus dem Bistum

Mittwoch, 23. Mai 2018

Ein ganzes Dorf hält eine alte Tradition aufrecht

Fronleichnam in Schindhard – Über die Konfessionsgrenzen hinweg beteiligen sich die Dorfbewohner

Ergebnis fast künstlerischer Arbeit: Wappen von Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit seinem Wahlspruch „Maior omni laude“ („Größer als alles Lob). Foto: Petra Würth

Mittlerweile gehört Schindhard zur Großpfarrei im Dahner Felsenland, Heiliger Petrus. Aber während anderswo der Fronleichnamsschmuck eher abgespeckt wird, ist in Schindhard ein ganzes Dorf auf den Beinen, wenn es gilt, am Sonntag nach Fronleichnam das Fest im Dorf auszurichten. Jung und alt, katholisch oder nicht – das  spielt hier keine Rolle, beim Schmü-cken sind alle mit dabei, und das ist so seit nahezu 50 Jahren.

„Es gehört hier dazu wie Weihnachten und Ostern“, sagt Kuno Breitsch, einer der Hauptorganisatoren. Dabei spornen sich alle immer wieder selber an, jedes Jahr will man noch ein Stück perfekter werden. Die Themenvorschläge für die Gestaltung der Altäre und Bodenbilder werden im Gemeindeausschuss diskutiert und festgelegt. Hier bemüht man sich, aktuell zu sein, orientiert sich zum Beispiel am Motto des Kirchenjahres oder an Jubiläen. Es gab schon Motive zum Dorfjubiläum, zum Jahr der Barmherzigkeit, zum Pfarrer von Ars, Don Bosco oder zum Paulusjahr. Im vergangenen Jahr widmeten sich die Motive der drei Altäre dem Jubiläum des Bistums Speyer. Da waren die Ansicht des Speyerer Doms, das Bischofswappen und die Patrona Spirensis zu bewundern, Kunstwerke aus Blüten und Naturmaterialien.

Drei bis vier Wochen vor dem Fest geht es los. Peter Ludwig stellt sein zeichnerisches Können in den Dienst der Gemeinschaft und zeichnet die Motive mit Kreide auf Beton, in einer Größe von rund 10 x 4,5 Metern. Dann wird das Ganze mit Edding auf eine durchsichtige Baufolie übertragen. „Wichtig ist, dass die Proportionen stimmen“, sagt Breitsch, er hat alle Folien der vielen Jahre fein säuberlich gerollt aufgehoben „aber eigentlich machen wir immer etwas Neues“.

Montags vor dem Fest geht es dann in die heiße Phase, das Naturmaterial wird vorbereitet, Kiefernnadeln abgestreift, Koniferen kleingeschnitten, Blumenerde und Hackschnitzel vorbereitet, Freitags und Samstags kommen dann die Blüten dazu. Auch die Kommunionkinder sind mit einbezogen, sie gestalten traditionsgemäß den Aufgang zur Kirche mit einem Blumenteppich. Im eigens gestalteten Gottesdienstheft gibt es zu jedem Altar eine Erläuterung und Hintergrundinformationen. Der Blumenteppich auf der Straße wird erst am Sonntagmorgen gelegt, wenn die Straße für den Autoverkehr gesperrt ist.

Höhepunkt ist natürlich die Prozession am Sonntagmorgen, zu der jedes Jahr auch zahlreiche Gäste, sowohl aus der Großpfarrei, als auch von außerhalb des Dahner Tals kommen. Die Prozession ist der Höhepunkt, aber schon in tagelanger Arbeit für und an der gemeinsamen Sache haben die Schindharder, im wahrsten Sinne des Wortes, den Boden bereitet, um den auferstandenen Herrn in der Gegenwart des Brotes zu feiern. (Petra Würth)

Fragen und Antworten zum Fest Fronleichnam

„Hauptsache ein langes Wochenende“, heißt es oft, wenn donnerstags Feiertag ist und sich der Freitag als Brückentag anbietet – wie jetzt zu Fronleichnam.

Fronleichnam gehört zu den katholischen Feiertagen, deren Hintergrund den meisten kaum noch bekannt ist. Fragen und Antworten rund um das Fest, das in diesem Jahr am 31. Mai gefeiert wird.

Was ist Fronleichnam?
An Fronleichnam bringen die Katholiken öffentlich ihren Glauben zum Ausdruck, dass Gott in Brot und Wein mitten unter ihnen ist. Als sichtbares Zeichen wird eine reich verzierte Monstranz mit einer geweihten Hostie in feierlicher Prozession durch die Straßen getragen. Fronleichnam ist das „Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi“ in der katholischen Kirche. Es steht in engem Zusammenhang zum letzten Abendmahl am Gründonnerstag. Nach kirchlicher Lehre hat Jesus dabei das Sakrament der Eucharistie eingesetzt, als er den Jüngern Brot und Wein reichte und die Worte sprach „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“.

Wann wird Fronleichnam gefeiert?
Immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Der Tag soll an den Gründonnerstag erinnern. An diesem Tag selbst zu feiern, würde nicht zum stillen Charakter der Karwoche passen. In Städten und Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, finden die Prozessionen oft am folgenden Wochenende statt. Auch Papst Franziskus feiert im Vatikan erst am Sonntag Fronleichnam.

Woher kommt der Begriff?
Fronleichnam hat nichts mit Tod oder Leichnam zu tun. Das Wort stammt aus dem Althochdeutschen. Dort steht „vron“ für „Herr“ und „licham“ für „Leib“.

Wo ist Fronleichnam Feiertag?
In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist landesweit Feiertag. In Sachsen und Thüringen ist nur in einzelnen überwiegend katholischen Regionen arbeitsfrei. Außerhalb Deutschlands ist Fronleichnam unter anderem in Österreich, Polen, Portugal, in einigen Kantonen der Schweiz und in Teilen Spaniens und Brasiliens ein gesetzlicher Feiertag.

Gibt es einen biblischen Ursprung?
Anders als bei Ostern, Weihnachten, Pfingsten und den meisten anderen Festen geht Fronleichnam nicht direkt auf die Bibel zurück. Eine enge Verbindung gibt es allerdings zum letzten Abendmahl, über das die Bibel berichtet.

Seit wann wird Fronleichnam gefeiert?
Papst Urban IV. führte das Fest 1264 offiziell für die ganze Kirche ein. Es geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209. Etwa 1270 gab es erstmals eine Fronleichnamsprozession, und zwar durch die Straßen von Köln.

Welches Brauchtum gibt es?
Am wichtigsten sind die oft prunkvollen Prozessionen, bei denen in der Regel auch die Kommunionkinder noch einmal in ihren festlichen Gewändern mitgehen. In vielen Gemeinden werden die Prozessionswege besonders geschmückt mit Fahnen, kleinen Altären und Blumen. In einigen Regionen gibt es farbenprächtige Blumenteppiche, die zum Teil mehrere hundert Meter lang sind.

Und welche besonderen Traditionen?
In Köln findet die seit dem 14. Jahrhundert überlieferte „Mülheimer Gottestracht“ auf dem Rhein statt mit mehr als 100 Booten und Schiffen. Vom oberbayerischen Seehausen aus startet die 1935 begründete Seeprozession auf dem Staffelsee. In der seit 1390 stattfindenden Bamberger Prozession tragen 18 Männer das 15 Zentner schwere spätottonische Domkreuz.

Warum der öffentliche Charakter?
Lange Zeit waren viele Fronleichnamsprozession kämpferische Demonstrationen katholischer Frömmigkeit, berichtet Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti: „Die oberste Devise bei diesen frommen Demos war lange Zeit: den Protestanten zeigen, wie schön Katholischsein ist.“ Martin Luther galt Fronleichnam ohnehin als das „allerschädlichste Jahresfest“. In der NS-Zeit, der großen Zeit der politischen Aufmärsche, war der Zug der Gläubigen durch die Stadt vielerorts ein Akt passiven politischen Widerstands. Auch heute wollen viele in den besonderen Gottesdiensten deutlich machen, dass ihrer Meinung nach Glaube nicht ins stille Kämmerlein gehört, sondern in die Gesellschaft, auf Straßen und Plätze. (Gottfried Boh)

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