Geistliches Leben

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Ein Haus aus lebendigen Steinen

Für Gottes Tempel braucht es Menschen mit offenen Herzen – Gedanken zum Lukas-Evangelium 1, 26–38 von Pastoralreferentin Regina Mettlach

Die Lesung aus dem Zweiten Buch Samuel führt uns an den Königshof Davids in Jerusalem. Wir schreiben etwa das Jahr 1000 vor Christus. Zu dieser Zeit herrschen Ruhe und Frieden in Israel. David, der erfolgreichste König Israels, hat eine steile Karriere hinter sich. Begonnen hatte es in Betlehem. Dort hütete er die Schafe seines Vaters Isai. Eines Tages war er von der Herde weggerufen worden zum Propheten Samuel, der ihn auf Gottes Geheiß zum König salbte.

Zunächst war David König nur über die südlichen Stämme Israels mit der Hauptstadt Hebron. Nach einigen Jahren trugen ihm dann auch die nördlichen Stämme die Königskrone an, sodass er nun König von ganz Israel war. Um das Jahr 1000 vor Christus erobert er die bis dahin als uneinnehmbar geltende kanaanäische Stadt Jerusalem und macht sie zur Hauptstadt seines gesamten Reiches. Nun, auf dem Höhepunkt seiner Macht, baut er sich in Jerusalem einen Palast. Dann holt er die Bundeslade, das Symbol der Gegenwart Jahwes, in die Hauptstadt des Reiches. Der Prophet Natan wird sein Berater. An Natan ergeht auch die Verheißung Jahwes, dass von David eine Dynastie ausgehen wird, die in Ewigkeit bestehen soll. Nun sitzt der mächtige David in seinem Haus aus Zedernholz und blickt dankbar und stolz auf das, was er erreicht hat. Er hat neue Baupläne, er will Jahwe ein Haus bauen. Das könnte die Krönung seiner Herrschaft werden.

Wo Gott Menschen anspricht und berührt, ist heiliger Boden, da werden Altäre gebaut und Denkmäler gesetzt. Was David bewegt, als er Gott ein Haus bauen will, ist das Verlangen,  Gott einen Ort zu sichern und ihn damit zu beschenken. Und es soll ein Ort sein, an dem die Menschen Gott besuchen und erfahren können.

Aber Jahwe lehnt ab, zumindest vorläufig. Ein mobiler Gott hat eine Immobilie nicht nötig, lautet seine Begründung. Durch den Propheten Natan lässt Jahwe David wissen, dass sein Vorhaben zwar lobenswert, aber nicht im Sinne Gottes ist. Gott sucht sich die Orte der Begegnung selber aus. Er erinnert David: Ich bin immer bei meinem Volk gewesen, wohin es auch gegangen ist. Ich habe mich gezeigt im brennenden Dornbusch, im Säuseln des Windes und auf dem Berg Horeb. Ich bin durch die Wüste mit euch gegangen, in der Wolkensäule und in der Feuersäule. Ich habe euch begleitet auf vielen Wegen und Irrwegen auf der Suche nach dem verheißenen Land. Und nun willst du mir ein Haus bauen? Nein! Vielmehr werde ich dir ein Haus bauen. Es soll ein Haus des Friedens und der Sicherheit sein.

„Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben, dein Thron soll auf ewig Bestand haben“, so lässt Jahwe durch Natan ausrichten. Doch der Fortgang der Geschichte hat es erst einmal anders geschrieben. Das Königreich Davids sollte nur noch seinen Sohn Salomon überdauern, bis es zerfiel. Den Tempel konnte Salomon bauen, aber auch der Tempel konnte den Zerfall seines Reiches nicht verhindern und wurde zerstört. Danach waren Krieg, Besatzung, Plünderung und Unterwerfung das Schicksal des Volkes. Was blieb von der Verheißung Jahwes?

Etwa 1000 Jahre später macht sich ein junges Paar auf den Weg in die Davidsstadt Betlehem – einer Volkszählung wegen. Der Mann stammt aus dem Geschlechte Davids. Die Frau ist schwanger.  Ihr Kind wird geboren. Die Hirten in der Gegend um Betlehem sind die Ersten, die die Verheißung hören, die mit diesem Kind verbunden ist, der Engel verkündet es ihnen: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Die Hirten machen sich auf den Weg und finden das Kind, von dem der Engel Gabriel der jungen Frau gesagt hatte: „Dein Kind wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben“ (Lukas-Evangelium 1, 32–33). In diesem Kind aus dem Hause Davids, in Jesus von Nazaret, nimmt Gott die alte Verheißung wieder auf und vollendet sie.

Später wird Jesus in Gottes Namen die Menschen sammeln und sie einladen, mitzubauen an Gottes ewigem Reich, an seinem Haus des Friedens und der Sicherheit. Jeder darf mitbauen. Dazu braucht es keine Steine und kein Zedernholz, sondern ein offenes Herz. Wo Menschen einander achten, Recht und Gerechtigkeit nicht mit Füßen treten, da entsteht Gottes Haus. Da wohnt Gott in den Menschen und lässt sie so zu seinem Tempel werden.

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