Kultur

Donnerstag, 01. September 2011

Ein Salier auf dem Stuhl Petri

Mit Gregor V. kam erstmals ein Deutscher in das Amt des Papstes

Der jugendliche Papst Gregor V. salbt König Otto III., der vor ihm sitzt, zum Kaiser. Aus einer Handschrift, um 1240. Foto: Archiv

Nicht erst seit Konrad II. 1024 die Dynastie der „Salier“ begründete und schon lange bevor überhaupt der Name „Salier“ aufkam, war dieses „hochedle Geschlecht“, das in Worms seinen Mittelpunkt hatte, von hoher Bedeutung. Aus ihm ging der erste deutsche Papst hervor, der als Gregor V. von 996 bis 999 den Stuhl Petri inne hatte: Brun (Bruno von Kärnten), geboren 972 als zweiter Sohn Ottos von Worms – Graf im Wormsgau, Nahegau und Speyergau, ab 978 Herzog von Kärnten – und seiner Gemahlin Judith. Otto war ein Sohn von Konrad dem Roten, Graf in Franken und Herzog von Lothringen, und seiner Gemahlin Luitgard, einer Tochter von Kaiser Otto dem Großen, der von 936 bis 973 als deutscher König regierte und 962 zum Kaiser gekrönt wurde. Otto und Judith hatten drei weitere Söhne: Heinrich, Konrad und Wilhelm. Von Konrad stammte Konrad der Jüngere ab, von Heinrich Konrad der Ältere, beides „Kandidaten“ als Nachfolger des 1024 kinderlos gestorbenen Kaisers Heinrich II., der von 1002 an regierte. Konrad der Ältere, seit 1016 verheiratet mit Gisela, der Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben, wurde am 4. September 1024 zum König gewählt und begründete als Konrad II. die Dynastie, die später „Salier“ genannt wurde; 1027 wurde er Kaiser. Wilhelm war zunächst Kaplan von Königin Gisela, dann von 1028 bis 1047 Bischof von Straßburg. 

Schon früh war Brun für den geistlichen Stand bestimmt und erhielt in Worms bedeutende Lehrer zur Seite: Erzbischof Willigis von Mainz und Johannes Philagathos, einen griechischen Priester, den Theophanu, die aus dem oströmischen Reich stammende Gemahlin von Kaiser Otto II., als ihren Berater an den Hof geholt hatte. Nach seiner Priesterweihe wurde Bruno bald als Hofkaplan in die „Kapelle“ von König Otto III. berufen, zu dem er ja auch verwandschaftliche Beziehungen hatte. Brun begleitete seinen König, als er im Jahr 995 von Papst Johannes XV. nach Rom gerufen wurde, um ihm im Kampf gegen die mächtige römische Adelsfamilie der Crescentier beizustehen, die – nicht das erste und letzte Mal – nach dem Stuhl Petri griff; ohne Schutz des Königs waren die Päpste machtlos. Unterwegs jedoch, in Pavia, kam die Nachricht, dass der Papst gestorben ist. Otto zog nach Rom, und am 3. Mai 996 wurde Brun zum Papst gewählt – nicht vom römischen Adel, sondern nach dem Willen des Königs von den Geistlichen und dem Volk der Stadt; als Gregor V. nahm Brun den Stuhl Petri ein – als erster Deutscher und zudem, mit 23 Jahren, als einer der jüngsten Päpste in der Geschichte. Noch am selben Tag der Papstwahl sollten die Unruhestifter, vor allem die Crescentier mit Crescentius I. Nomentanus an der Spitze; doch auf Bitten Gregors  sprach König Otto die Begnadigung aus. Am 21. Mai 996 krönte Papst Gregor V. König Otto III. zum Kaiser. Große Hoffnungen lagen auf dem neuen Papst, galt er doch als integer, klug und fromm; gerühmt wurde sein vorbildlicher Lebenswandel, in dem er sich von seinen Vorgängern abhob; er war Anhänger der Kirchenreform, die von der Abtei Cluny ausging, wurde zum großen Wohltäter des Volkes. Vor allem gehörte er nicht zum römischen Stadtadel, der den Papst aus der Ferne bekämpfen begann.

Kaum hatte Kaiser Otto III. Anfang 997 Rom verlassen, brach Crescentius I. Nomentanus seinen Treueid gegenüber Papst und Kaiser; ohne kaiserlichen Schutz war Gregor den Crescentiern hilflos ausgeliefert und musste von Rom nach Spoleto fliehen. In diesen Turbulenzen kam Johannes Philagathos, einer der beiden Lehrer des jungen Brun in Worms, wieder „ins Spiel“: Gerade war er auf dem Rückweg von Byzanz, als er Crescentius Nomentanus begegnete und sich für dessen Revolte gegen Papst Gregor einnehmen ließ. Kurzerhand setzte Crescentius ihn als Johannes XVI. zum (Gegen)Papst ein, was wiederum Kaiser Otto auf den Plan rief: Auf einem Feldzug nach Rom im Jahr 998 stellte er die ursprüngliche Ordnung wieder her, und Papst Gregor V. kehrte nach Rom zurück. Der Gegenpapst konnte fliehen, wurde jedoch von kaiserlichen Soldaten bald aufgegriffen und aufs Grausamste misshandelt: ihm wurden die Augen ausgestochen, Nase, Ohren und Zunge abgeschnitten; derart entstellt kleideten sie ihn in päpstliche Gewänder und ließen ihn so auf einem Esel in Rom einziehen. Kaiser Otto und Papst Gregor billigten scheinbar dieses schändliche Treiben, jedenfalls schritten sie nicht ein. Johannes wurde in ein Kloster verbannt, wo er fünfzehn Jahre später starb, Crescentius in der Engelsburg enthauptet.

Diese bitteren Erfahrungen blieben nicht ohne Audwirkungen auf die noch verbleibende Zeit des  Pontifikat von Papst Gregor V., der ja mit so großen Vorsätzen und einem untadeligen Ruf sein Amt angetreten hatte. Der Papst – so heißt es – sei streng und unnachgiebig geworden, aber doch blieb er Wohltäter des Volkes und zugleich energischer Verfechter der Kirchenreform; allerdings lebte er nicht mehr lange: Am 18. Februar 999 starb Papst Gregor V. an Malaria. 

Papst Gregor V. war nur 27 Jahre alt geworden; mit Eifer und gutem Willen hatte er sein Amt angetreten, die große Geschichte jedoch verlief anders. Ein Deutscher kam erstmals wieder 1046 auf den Stuhl Petri, mit ihm begann die zehnjährige Periode der vier deutschen Päpste. Kaiser Heinrich III., der zweite salische Herrscher, bestimmte in dieser „guten“ Zeit, wer auf den Stuhl Petri kam.

(Klaus Haarlammert)

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